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Für Apple beginnt jetzt eine riskante Durststrecke

Apple hat sein neues iPhone 7 vorgestellt, das vor allem mit Detailverbesserungen glänzt. Der wirklich grosse Wurf aber ist ausgeblieben. Das ist - gelinde gesagt - riskant.

Thomas Heuzeroth

iPhone 7
Das Smartphone ist aber nun wasser- und staubdicht …
…und verzichtet auf den analogen Kabelanschluss für Kopfhörer. Stattdessen können Kopfhörer beim iPhone 7 über dieselbe Buchse angeschlossen werden wie das Ladekabel.
Die kabellosen Kopfhörer mit der Bezeichnung Air Pods werden Ende Oktober geliefert und kosten in der Schweiz ab 179 Franken. Sie sind mit einem Klick mit dem iPhone verbunden. Wer für das Telefonieren nur einen verwenden möchte, kann den anderen einfach weglassen.
Auch Kamera und Display wurden deutlich verbessert. Das iPhone 7 verfügt über eine hoch auflösende Kamera mit Weitwinkel- und Telefunktion, in der Plus-Edition über zwei Kameras.
Die neue iPhone-Generation wird es in schwarz, mattschwarz, silber, gold und roségold zu kaufen geben. Die Preise für das iPhone und iPhone 7 Plus in der Schweiz beginnen ab 759 Franken. Ausgeliefert wird ab dem 16. September in 28 Ländern. Erstmals ist damit die Schweiz unter den zuerst belieferten Staaten.
Der neue Chip «A10 Fusion» sei doppelt so schnell wie der im zwei Jahre alten iPhone 6. Der Speicher in der günstigsten Variante wurde von 16 auf 32 Gigabyte angehoben. Das neue Diamantschwarz-Finisch wird dabei nur in den höheren Datenspeicher-Varianten angeboten (128 GB und 256 GB).
Bei der von Apple für das iPhone 7 genannten Wasserdichte-Klasse IP67 sind Geräte vor Spritzwasser, Regen und Schnee geschützt, können unter die Dusche genommen und für bis zu 30 Minuten einen Meter tief unter Wasser gehalten werden. Schwimmen, tauchen oder schnorcheln sollte man dagegen nicht.
Nach rund eineinhalb Jahren bringt Apple zudem eine zweite Version seiner Computer-Uhr heraus. Mit der neuen Apple Watch Series 2 wird man auch schwimmen können.
Der Prozessor der Uhr ist jetzt deutlich schneller und das Display wurde heller gemacht. Ausserdem hat die Uhr jetzt ein eingebautes GPS-Modul, zum Beispiel, um ein Lauftraining auch ohne ein Smartphone aufzuzeichnen. Auch eine Internetverbidnung ist überflüssig, um sich mit der smarten Uhr zu orientieren.
Im Gaming-Bereich gelangen Apple zwei Überraschunge: Für Super-Mario-Fans gibt es das Nintendo-Spiel nun auch auf dem neuen iPhone. Die Nintendo-Aktie sprang daraufhin zeitweise um 14 Prozent hoch.
Für die neue Apple Watch spendiert das Unternehmen zudem ein Pokemon Go Feature.
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RMS

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Apple geht ins dritte Jahr mit einem weitgehend unveränderten iPhone-Design. Das ist - gelinde gesagt - riskant. Zum ersten Mal bricht der Konzern damit seinen Tick-Tock-Zyklus auf, der alle zwei Jahre ein grundüberholtes iPhone garantierte.

In den Zwischenjahren gab es immer nur eine Überarbeitung mit einem «S» im Namen. Tatsächlich befindet sich der Konzern in einer misslichen Lage. Seit einem halben Jahr gehen die Verkaufszahlen des iPhones kräftig zurück, und zwar zweistellig.

Weil das iPhone für zwei Drittel des Konzernumsatzes steht, ist dieser Trend gefährlich. Ob das neue iPhone diese Abwärtsspirale aufhalten kann, ist ungewiss. Viele Nutzer werden im iPhone 7 nichts weiter sehen als das Update eines Updates.



Eine bittere Durststrecke

Schon lange vor der Apple-Präsentation gab es Gerüchte, dass der wirklich grosse Wurf erst mit dem iPhone im nächsten Jahr kommt, zum zehnjährigen Jubiläum.

Das könnte eine bittere Durststrecke werden bis zum nächsten Herbst. Was das bedeutet, erlebt Apple jedes Jahr vor Einführung einer neuen Gerätegeneration. Käufer halten sich zurück, das iPhone liegt wie Blei in den Regalen.

Der Smartphone-Markt dreht sich zu schnell, als dass sich Apple diese Phase ein Jahr lang leisten könnte. Verfolger Huawei ist bereits gefährlich nah gekommen und fest entschlossen, Apple den zweiten Platz hinter Samsung zu entreissen.



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Mehr Ärgernis als Innovation

Da hilft es auch wenig, dem iPhone den Kopfhöreranschluss zu nehmen. Zwar verkauft Apple das als mutige Innovation. Doch die meisten dürften das erst einmal als Ärgernis verstehen, müssen sie doch ihr Zubehör - vor allem Kopfhörer und Mikrofone - mit einem Adapter anschliessen - oder neu kaufen.

Ob sich Käufer von einer neuen Farbe (schwarz) oder mehr internem Speicher (256 Gigabyte) locken lassen, ist zweifelhaft. Eine zweite, zusätzliche Kamera mit Teleobjektiv gibt es nur im iPhone 7 Plus mit seinem 5,5 Zoll grossem Display. Doch vielen ist das Gerät schlichtweg zu gross.

Apple bräuchte jetzt ordentlich Anschwung um sein Wachstum wieder ins Positive zu drehen. Seine verbesserte Apple Watch wird dieses Kunststück nicht vollbringen, ein anderes Gerät, das dazu in der Lage wäre, ist nicht in Sicht. Apple-Chef Tim Cook setzt nun alle Hoffnung auf das iPhone 7. Das ist mutig.



Die Kontributoren sind externe Autoren und wurden von bilanz.ch sorgfältig ausgewählt. Ihre Meinung muss nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen.

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