29.01.2012 | 11:11
 

Hummler: «Es ist bitter, aber richtig»

Wegelin-Chef Konrad Hummler sieht sich als «Opfer einer grösseren Sache». Den Verkauf an Raiffeisen nennt er die richtige Lösung für den Moment. Trotzdem versuchte er bis zuletzt, ihn abzuwenden - und wollte offenbar die Nationalbank in die Abwicklung von Dollar-Geschäften einbinden.

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Wegelin-Chef Konrad Hummler hat sich erstmals zur Aufspaltung seiner Bank geäussert: «Es ist bitter, aber richtig», sagt er in einem Kurzinterview mit der Zeitung «Der Sonntag». «Wir haben im richtigen Moment die richtige Lösung getroffen.» Das Unternehmen sei nicht kaputt, so Hummler. «Im Gegenteil. Das ist eine sehr gute Lösung.»

Auf die Frage, wie gross der Druck aus den USA geworden sei, sagt Hummler: «Wir wurden Opfer einer grösseren Sache. Mehr will ich dazu nicht sagen.» Man habe vereinbart, keine weiteren Kommentare abzugeben. «Das hat mit der rechtlichen Situation zu tun.» Die verbleibenden Teilhaber würden sich nun darauf konzentrieren, «was es abzuarbeiten gilt». Es gehe jetzt nicht mehr um Arbeitsplätze und Strukturen. «Es geht darum, das Beste für uns zu machen.»

Vor dem Verkauf des Nicht-US-Geschäftes der Bank Wegelin an Raiffeisen hatte Hummler noch beim Bundesrat angefragt, ob die Schweizerische Nationalbank im Krisenfall als Clearingstelle einspringen und die Abwicklung von Dollar-Geschäften übernehmen würde - das berichtet die «Sonntagszeitung». So hätte Wegelin auch im Fall einer Anklage durch die USA vor dem Ruin gerettet werden können, schreibt das Blatt. Doch die Regierung habe abgelehnt.

Als nächstes präsentierte Hummler der Finanzmarktaufsicht (Finma) laut der Zeitung eine Lösung, bei der die guten Wegelin-Teile in die Online-Tochter Nettobank transferiert worden wären. Doch die Behörde sei auch darauf nicht eingestiegen. Als letzte Option blieb der Verkauf.

Ist nun eine Kantonalbank dran?

So hätten die von Wegelin beauftragten Anwälte der US-Starkanzlei Goodwin Procter am vergangenen Donnerstag der Staatsanwaltschaft des Southern District of New York die «Kapitulationsunterlagen» präsentiert, so die «Sonntagszeitung». «Staatsanwalt Preet Bharara und seine Leute nahmen das kommentarlos entgegen», zitiert das Blatt eine nicht näher genannte Quelle. «Das genügte für das OK von Bern.»

Am Freitag gaben die beteiligten Banken dann bekannt, dass Raiffeisen Schweiz per 27. Januar die Notenstein Privatbank AG übernimmt, in die das Nicht-US-Geschäft der Bank Wegelin & Co. übertragen worden ist. An einer folgenden Pressekonferenz äusserten sich nur Raiffeisen-Schweiz-Chef Pierin Vincenz sowie der Wegelin-Teilhaber und neue Notenstein-CEO Adrian Künzi - Hummler war nicht anwesend.

Der Zürcher Bankenprofessor und Hummler-Berater Martin Janssen kritisiert in der «Sonntagszeitung» nun die Untätigkeit der Schweizer Behörden: «Ein US-Staatsanwalt muss nur mit einer Anklage drohen, und schon geht eine Schweizer Bank unter», sagt Janssen. Er befürchtet, dass sich die USA nun weitere Schweizer Finanzinstitute vorknöpfen werden: «Ich schliesse nicht aus, dass die USA als Nächstes einer Kantonalbank mit einer Anklage drohen. Jetzt wissen sie, wie einfach es gehen kann.»

(tno)

 

 

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