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Machtnetz von Dany Bahar: Volle Pulle

Er wirbelte bei Red Bull und Ferrari, nun soll der 38-jährige Dany Bahar die verstaubte Automobilfirma Lotus in die Gänge bringen.

VonStefan Barmettler
12.03.2010

No risk, no fun, heisst offenkundig das Motto von Dany ­Bahar. Bei Lotus ist der 38-Jährige am richtigen Ort. Seit Jahren stottert die einst legendäre Autofirma – rosa Zahlen, Schulden, rückläufiger Umsatz (2009: 150 Millionen Franken), ein Output von ­mageren 2800 Einheiten. «Baustelle» nennt Bahar ­selber die Herausforderung vor Ort. Nun soll er den Weg in die Zukunft weisen. Im Koffer hat er viele Ideen, Aktien­optionen und einen langfristigen Arbeitsvertrag.

Seit Anfang Oktober ist er Chef von Lotus. Sein fast doppelt so alter Vorgänger, Mike Kimberley, verliess die Firma vor ein paar Monaten wegen Rückenbeschwerden. Zuzutrauen ist dem Dynamiker einiges. Immerhin hat er seine Sporen bei den Marketingturbos Red Bull und Ferrari abverdient. Und die Branche nimmt es ihm ab: Innert Monaten folgten 14 Top­leute aus Europas Autoindustrie seinem Ruf in die britische Provinz nach Hethel mit 446 Einwohnern und genau einer Fabrik.

Schafft MBA-Absolvent Bahar den Turnaround, steigt er definitiv in die oberste Hubraumklasse des Managements auf. Es gibt bei so viel Ambitionen auch einige Kritiker, die nur darauf warten, bis der «Überflieger» in Turbulenzen gerät. ­Bahar, der das Rampenlicht scheut, trägt es mit Fassung. Ein zweites Lebensmotto lautet nämlich: Viel Feind, viel Ehr.

Die Vertrauten

Neben dem reiseintensiven Job und seiner Familie bleibt Lotus-Chef Dany Bahar wenig Zeit zur Bewirtschaftung eines üppigen Freundeskreises. Also beschränkt er sich auf einen engen Zirkel von Vertrauten. Sie sind aktiv im verschwiegenen Club am Rennweg, wo Bahar Mann der ersten Stunde und gewichtiger Aktionär ist. Der Bündner ist eng befreundet mit Philippe Gaydoul (Gaydoul Group, Navyboot, Jet Set), Thomas Matter (früher Swissfirst, Matter Group), Daniel Aegerter (Armada Investment Group), Georges Kern (IWC, Richemont Group), Alex Wassmer (Kibag) und ­Thomas Ladner (Anwalt, Rennweg-Präsident, Quantum, Exigen ­Capital). Eine Zeit lang wurde Bahar zusammen mit Gaydoul als Retter des ­maroden Zürcher Fussballclubs Grasshoppers gehandelt. Fehl­alarm: zu viel Geschwätz im Club, zu wenig Action. Zum Bekanntenkreis gehört auch Dietrich Mateschitz, der ­legendäre Red-Bull-Besitzer. Man lernte sich über den Vermögensverwalter Fritz Kaiser kennen. Bahar wurde 2003 Mateschitz’ ­Assistent und wechselte 2006 zu Ferrari.

Die Gegner

Ferrari-Chef Luca di Montezemolo dürfte wenig angetan sein von seinem ehemaligen Kadermitarbeiter Bahar. Dieser lockte in den letzten Monaten diverse Ferraristi zu Lotus, darunter ­Designchef Donato Coco und Geschäftsentwickler Andreas Prillmann. Von einer «Ferrari-isation» schreibt Britanniens wichtigstes Branchenblatt, «Autocar».
Bahars Ambition ist es, aus der Autofirma einen kunden­orientierten Sportwagenhersteller mit Strahlkraft zu kreieren. In fünf Jahren soll die Marke im selben Atemzug mit Aston Martin, Lamborghini oder Maserati genannt werden und soll sich die Produktion auf 6000 Einheiten verdoppeln. Schub verspricht sich der neue Chef vom Markentransfer aus dem Lotus-Formel-1-Team, das allerdings nicht unter seiner Verantwortung steht. Dieses kämpft – nach mehrjähriger Abwesenheit vom Formel-1-Rennsport – mit einem anderen Schweizer, Peter Sauber, um WM-Punkte.

Die Lotus-Connection

Nach dem Tod von Firmengründer Colin Chapman übernahm GM die Marke, dann versuchte sich Bu­gatti, und seit 1996 sitzt die Proton-Gruppe aus Malaysia am Steuer. Der durch Petrodollars angetriebene Staatsbetrieb, der sich bislang als überaus geduldiger Aktionär zeigte, wird präsidiert von Datuk Mohd Nadzmi Mohd Salleh und steht dem ehemaligen Ministerpräsidenten Mahathir bin Mohamad nahe, der als Berater von Lotus und Proton wirkt. Gefreut hat die asiatischen Eigner, wie Bahar eben für Schlagzeilen sorgte: Nach dem Erdbeben in Haiti organi­sierte er ein Fundraising, bei dem acht Lotus Evora unter dem Patronat von Topmodel Naomi Campbell («Naomi for Haiti») versteigert wurden.

Die Karriere

Bahar war Lebemann, bis er mit 20 Jahren beim Sportvermarkter Iguana des Inline-Skating-Pioniers Coni Altherr eintrat. Anschliessend wechselte er nach Rom, wo er die rechte Hand von Sabatino Aracu wurde, Lega-Politiker und bis heute Präsident der International Roller Sports ­Federation. Von Rom ging er als Projektkoordinator für Informatik­investments in das Emirat Dubai. Bei einem Home ­Leave lernte er den Vaduzer Vermögensverwalter Fritz Kaiser kennen, dessen persönlicher Assistent er in den Jahren 2001 bis 2003 war.

Das Privatleben

Eine Tellerwäscherkarriere mit internationaler Note: geboren in Istanbul, der Vater aus Slowenien, die Mutter aus der Türkei, aufgewachsen in Surlej GR. Der Vater war im Elektrofachhandel tätig, die Mutter im Gastgewerbe. Dany, der sich damals Taner nannte, schloss im Engadin die Sekundarschule ab. Nach einer Verkaufslehre im Sportgeschäft Conrad zog er nach Wil SG, wo er bei einem ­Autozulieferer eine KV-Lehre absolvierte. Er ist verheiratet mit Annett, Tochter von Headhunter Bjørn Johansson, und lebt mit den zwei Kindern in Norwich.

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No risk, no fun, heisst offenkundig das Motto von Dany ­Bahar. Bei Lotus ist der 38-Jährige am richtigen Ort. Seit Jahren stottert die einst legendäre Autofirma – rosa Zahlen, Schulden, rückläufiger Umsatz (2009: 150 Millionen Franken), ein Output von ­mageren 2800 Einheiten. «Baustelle» nennt Bahar ­selber die Herausforderung vor Ort. Nun soll er den Weg in die Zukunft weisen. Im Koffer hat er viele Ideen, Aktien­optionen und einen langfristigen Arbeitsvertrag.

Seit Anfang Oktober ist er Chef von Lotus. Sein fast doppelt so alter Vorgänger, Mike Kimberley, verliess die Firma vor ein paar Monaten wegen Rückenbeschwerden. Zuzutrauen ist dem Dynamiker einiges. Immerhin hat er seine Sporen bei den Marketingturbos Red Bull und Ferrari abverdient. Und die Branche nimmt es ihm ab: Innert Monaten folgten 14 Top­leute aus Europas Autoindustrie seinem Ruf in die britische Provinz nach Hethel mit 446 Einwohnern und genau einer Fabrik.

Schafft MBA-Absolvent Bahar den Turnaround, steigt er definitiv in die oberste Hubraumklasse des Managements auf. Es gibt bei so viel Ambitionen auch einige Kritiker, die nur darauf warten, bis der «Überflieger» in Turbulenzen gerät. ­Bahar, der das Rampenlicht scheut, trägt es mit Fassung. Ein zweites Lebensmotto lautet nämlich: Viel Feind, viel Ehr.

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Neben dem reiseintensiven Job und seiner Familie bleibt Lotus-Chef Dany Bahar wenig Zeit zur Bewirtschaftung eines üppigen Freundeskreises. Also beschränkt er sich auf einen engen Zirkel von Vertrauten. Sie sind aktiv im verschwiegenen Club am Rennweg, wo Bahar Mann der ersten Stunde und gewichtiger Aktionär ist. Der Bündner ist eng befreundet mit Philippe Gaydoul (Gaydoul Group, Navyboot, Jet Set), Thomas Matter (früher Swissfirst, Matter Group), Daniel Aegerter (Armada Investment Group), Georges Kern (IWC, Richemont Group), Alex Wassmer (Kibag) und ­Thomas Ladner (Anwalt, Rennweg-Präsident, Quantum, Exigen ­Capital). Eine Zeit lang wurde Bahar zusammen mit Gaydoul als Retter des ­maroden Zürcher Fussballclubs Grasshoppers gehandelt. Fehl­alarm: zu viel Geschwätz im Club, zu wenig Action. Zum Bekanntenkreis gehört auch Dietrich Mateschitz, der ­legendäre Red-Bull-Besitzer. Man lernte sich über den Vermögensverwalter Fritz Kaiser kennen. Bahar wurde 2003 Mateschitz’ ­Assistent und wechselte 2006 zu Ferrari.

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Bahars Ambition ist es, aus der Autofirma einen kunden­orientierten Sportwagenhersteller mit Strahlkraft zu kreieren. In fünf Jahren soll die Marke im selben Atemzug mit Aston Martin, Lamborghini oder Maserati genannt werden und soll sich die Produktion auf 6000 Einheiten verdoppeln. Schub verspricht sich der neue Chef vom Markentransfer aus dem Lotus-Formel-1-Team, das allerdings nicht unter seiner Verantwortung steht. Dieses kämpft – nach mehrjähriger Abwesenheit vom Formel-1-Rennsport – mit einem anderen Schweizer, Peter Sauber, um WM-Punkte.

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Nach dem Tod von Firmengründer Colin Chapman übernahm GM die Marke, dann versuchte sich Bu­gatti, und seit 1996 sitzt die Proton-Gruppe aus Malaysia am Steuer. Der durch Petrodollars angetriebene Staatsbetrieb, der sich bislang als überaus geduldiger Aktionär zeigte, wird präsidiert von Datuk Mohd Nadzmi Mohd Salleh und steht dem ehemaligen Ministerpräsidenten Mahathir bin Mohamad nahe, der als Berater von Lotus und Proton wirkt. Gefreut hat die asiatischen Eigner, wie Bahar eben für Schlagzeilen sorgte: Nach dem Erdbeben in Haiti organi­sierte er ein Fundraising, bei dem acht Lotus Evora unter dem Patronat von Topmodel Naomi Campbell («Naomi for Haiti») versteigert wurden.

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Bahar war Lebemann, bis er mit 20 Jahren beim Sportvermarkter Iguana des Inline-Skating-Pioniers Coni Altherr eintrat. Anschliessend wechselte er nach Rom, wo er die rechte Hand von Sabatino Aracu wurde, Lega-Politiker und bis heute Präsident der International Roller Sports ­Federation. Von Rom ging er als Projektkoordinator für Informatik­investments in das Emirat Dubai. Bei einem Home ­Leave lernte er den Vaduzer Vermögensverwalter Fritz Kaiser kennen, dessen persönlicher Assistent er in den Jahren 2001 bis 2003 war.

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