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Florian Homm: Grosse Klappe, deftige Anklage

Mit aggressiver Investorenrhetorik sammelte Florian Homm Milliarden Kundengelder, dann tauchte er ab. Jetzt hat die US-Börsenaufsicht den Hedge-Fund-Manager wegen eines grandiosen Börsenschwindels eingeklagt.

VonLeo Müller
11.03.2011

An dem Tag als Florian Homm ver­schwand, ging es um Entscheidendes. Mit dem neuen Chef seiner Hedge Funds sollte er über die Bonuszahlungen für seine Leute sprechen. Und irgendwie sollte er erklären, wieso sich «illiquide Positionen» zwischen 440 und 530 Millionen Dollar aufgebaut hatten. Das Gespräch endete fruchtlos. Homm gönnte sich danach eine letzte Nacht im Zürcher Kaufleuten-Club, einen letzten Tanz, und dann war er weg. Homm, der schrille deutsche Hedge-Fund-Manager, eine feste Grösse der Zürcher Finanzszene, ist seit diesem 18. September 2007 abgetaucht. Mit den Worten «Ich gehe schlafen, damit ich für Morgen frisch bin» hatte er sich im «Kaufleuten» verabschiedet, und mit wenigen dürren Zeilen hatte er zuvor sein eigenes Geld aus der Fondsmanagementfirma abgezogen und seinen Mitarbeitern und Kunden den sofortigen Rückzug aus der Führung seiner Fonds erklärt. Es folgten letzte Zeilen auf Fondsmanager-Deutsch über die «enttäuschende Performance», und tschüs.

Aufgepumpte Kurse. Noch immer fehlt von Homm jede Spur, nur einmal liess er in einem US-Gerichtsverfahren mitteilen, sein Aufenthaltsort liege in Europa, er pendle zwischen Zürich und dem spanischen Alicante. So vereitelte er einen Prozess in den USA. Aber jetzt hat ein fünfköpfiges Ermittlerteam der amerikanischen Börsenaufsicht SEC seine akribische Untersuchungsarbeit mit einer Klageschrift abgeschlossen. Diese beschuldigt Homm in Abwesenheit und zwei Komplizen des Börsenbetrugs. Der Vorwurf: Hinter den Fondsgeschäften steckte ein riesiger Börsenschwindel, den Homm mit einem geheimen Mailing-System orchestrierte. Die Kurse seiner Zielinvestments waren aufgepumpt, die Wertpapiere in Tat und Wahrheit wertlose Penny-Stock-­Papiere. So sollen Homm und Konsorten allein im Untersuchungszeitraum zwischen September 2005 und September 2007 über 63 Millionen Dollar erbeutet und die Performance der Fonds um mindestens 440 Millionen übertrieben haben.

So still wie dieses Ermittlungsresultat nun vor einem US-Bezirksgericht eingereicht worden ist, war es zu seinen Tatzeiten nie um Homm gewesen. «Ich bin ein Krieger», prahlte er. In Zürcher Hotelsuiten liess er seine Kunden defilieren, im feinen Zürcher Enge-Quartier liess er seine Manager die Termine koordinieren. Er wurde als Sanierer des Fussballvereins Borussia Dortmund gefeiert und erklärte regelmässig den Deutschen in Fernsehtalkshows das neoliberale Wirtschaftsleben. Seine acht Fonds, angeblich Stockpicker, waren in der Finanzwelt beliebt. Die deutsch-skandinavische SEB-Bank verkaufte ihren Kunden Zertifikate auf die Fonds.

Die Luzerner Privatbank Reichmuth investierte Kundengelder in ihrem Matterhorn-Fonds in diverse Homm-Fonds. Nachdem Homm abgetaucht war, hatten die Kunden den Verlust zu beklagen. Die Geldhäuser hingegen gingen zur Tagesordnung über. Sie habe «keine rechtlichen Schritte» gegen Homm eingeleitet, erklärte die SEB-Bank nach dessen Abtauchen unbekümmert, «die Performance-Daten wurden auf branchenübliche Art und Weise berechnet». Und auch die Privatbank Reichmuth war mit dem Fall schnell fertig: «Homms effektives Handeln müssen die Gerichte klären.» Strafuntersuchungen wurden in der Schweiz nie angestrengt.

Luftige Fonds. Dabei hat der Fall Homm eine beträchtliche Dimension, durchaus vergleichbar mit dem Schadensvolumen im Betrugsfall des selbst ernannten Hedge-Fund-Managers Dieter Behring. Auf dem Höhepunkt verwaltete Homms Absolute Capital Management (ACM) mit ihren acht Fonds und weiteren Vehikeln mehr als drei Milliarden Dollar Kundenvermögen – theoretisch. Denn praktisch war dieser Buchwert, den die Banken via Börseninformationssysteme gemeldet ­bekamen, weitestgehend Luft. Im April 2009 meldete sich seine ACM von der Börse ab, als ihr Kundenvermögen auf 2,3 Millionen Dollar geschrumpft war. Die Kundengelder hatte Homm, so ­beschreibt die Klageschrift der SEC seine Masche, unterdessen in wertlose Papiere von Penny Stocks investiert. Demnach setzte er dabei die Brokerfirma Hunter World Markets in Los Angeles ein, die ihm und seinem Kumpan gehörte, dem bereits mehrfach wegen Börsendelikten gebüssten Broker Todd Ficeto.

Mit Colin Heatherington, dem dritten Angeklagten, betrieben sie ein geheimes Informationssystem, mit dem sie wie in einem geschlossenen SMS-Kommunikationssystem ihre Aufträge besprachen. So konnten sie die Kommunikation zu ihren heiklen Deals über das Meldesystem des Börsendienstes Bloomberg vermeiden. Denn diese Meldungen werden auf einem Bloomberg-Rechner für allfällige Prüfungen der Börsenaufsicht gesichert. Das System flog auf, nachdem eine mitwirkende Brokerin bei der SEC ausgepackt hatte. Dabei sollen sie laut SEC-Klage die Kurse für die Papiere «jahrelang systematisch manipuliert haben». Mit diesen Trades über ihre eigene Börsenhandelsfirma und mit den Aufkäufen der überpreisten, im Kurs hochgetriebenen Aktien durch die verschiedenen Homm-Fonds sollen sie «enorme Gewinne generiert haben». Mit diesen «betrügerisch aufgepumpten» Fonds-Portfolios kassierten Homm, Ficeto und Heatherington laut SEC-Analysen allein in dem kurzen Untersuchungszeitraum von zwei Jahren mehr als 63 Millionen Dollar. Sie wendeten dabei klassische verbotene Börsentricks an, wie abgestimmte Orders, aufgepumpte Kurse vor dem Quartalsende, rückdatierte Trades und Simultan-Trades über verschiedene Broker.

Die SEC-Fahnder listen in ihrer Klageschrift zahlreiche verbotene Börsendeals auf, die sie in akribischer Kleinarbeit ermittelt haben. Jack Grynberg, ein US-Öltycoon, verlor mit Homm-Investments rund 16 Millionen Dollar. Sein Anwalt urteilte über Homms Brokerfirma: «Sie war nicht mehr als eine Lizenz zum Betrügen und Stehlen.» Grynberg klagte wie viele andere auf Schadensersatz gegen den Abwesenden. In einem Fall hinterlegte ein britischer Gerichtsvollzieher die Klageschrift an der Spring Street in London, wenige Geh­minuten von der Paddington Station entfernt, an einer seiner letzten Adressen. Im Sommer 2010 wurde die gerichtliche Aufforderung zudem in der «International Herald Tribune» publiziert. Sie gilt damit amtlich als zugestellt. So viel ist nun klar, wo auch immer sich Homm aufhält. Die US-Justiz hat ihn im Visier.

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An dem Tag als Florian Homm ver­schwand, ging es um Entscheidendes. Mit dem neuen Chef seiner Hedge Funds sollte er über die Bonuszahlungen für seine Leute sprechen. Und irgendwie sollte er erklären, wieso sich «illiquide Positionen» zwischen 440 und 530 Millionen Dollar aufgebaut hatten. Das Gespräch endete fruchtlos. Homm gönnte sich danach eine letzte Nacht im Zürcher Kaufleuten-Club, einen letzten Tanz, und dann war er weg. Homm, der schrille deutsche Hedge-Fund-Manager, eine feste Grösse der Zürcher Finanzszene, ist seit diesem 18. September 2007 abgetaucht. Mit den Worten «Ich gehe schlafen, damit ich für Morgen frisch bin» hatte er sich im «Kaufleuten» verabschiedet, und mit wenigen dürren Zeilen hatte er zuvor sein eigenes Geld aus der Fondsmanagementfirma abgezogen und seinen Mitarbeitern und Kunden den sofortigen Rückzug aus der Führung seiner Fonds erklärt. Es folgten letzte Zeilen auf Fondsmanager-Deutsch über die «enttäuschende Performance», und tschüs.

Aufgepumpte Kurse. Noch immer fehlt von Homm jede Spur, nur einmal liess er in einem US-Gerichtsverfahren mitteilen, sein Aufenthaltsort liege in Europa, er pendle zwischen Zürich und dem spanischen Alicante. So vereitelte er einen Prozess in den USA. Aber jetzt hat ein fünfköpfiges Ermittlerteam der amerikanischen Börsenaufsicht SEC seine akribische Untersuchungsarbeit mit einer Klageschrift abgeschlossen. Diese beschuldigt Homm in Abwesenheit und zwei Komplizen des Börsenbetrugs. Der Vorwurf: Hinter den Fondsgeschäften steckte ein riesiger Börsenschwindel, den Homm mit einem geheimen Mailing-System orchestrierte. Die Kurse seiner Zielinvestments waren aufgepumpt, die Wertpapiere in Tat und Wahrheit wertlose Penny-Stock-­Papiere. So sollen Homm und Konsorten allein im Untersuchungszeitraum zwischen September 2005 und September 2007 über 63 Millionen Dollar erbeutet und die Performance der Fonds um mindestens 440 Millionen übertrieben haben.

So still wie dieses Ermittlungsresultat nun vor einem US-Bezirksgericht eingereicht worden ist, war es zu seinen Tatzeiten nie um Homm gewesen. «Ich bin ein Krieger», prahlte er. In Zürcher Hotelsuiten liess er seine Kunden defilieren, im feinen Zürcher Enge-Quartier liess er seine Manager die Termine koordinieren. Er wurde als Sanierer des Fussballvereins Borussia Dortmund gefeiert und erklärte regelmässig den Deutschen in Fernsehtalkshows das neoliberale Wirtschaftsleben. Seine acht Fonds, angeblich Stockpicker, waren in der Finanzwelt beliebt. Die deutsch-skandinavische SEB-Bank verkaufte ihren Kunden Zertifikate auf die Fonds.

Die Luzerner Privatbank Reichmuth investierte Kundengelder in ihrem Matterhorn-Fonds in diverse Homm-Fonds. Nachdem Homm abgetaucht war, hatten die Kunden den Verlust zu beklagen. Die Geldhäuser hingegen gingen zur Tagesordnung über. Sie habe «keine rechtlichen Schritte» gegen Homm eingeleitet, erklärte die SEB-Bank nach dessen Abtauchen unbekümmert, «die Performance-Daten wurden auf branchenübliche Art und Weise berechnet». Und auch die Privatbank Reichmuth war mit dem Fall schnell fertig: «Homms effektives Handeln müssen die Gerichte klären.» Strafuntersuchungen wurden in der Schweiz nie angestrengt.

Luftige Fonds. Dabei hat der Fall Homm eine beträchtliche Dimension, durchaus vergleichbar mit dem Schadensvolumen im Betrugsfall des selbst ernannten Hedge-Fund-Managers Dieter Behring. Auf dem Höhepunkt verwaltete Homms Absolute Capital Management (ACM) mit ihren acht Fonds und weiteren Vehikeln mehr als drei Milliarden Dollar Kundenvermögen – theoretisch. Denn praktisch war dieser Buchwert, den die Banken via Börseninformationssysteme gemeldet ­bekamen, weitestgehend Luft. Im April 2009 meldete sich seine ACM von der Börse ab, als ihr Kundenvermögen auf 2,3 Millionen Dollar geschrumpft war. Die Kundengelder hatte Homm, so ­beschreibt die Klageschrift der SEC seine Masche, unterdessen in wertlose Papiere von Penny Stocks investiert. Demnach setzte er dabei die Brokerfirma Hunter World Markets in Los Angeles ein, die ihm und seinem Kumpan gehörte, dem bereits mehrfach wegen Börsendelikten gebüssten Broker Todd Ficeto.

Mit Colin Heatherington, dem dritten Angeklagten, betrieben sie ein geheimes Informationssystem, mit dem sie wie in einem geschlossenen SMS-Kommunikationssystem ihre Aufträge besprachen. So konnten sie die Kommunikation zu ihren heiklen Deals über das Meldesystem des Börsendienstes Bloomberg vermeiden. Denn diese Meldungen werden auf einem Bloomberg-Rechner für allfällige Prüfungen der Börsenaufsicht gesichert. Das System flog auf, nachdem eine mitwirkende Brokerin bei der SEC ausgepackt hatte. Dabei sollen sie laut SEC-Klage die Kurse für die Papiere «jahrelang systematisch manipuliert haben». Mit diesen Trades über ihre eigene Börsenhandelsfirma und mit den Aufkäufen der überpreisten, im Kurs hochgetriebenen Aktien durch die verschiedenen Homm-Fonds sollen sie «enorme Gewinne generiert haben». Mit diesen «betrügerisch aufgepumpten» Fonds-Portfolios kassierten Homm, Ficeto und Heatherington laut SEC-Analysen allein in dem kurzen Untersuchungszeitraum von zwei Jahren mehr als 63 Millionen Dollar. Sie wendeten dabei klassische verbotene Börsentricks an, wie abgestimmte Orders, aufgepumpte Kurse vor dem Quartalsende, rückdatierte Trades und Simultan-Trades über verschiedene Broker.

Die SEC-Fahnder listen in ihrer Klageschrift zahlreiche verbotene Börsendeals auf, die sie in akribischer Kleinarbeit ermittelt haben. Jack Grynberg, ein US-Öltycoon, verlor mit Homm-Investments rund 16 Millionen Dollar. Sein Anwalt urteilte über Homms Brokerfirma: «Sie war nicht mehr als eine Lizenz zum Betrügen und Stehlen.» Grynberg klagte wie viele andere auf Schadensersatz gegen den Abwesenden. In einem Fall hinterlegte ein britischer Gerichtsvollzieher die Klageschrift an der Spring Street in London, wenige Geh­minuten von der Paddington Station entfernt, an einer seiner letzten Adressen. Im Sommer 2010 wurde die gerichtliche Aufforderung zudem in der «International Herald Tribune» publiziert. Sie gilt damit amtlich als zugestellt. So viel ist nun klar, wo auch immer sich Homm aufhält. Die US-Justiz hat ihn im Visier.


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