Von:
René Brunner
 

Machtnetz von Nicolas Sarkozy: Der Emsige

Er posiert als Retter des Euro, Libyens und der Elfenbeinküste – doch ­seine Landsleute lieben Staatspräsident Nicolas Sarkozy immer weniger.

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Voller Paradoxe ist das Leben von Nicolas Sarkozy (57), Frankreichs Staatschef seit 2007. Obwohl er bei Amtsantritt über keine aussenpolitische Erfahrung verfügte, hat sich der quirlige Präsident mit seiner Emsigkeit und seinem Buhlen um Lösungen ausserhalb des Landes Anerkennung verschafft – bei der Rettung des Euro, beim Eingreifen in Libyen und im blutigen Konflikt an der Elfenbeinküste. Bei seinen Landsleuten ist der konservative Staatschef dagegen das unpopulärste Oberhaupt der V. Republik. Kaum ein Drittel der Franzosen trauen ihm zu, die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu lösen, nur 40 Prozent würden ihn heute für eine zweite Amtszeit von fünf Jahren wählen. «Ich bin nicht Präsident, um populär zu sein. Sondern um mein Land durch die schlimmste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg zu führen», macht Sarkozy sich selber Mut.

Er gibt sich heute nicht mehr als Präsident der Reichen, sondern als Staatsmann, der vor allem von den Vermögenden Opfer für die Genesung der Staatsfinanzen verlangt. Ob er diese Botschaft in sechs Monaten an die Wähler bringen kann? Schon möglich. Schliesslich lagen zwischen seiner Scheidung von seiner zweiten Frau und seiner dritten Heirat mit seiner neuen Liebe Carla Bruni ebenfalls nur sechs Monate. Für Nicolas Sarkozy ist dies eine halbe Ewigkeit.

Die Freunde

Nicolas Sarkozy kann sich auf ein enges Netz mächtiger Freunde in der französischen Geschäfts- und Medienwelt stützen. Herzlich verbunden ist er dem Taufpaten seines Sohns Louis, dem Baulöwen und Mobiltelefon-Operator Martin Bouygues, dem der grösste TV-Sender Frankreichs gehört. «Wie mit einem Bruder» versteht sich Sarkozy mit Arnaud Lagardère, dem Miteigner des Rüstungskonzerns EADS und Patron des Mediengiganten Hachette, dessen Illustrierte und Zeitungen («Paris Match», «Journal du Dimanche») einen stramm regierungstreuen Kurs steuern. Mit Serge Dassault duzt den Staatschef der Verleger des bürgerlichen «Figaro» und Kampfflugzeug-Produzent. Raider Vincent Bolloré, auf dessen Yacht Sarkozy seine ersten Ferien als Staatschef verbrachte, ist ein weiterer Milliardär und Verleger in Sarkos Freundeskreis. Bekannt ist die Freundschaft des Staatschefs mit Rockstar Johnny Hallyday, der 2007 versprach, aus dem Schweizer Steuerexil zurückzukehren, sobald sein Copain Staatschef sei. Eng verbunden mit ihm ist der Philosoph Bernard-Henri Lévy, der die Intervention in Libyen veranlasst haben soll. In der Politik hat Sarko Verbündete, aber kaum Freunde – ausser Ex-Innenminister Brice Hortefeux, der den kommenden Wahlkampf organisiert. Freunde im angelsächsischen Raum hat der Staatschef keine. Er spricht nicht Englisch.

Die Karriere

Am Anfang seiner politischen Karriere stand ein politischer Vatermord. Mit 26 Jahren trat Sarkozy gegen seinen langjährigen Förderer an – und schnappte Innenminister Charles Pasqua das Stadthaus von Neuilly vor der Nase weg. Sarkozy blieb von 1983 bis 2002 Bürgermeister und baute sich im reichsten aller Departements Frankreichs seine politische Hausmacht und einen illustren Freundeskreis auf. Mit 40 Jahren war er Budgetminister unter Edouard Balladur und schien auf bestem Weg, 1995 zum jüngsten Premierminister Frankreichs aufzusteigen. Doch er hatte aufs falsche Pferd gesetzt. Nicht Balladur, dessen potenzieller Regierungschef er war, wurde Präsident, sondern Rivale Jacques Chirac, der Sarkozy wie einen Sohn behandelt hatte. Chirac verbannte den Verräter sogleich in die politische Wüste. Erst sieben Jahre später bekam er wieder ein Regierungsamt – und setzte sich darauf trotz der Feindschaft des Staatschefs gegen alle Hindernisse durch. Am 6. Mai 2007 wurde er mit 53,06 Prozent der Stimmen zum sechsten Staatsoberhaupt der V. Republik gewählt.

Die Familie

Nicolas Sarkozy ist der erste französische Staatschef, der sich während seiner Amtszeit scheiden liess, wieder heiratete und Vater wurde: Sein Privatleben galt lange als total chaotisch. Aus der ersten Ehe mit einer Korsin hat der Sohn eines ungarischen Adligen die Söhne Pierre (*1985) und Jean (*1986), der Politiker geworden ist und die Erbin der Kaufhauskette Darty geheiratet hat. 1996 heiratete er Cécilia Ciganer-Albéniz, die Frau eines seiner besten Freunde, mit der er einen Sohn hat, Louis (*1997). 2005 verliess sie ihn. Seit 2008 ist Sarkozy mit der Sängerin Carla Bruni verheiratet, die aus einer reichen italienischen Industriellenfamilie stammt. Das Paar hat seit dem 19. Oktober eine gemeinsame Tochter, Giulia.

Die Gegner

Der verbissenste Feind von Sarkozy stammt aus seinem eigenen Lager: ­Ex-Premierminister Dominique de Villepin lässt keine Gelegenheit ungenutzt, den Staatschef massiv anzugreifen. Die Feindschaft geht auf die ­gefälschten Korruptionslisten der Clearstream-Affäre zurück, auf denen im Jahr 2006 Sarkozys Name auftauchte. Der Staatschef ist überzeugt, dass de Villepin als damaliger Premierminister ihn gezielt auf diese Liste setzen liess, und zerrte ihn dafür bereits zweimal – vergeblich – vor Gericht. Noch älter ist die Feindschaft mit Ex-Staatschef Jacques Chirac, der seinem politischen Ziehsohn nie verziehen hat, dass er 1995 für Edouard Balladur und gegen ihn Wahlkampagne machte. Sarkos gefährlichster Feind ist heute Staatsanwalt Renaud van Ruymbeke, der über Schmiergelder ermittelt, die 1995 via einen Waffendeal in Pakistan in die Kassen von Ex-Premier Balladur flossen, dessen Sprecher und enger Vertrauter Nicolas Sarkozy war.

Die Afrika-Connection

Laurent Gbagbo, Ex-Staatschef der Elfenbeinküste, verlor den Bürgerkrieg gegen seinen Rivalen Alassane Ouattara nach einer militärischen Intervention Frankreichs, die Sarkozys Diplomaten im Eilzugs­tempo international legitimieren liessen. Muammar Gaddafi, Ex-Diktator von Libyen, verlor den Bürgerkrieg gegen die «Rebellen», nachdem Sarkozy eine Uno-Resolution schnell durchgepaukt und seine Luftwaffe auf Gaddafis Panzer angesetzt hatte. Auch innenpolitisch ist der Staatschef nicht zimperlich in seinem Zorn. Das bekam seine frühere Lieblingsministerin Rama Yade zu spüren, die Sarkos Realpolitik kritisierte und alle ihre Ämter verlor. Ex-Justizministerin Rachida Dati, der ein Verhältnis mit ihm nachgesagt wurde, kam aufs Abstellgleis, nachdem der Staatschef geheiratet hatte.

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