28.01.2012 | 11:40
Interview
Von:
Vasilije Mustur
 

Nach Wegelin-Deal: Raiffeisen-Chef wünscht weitere Fusionen

Pierin Vincenz spielt den Robin Hood der Schweizer Bankenszene: Der Raiffeisen-CEO übernimmt die Privatbank Wegelin und erspart dem Finanzinstitut damit Zorn der US-Steuerbehörde. Jetzt spricht Vincenz im Interview über die Löhne seiner neuen Angestellten - und erklärt, weshalb sein Fusionshunger noch nicht gestillt ist.

Raiffeisen-Chef Vincenz liebäugelt mit weiteren Fusionen

Der Fusionshunger von Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz scheint noch nicht gestillt. (Bild: Keystone)

Artikel zum Thema: 

Herr Vincenz, herzlichen Glückwunsch zur Übernahme der ältesten Schweizer Bank. Was bedeutet dieser Deal für Sie persönlich?

Pierin Vincenz: Für mich stellt dieser Deal eine neue Herausforderung dar. Ich fühle mich der ältesten Schweizer Bank gegenüber verpflichtet, das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen.

Wollten Sie sich mit der Übernahme ein Denkmal setzen?
Wo denken Sie hin. Ich bin seit 16 Jahren für diese Bank tätig. Ich suche ständig nach Lösungen, um dieses Finanzinstitut weiterzuentwickeln und den Finanzplatz Schweiz als Ganzes zu stärken. In diesem Fall mussten wir eine Güterabwägung vornehmen. Wollen wir unseren Finanzplatz nach Jahren des Steuerstreits mit Drittstaaten weiter schwächen und Stellen abbauen, oder den Bankenplatz stärken und die Arbeitsplätze erhalten. Wir haben uns für letztere Variante entschieden.

Trotzdem eröffnen sich für die Raiffeisen Gruppe mit der Übernahme der Privatbank Wegelin & Co. neue finanzielle Möglichkeiten. Kommt eine mögliche Fusion mit einer anderen Privat- oder Vermögensverwaltungsbank wieder aufs Tapet?
Zunächst müssen wir nach diesem Deal unser Geschäft konsolidieren und stabilisieren. Diese beiden Faktoren sind derzeit entscheidend über den Erfolg oder Misserfolg unserer Firma.

Das ist keine Antwort.
Natürlich prüfen wir, wie wir unser Finanzinstitut erfolgreicher machen können.

Somit sind Sie an weiteren Übernahmen interessiert?
Wir haben mit dem heutigen Deal eine gesunde und solide Basis geschaffen. Uns stehen alle Möglichkeiten offen – dazu gehören auch Fusionen.

Die Übernahme der Bank Wegelin ist für Sie ein Erfolg. Aber dieses Geschäft kostet einiges. So ist die Privatbank dafür berühmt, ihren Mitarbeitern hohe Löhne zu zahlen. Diese Lohnkosten wird jetzt auch das Budget der Raiffeisen belasten. Wann greifen Sie zum Kahlschlag?
Es wird keinen Stellenabbau geben. Die neugegründete Notenstein Privatbank AG wird als eigenständige Bank positioniert – allerdings mit den Compliance Vorschriften der Raiffeisenbank.
 
Also wird es keine Lohn- und Bonikürzungen geben?
Wir haben keine Indikatoren dafür, dass die Lohn- und Bonikosten bei der Wegelin zu hoch sind. Natürlich prüfen wir die Lohn- und Bonuskosten und werden diese auch gegebenenfalls unternehmerisch anpassen.

Die Lohnkosten sind das Eine. Die gescheiterte Expansion das Andere. Die Privatbank Wegelin hat sich unter der Führung von Konrad Hummler mit ihrer Expansion in der Schweiz finanziell übernommen. Das schlägt sich ab sofort ebenfalls auf die Bilanz der Raiffeisenbank nieder. Machen Sie diese Expansion jetzt rückgängig?
Ich sehe keinen Grund, auf die Expansion zurückzukommen. Die Filialen sind selbständige Einheiten innerhalb der Raiffeisengruppe. Natürlich nutzen wir Synergien bei Kompetenzfragen. So werden wir beispielsweise Kundenanlässe gemeinsam durchführen.

Kommen wir nochmals darauf zurück, wie die Übernahme überhaupt zustande gekommen ist.
Vor zehn Tagen stellte die Privatbank Wegelin erstmals den Kontakt mit uns her. Mich überraschte dieser Anruf nicht.
 
Warum nicht?
Wir wussten ja, dass sich Wegelin im Rechtsstreit mit den amerikanischen Behörden befindet. Deshalb suchten die Verantwortlichen von Wegelin nach einem Ausweg und stellten letztlich den Kontakt zu uns her.
 
Was wollte Wegelin-Chef Konrad Hummler?
Wir sollten der Bank wieder auf die Beine helfen. Das haben wir getan und so Arbeitsplätze erhalten.

Dieses Zeitfenster ist erstaunlich: Sie mussten innerhalb einer Woche für den Segen der Finanzmarktaufsicht Finma sorgen, die Verträge mit Wegelin selbst unter Dach und Fach bringen sowie mit den US-Behörden Gespräche führen. War das in so kurzer Zeit überhaupt möglich?
Wir haben es möglich gemacht. Wir haben das Geschäft geprüft und sind zur Tat geschritten. Sie müssen auch sehen: Es war eine Frage der Verantwortung. Wir wollten nicht zusehen, wie das älteste Finanzinstitut der Schweiz zugrunde geht. Zudem gehe ich davon aus, dass Wegelin bereits zu einem früheren Zeitpunkt den Kontakt zur Finma gesucht hat.
 
Sie deuten auch an, dass Gespräche mit den US-Justizbehörden geführt wurden.
Wir haben Gespräche mit Anwälten, der Finma und in den USA geführt.

Wie stark spürten Sie den Druck aus Übersee?
Es war nicht der Druck, sondern die Unsicherheit, welche uns zu schaffen machte. Die Kunden und Mitarbeiter waren verunsichert. Darüber hinaus stellte der latent, vorhandene Steuerstreit auch für den Finanzplatz selbst ein Unsicherheitsfaktor dar.

Neben der gescheiterten Expansionspolitik hat besonders der Steuerstreit mit den USA der Wegelin Privatbank das Genick gebrochen. Sie müssen mit denselben Leuten jetzt zusammenarbeiten. Wie wollen Sie in Zukunft sicherstellen, dass es innerhalb der Bank keine Beihilfe zu Steuerbetrug- und Hinterziehung mehr geben wird?
Wir werden Anpassungen im Regelwerk und in den Compliancestrukturen vornehmen. Allerdings sind die neuen Regeln im Vermögensverwaltungsgeschäft nicht nur für die Raiffeisen und die Wegelin, sondern auch für den gesamten Finanzplatz Schweiz eine Herausforderung.

Der mobile Kiosk auf dem iPad

BILANZ, Beobachter, Tele und vieles mehr – Lesen Sie Ihre Lieblingstitel mobil.
Zu den Details

Mobile Apps

Mobile AppsDie wichtigsten und beliebtesten Apps für iPhones, Blackberrys und andere mobile Geräte. Weiterlesen

Auftritt


ICT-Networking-Gala: Schlussglocke
Champions Lounge, Stade de Suisse, Bern Wankdorf, 26. Januar 2012.
Zu den Bildern des Anlasses
Zur Übersichtsseite aller Anlässe

Die 100 Top-Banker der Schweiz

Die 100 Top-Banker der Schweiz

Die wichtigsten Geldmanager der Schweiz – die Übersicht.  Weiter zum Banker-Ranking 2011

BILANZ Lohnvergleich

BILANZ Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie Ihr Salär mit demjenigen anderer BILANZ-Leserinnen und -Leser und verschaffen Sie sich Klarheit für die nächste Lohndiskussion.
BILANZ Lohnvergleich

Kowalskys Crash Test

Kowalskys Crash Test

Die neuesten Gadgets im Härtetest.
Zu den Artikeln

BILANZ-Business-Talk vom 26. Februar

BILANZ Business-Talk

Bankgeheimnis unter Druck: Welche Strategie braucht es jetzt?
Darüber diskutiert Bilanz-Chefredaktor Dirk Schütz Martin Naville, Rudolf Strahm, Thomas Matter und Jürgen Dunsch am Sonntag 26. Februar auf SF1.

Details erfahren
Zur Übersichtsseite BILANZ Business-Talk Videos

NameKurs+/-+/- %
299,805,301,80
54,900,100,18
878,500,500,06
12,75-0,44-3,34
53,00-1,45-2,66
58,70-1,05-1,76
159,20-2,40-1,49
24,84-0,37-1,47
34,66-0,50-1,42
36,26-0,40-1,09
NameKurs+/-+/- %
79,170,791,01
53,350,110,21
48,720,040,07
80,660,050,06
2,07-0,07-3,27
50,31-1,52-2,93
10,49-0,28-2,56
33,04-0,82-2,41
32,83-0,74-2,20
39,43-0,79-1,95
NameKurs+/-+/- %
16,900,181,07
108,500,630,58
64,240,340,53
4,200,020,48
23,220,090,39
17,89-0,35-1,92
16,03-0,29-1,75
4,01-0,04-0,94
49,82-0,44-0,88
8,92-0,08-0,87

Selection

Selection

Ausgewählte Produkte für die schönen Seiten des Lebens. Weiterlesen

Luxus & Uhren: Who is Who

Wer sind die Players, Movers und Shakers der Luxus- und Uhrenindustrie? Das Who is Who sagt Ihnen, wer wirklich etwas zu sagen hat in diesen Branchen.

Who is Who der Luxusindustrie
Who is Who der Uhrenindustrie

Inside Bahnhofstrasse

Fakten und Klatsch von der Bahnhofstrasse - von Frank Goldfinger. Weiterlesen

BILANZ Investberatung

Suchen Sie kompetenten Rat zu Ihren Anlagefonds? Haben Sie Fragen zu strukturierten Produkten? Möchten Sie Ihr Depot analysieren lassen? Haben Sie Fragen zu steuerlichen Aspekten rund um Ihre Vermögensanlagen? Unsere unabhängigen BILANZ-Experten beantworten Ihre Fragen kostenlos.
Zur Investberatung

Aktuelles Magazin

BILANZ 1/2012

BILANZ, das führende Schweizer Wirtschaftsportal.

Recherchen über Unternehmen, Analysen zur Konjunktur, Services zur Geldanlage, Ratschläge zum gediegenen Geldausgeben.

 

Inhaltsverzeichnis
Abobestellung

Kundenservice

BILANZ auf FACEBOOK

ANZEIGE

Newsletter

Abonnieren Sie den BILANZ-Newsletter und Sie erhalten regelmässig die wichtigsten News der Schweizer Wirtschaft per E-Mail.
Newsletter abonnieren

Leserbriefe

Schreiben Sie uns Ihre Meinung oder sagen Sie uns einfach, über welches Thema Sie gerne etwas lesen würden.

Leserbrief schreiben

Wettbewerb

Depot-Check - exklusiv für unsere BILANZ-Leser

Machen Sie mit und gewinnen Sie einen von 25 Depot-Leistungsvergleichen für die Jahre 2010 und 2011.
Zum Wettbewerb

homes

BILANZ Homes

Das Schweizer Immobilienmagazin für luxuriöses Wohnen.

Weiter zu BILANZ Homes

ANZEIGE

BILANZ RSS Feed

Twitter

ANZEIGE

Die BILANZ auf dem iPad

Machen Sie die «BILANZ» zu Ihrem mobilen Begleiter!

Mit dem führenden Schweizer Wirtschaftsmagazin haben Sie auch mobil auf Ihrem iPad den Überblick.

Weitere Informationen

FIRST

FIRST, das Magazin für guten Stil.

FIRST, das Magazin für guten Stil. Lassen Sie sich verführen.

Mehr zu FIRST