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Kowalskys Crash Test: Lytro

Die Lytro verspricht, die Fotografie zu revolutionieren. Wenn das mal gutgeht.

Marc Kowalsky

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Scharfmacher: Lytro RMS

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Die jΓΌngste Revolution in der Fotografie haben Sie und ich noch miterleben dΓΌrfen, nΓ€mlich die AblΓΆsung der Analog- durch die Digitalkameras. Die vorletzte, die Erfindung der Farbfotografie, schon nicht mehr (falls doch: Chapeau, Sie haben sich gut gehalten!).
Nun versucht das US-Start-up Lytro, die Branche mit seiner Lichtfeldkamera abermals zu revolutionieren: Anders als eine herkΓΆmmliche Kamera erkennt sie, woher der Lichtstrahl kommt. Die Folgen sind weitreichend: Man kann das Bild auch im Nachhinein fokussieren, und die SchΓ€rfentiefe ist theoretisch unendlich.
Ergonomisch verstΓΆsst die Lytro gegen so ziemlich jede Designregel: zu gross, die Quaderform unpraktisch, die Bedientasten kaum zu finden. Ausgestattet ist die 8-GB-Kamera mit einem achtfachen optischen Zoom und SelbstauslΓΆser. Jegliche Programme, ein Bildstabilisator oder ein Blitz fehlen. Der magnetische Objektivschutz fΓ€llt dauernd ab; der Bildschirm ist mit weniger als 1,5 Zoll winzig und von miserabler QualitΓ€t. Zum Nachfokussieren dient die sehr spartanische mitgelieferte Software: Per Doppelklick wird jeder beliebige Teil des Bildes scharf gestellt – faszinierend.
Der Effekt kommt aber nur zum Tragen, wenn das Bild extrem tief ist und sich dabei manche Objekte direkt vor der Kamera befinden und andere sehr weit hinten. Panoramaaufnahmen von Landschaften etwa reichen nicht. Im Endeffekt muss man die Bilder richtiggehend komponieren, um von den VorzΓΌgen – pardon: dem Vorzug – der Lytro zu profitieren. Hauptproblem ist die lΓ€cherlich geringe AuflΓΆsung von 1080 mal 1080 Pixeln. Das reicht zwar fΓΌr die Anzeige auf dem Bildschirm, aber nicht zum Drucken (auf dem Papier kΓΆnnte man eh nicht nachfokussieren, schon klar), und Details gehen schnell verloren.

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Fazit: Die Lytro ist eher eine Demonstration des technisch Machbaren als ein alltagstaugliches Produkt. Um dafΓΌr einen halben Tausender auszugeben, muss man schon ein ziemlicher Freak sein. Das bin nicht mal ich.
Lytro
Infos: www.lytro.com
ErhΓ€ltlich: u.a. bei Digitec
Preis: Fr. 499.–
Bewertung: β˜…β˜…



β˜… Technoschrottβ€‚β˜…β˜… verzichtbarβ€‚β˜…β˜…β˜… nice to have 
β˜…β˜…β˜…β˜… coolβ€‚β˜…β˜…β˜…β˜…β˜… wegweisend
Über die Autoren
Marc Kowalsky
Marc Kowalsky
Stv. Chefredaktor bei BILANZ und ein versierter Kenner der Wirtschaftswelt.

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