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Osteria Mistral da Brughelli: Schmuckstück

Luca ­Brughelli zeigt in seiner Osteria viel Gespür für die Region.

Monique Rijks

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Das Tessin ist in kulinarischer Hinsicht eine widersprüch­liche Gegend. Einerseits ent­stehen hier tolle traditionelle Produkte – Wurst, Käse, Weine –, die bis weit über den Gotthard hinaus Foodies ins Schwärmen bringen. Andererseits lässt die Gastronomie mancherorts viele Wünsche offen. In den Tourismus­hochburgen Lugano und ­Locarno etwa ist gutes Essen ein schwieriges Thema.

Wer klug ist, plant, dachte ich und rief das Tourismusbüro an, um mich nach einer guten Adresse zu erkundigen. Der Mann am Telefon war ­erstaunt, dass wir nach Bellinzona reisen wollten, «dort ist ja nichts los». Wir fuhren trotzdem hin, schlenderten über den schönen Platz am Fuss des Castelgrande, genossen Weisswein und Live-Blues in einer kleinen Bar und stolperten an der Via Orico in die kleine Osteria Mistral. Wir nahmen Platz. Die Kellnerin fragte, ob wir Lust auf das «Menu a sorpresa» hätten, sechs Gänge, 115 Franken. Wer könnte da widerstehen

Dann wurde serviert. Die Gerichte – Zander mit Lakritze-Schaum oder Thunfisch mit Brombeersülze – sahen aus wie Schmuckstücke in einem schön arrangierten Schaufenster. Alles schmeckte wunderbar frisch und leicht und erinnerte mich, trotz der modernen ­Inszenierung, an das kulinarische Tessin meiner Kindheit.

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Nachdem wir das Dessert, verschiedene hausgemachte Gelati mit Früchten, verspeist hatten, kam der Koch zu uns an den Tisch. Luca Brughelli erzählte von seinen Wanderjahren bei Max Kehl und Horst Petermann und von seinem Wunsch, die Traditionen seiner Heimat ins Heute zu transportieren. Wir finden, dass ihm das sehr gut gelingt, und freuen uns besonders über die Tatsache, dass er zwar auf hohem Niveau kocht, aber auf die gängigen Prestigeprodukte dennoch verzichten kann.

Osteria Mistral da Bru­ghelli
Via Orico 2
6500 Bellinzona
Telefon 091 825 60 12

(samstagmittags und sonntags geschlossen)

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