ETF-Börsenausblick: «Der Bankensektor könnte sich erholen»

Alex Hinder hat sich auf die Vermögensverwaltung mit ETFs spezialisiert. Er favorisiert nicht nur den Bankensektor, sondern auch US-Immobilien.

16.11.2012

BILANZ: Wie geht es weiter an den Aktienmärkten?

Alex Hinder: Ich gehe davon aus, dass sich die Aufwärtsbewegung fortsetzen wird. Für Aktien spricht, dass die Geldpolitik wichtiger Notenbanken expansiv bleiben wird und das Zinsniveau damit mindestens noch zwölf ­Monate nahe bei null bleibt. In diesem Umfeld bieten Aktien im Vergleich zu Obligationen relativ hohe Renditen, bei meist noch ­moderaten Bewertungen.

Erwarten viele Investoren immer noch einen Eurokollaps und scheuen deshalb Aktien?

Ja, viele Anleger misstrauen den Märkten. Doch insgesamt ist das Finanzsystem deutlich ­stabiler ­geworden. Banken haben mehr ­Eigenkapital, und Risiken wurden zurückgefahren, zudem ist der ­europäische Rettungsschirm mit 500 Milliarden Euro robust alimentiert. Natürlich fehlen wegen der rigiden Sparmassnahmen noch Wachstumsimpulse, aber der eingeschlagene Weg dürfte, Strukturreformen vorausgesetzt, in die richtige Richtung führen.

Worin liegt das grösste Risiko für Ihr ­optimistisches Szenario?

Das grösste Problem für die Aktienmärkte liegt 2013 in den USA und der sogenannten «fiscal cliff» und eben nicht mehr in Europa. Der US-Kongress muss über die Verlängerung auslaufender Steuersenkungspakete und mögliche Ausgabenkürzungen befinden. Sollten sich die Befürworter einer rigiden Fiskalpolitik durchsetzen, könnte die daraus folgende massive Steuererhöhung das US-Wirtschaftswachstum praktisch auf null sinken lassen. Ich gehe jedoch davon aus, dass sich die Politiker der Gefahr bewusst sind und eine vernünftige Lösung erzielt wird.

Sie favorisieren also europäische Aktien gegenüber US-Papieren?

US-Aktien sind nach der vergleichsweise guten Performance der letzten drei Jahre etwas teurer bewertet als jene in Europa. Der Bewertungsabschlag zeigt sich etwa darin, dass die durchschnittliche Dividendenrendite in Europa etwa 4 Prozent beträgt und in den USA nur rund 2,5 Prozent. Sollte sich die Krise in Europa weiter ­beruhigen, hat der europäische Markt viel Aufholpotenzial.

Welche Sektoren favorisieren Sie?

Der Bankensektor könnte sich überdurchschnittlich erholen. Nehmen Sie etwa die UBS: Die Bank senkt ihre Kosten massiv und passt ihr Geschäftsmodell dem neuen Umfeld an – mehr Vermögensverwaltung und weniger Investment Banking. Das ist der einzig richtige Weg. Ein weiterer Favorit sind US-Immobilien: Der Markt hat Boden gefunden und zieht wieder an. Befeuert wird der Sektor von den tiefen Zinsen und der US-Notenbank, die derzeit jeden Monat rund 40 Milliarden Dollar in den Kauf von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren fliessen lässt. 

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

BILANZ: Wie geht es weiter an den Aktienmärkten?

Alex Hinder: Ich gehe davon aus, dass sich die Aufwärtsbewegung fortsetzen wird. Für Aktien spricht, dass die Geldpolitik wichtiger Notenbanken expansiv bleiben wird und das Zinsniveau damit mindestens noch zwölf ­Monate nahe bei null bleibt. In diesem Umfeld bieten Aktien im Vergleich zu Obligationen relativ hohe Renditen, bei meist noch ­moderaten Bewertungen.

Erwarten viele Investoren immer noch einen Eurokollaps und scheuen deshalb Aktien?

Ja, viele Anleger misstrauen den Märkten. Doch insgesamt ist das Finanzsystem deutlich ­stabiler ­geworden. Banken haben mehr ­Eigenkapital, und Risiken wurden zurückgefahren, zudem ist der ­europäische Rettungsschirm mit 500 Milliarden Euro robust alimentiert. Natürlich fehlen wegen der rigiden Sparmassnahmen noch Wachstumsimpulse, aber der eingeschlagene Weg dürfte, Strukturreformen vorausgesetzt, in die richtige Richtung führen.

Worin liegt das grösste Risiko für Ihr ­optimistisches Szenario?

Das grösste Problem für die Aktienmärkte liegt 2013 in den USA und der sogenannten «fiscal cliff» und eben nicht mehr in Europa. Der US-Kongress muss über die Verlängerung auslaufender Steuersenkungspakete und mögliche Ausgabenkürzungen befinden. Sollten sich die Befürworter einer rigiden Fiskalpolitik durchsetzen, könnte die daraus folgende massive Steuererhöhung das US-Wirtschaftswachstum praktisch auf null sinken lassen. Ich gehe jedoch davon aus, dass sich die Politiker der Gefahr bewusst sind und eine vernünftige Lösung erzielt wird.

Sie favorisieren also europäische Aktien gegenüber US-Papieren?

US-Aktien sind nach der vergleichsweise guten Performance der letzten drei Jahre etwas teurer bewertet als jene in Europa. Der Bewertungsabschlag zeigt sich etwa darin, dass die durchschnittliche Dividendenrendite in Europa etwa 4 Prozent beträgt und in den USA nur rund 2,5 Prozent. Sollte sich die Krise in Europa weiter ­beruhigen, hat der europäische Markt viel Aufholpotenzial.

Welche Sektoren favorisieren Sie?

Der Bankensektor könnte sich überdurchschnittlich erholen. Nehmen Sie etwa die UBS: Die Bank senkt ihre Kosten massiv und passt ihr Geschäftsmodell dem neuen Umfeld an – mehr Vermögensverwaltung und weniger Investment Banking. Das ist der einzig richtige Weg. Ein weiterer Favorit sind US-Immobilien: Der Markt hat Boden gefunden und zieht wieder an. Befeuert wird der Sektor von den tiefen Zinsen und der US-Notenbank, die derzeit jeden Monat rund 40 Milliarden Dollar in den Kauf von mit Hypotheken besicherten Wertpapieren fliessen lässt. 

Meistgelesen

Die besten Hotels in der Schweiz und weltweit
Rating

Das 18. BILANZ-Hotel-Rating bietet einige Überraschungen. Vor allem Ferienhotels, die eher auf stilvolle Gelassenheit und selbstbewusstes Understatement setzen, sind auf den vorderen Rängen gelandet. Mehr...

Hansjörg Wyss: Der Milliarden-Spender
Milliarden

In aller Stille hat Hansjörg Wyss in einem Brief versprochen, mindestens die Hälfte seines Vermögens zu spenden. Mehr...

Rolex nur noch «unecht»?
Piraterie

Kopierte Uhren machen dem Image von Rolex derzeit schwer zu schaffen: Statt mit «prestigeträchtig» wird die Luxusmarke zunehmend mit «unecht» assoziiert. Dies hat Folgen für die Wertigkeit der Uhren. Mehr...

VonLukas Rohner
Russische Milliardäre verzweifeln an Putin
Sanktionen

Nach dem Abschuss der Malaysia Airline geht bei den russischen Milliardären die Angst um: In der Wirtschaftselite herrscht Panik, Investoren ziehen ihr Geld ab. Die Angst scheint begründet. Mehr...

VonGabriel Knupfer
Goldenes Händchen mit Leonteq:  Jan Schoch.
Finanzprodukte

Der Börsengang von Leonteq hat sich für Jan Schoch und seine Mitgründer ausgezahlt. Mehr...

VonHarry Büsser
Daimler: «Langweilig, aber gut»
Gewinn

Daimler pirscht sich mit zahlreich neuen Modellen langsam an die Erzrivalen BMW und Audi heran - mit einer Modelloffensive, die bei der Konkurrenz gerade erst begonnen hat. Mehr...

Jan Schoch

Der junge Bankmanager Jan Schoch suchte online nach einem Privatchauffeur und Butler – aber nur kurz. Mehr...

VonDirk Ruschmann


Die aktuelle BILANZ

Aktuelle Ausgabe

Jörg Reinhardt: «Spielraum mehr zu verändern» Lesen

Grosse Ziele für den neuen Pilatus-Business-Jet. Lesen

Elektromobilität: Mehr Power für Thömu. Lesen

Lombardi: «Demokratie vor Missbrauch schützen» Lesen

Gurlitt-Erbe: Bund soll sich an Kosten beteiligen. Lesen

Ex-UBS-Chefökonom gründet neue Firma. Lesen

 

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen BILANZ.
Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die BILANZ alle zwei Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis:

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Mobile lesen