Aktionariat

Ethos-Stiftung: Holpriger Abgang

Dominique Biedermann, «Robin Hood der Anleger», organisiert seinen Abschied – nicht ganz vorbildlich.

VonLeo Müller
23.10.2013

Er ist Mitgründer und Initiant der Ethos-Stiftung für nachhaltige Entwicklung und seit 1997 dabei. Und er ist das ­Gesicht der Kleinaktionäre an den Generalversammlungen der Grosskonzerne, mittlerweile der wichtigste Kämpfer für Aktionärsrechte in der Schweiz. «Robin Hood der Anleger» wird Dominique ­Biedermann (55) genannt oder der «höfliche Firmenschreck».

Nun hat Biedermann seinen Rücktritt vom Amt des Direktors bei der Ethos-Stiftung angekündigt, 18 Monate im ­Voraus. Ganz im Sinn der modernen ­Corporate Governance ist es aber nicht, dass er im Frühjahr direkt für das Präsidentenamt der Stiftung kandidieren will. Der heutige Präsident Kaspar ­Müller (61) wird dann abtreten – einfach weil es Zeit für einen Wechsel sei. «Wie wir es von den Unternehmen ­verlangen, so zählt es auch bei uns zu den wichtigsten Pflichten des Prä­sidenten, rechtzeitig die Nachfolge zu ­regeln», erklärt Müller.

Wirkung und Auftritt der Stiftung sind mit der Person Biedermann verknüpft. Er war das «Gesicht» von Ethos. Daher wird es künftig darauf ankommen, ob ein ­profilierter Direktor die Corporate-Governance-Anliegen in der Öffentlichkeit vertreten oder Biedermann als ­Präsident diese Rolle weiterhin ausüben wird. «Es ist noch völlig offen, wer künftig für Ethos in den Medien und an den Generalversammlungen auftritt», sagt Müller. Man habe nun genug Zeit, das Prozedere zu regeln und einen Kandi­daten ­auszusuchen.

Für einen aufreibenden Job ist das Präsidentenamt allerdings schlecht dotiert: Müller erhielt bis anhin als Präsident der Stiftung und der nahe stehenden Ethos Services gesamthaft 118 000 Franken jährlich. Hingegen wird im Jahresbericht der Ethos Services der Personalaufwand für den Direktor und seine 15 Mitarbeiter nur gesamthaft mit 2,8 Millionen Franken publiziert.

Müller und Biedermann sind Weg­gefährten seit der ersten Stunde, sämt­liche Gespräche mit den Topshots der Schweizer Konzerne führen sie gemeinsam. Mit zwei Genfer Pensionskassen hatten sie die Stiftung gestartet, inzwischen treten sie für 149 institutionelle Grossinvestoren an den GVs an. 

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Er ist Mitgründer und Initiant der Ethos-Stiftung für nachhaltige Entwicklung und seit 1997 dabei. Und er ist das ­Gesicht der Kleinaktionäre an den Generalversammlungen der Grosskonzerne, mittlerweile der wichtigste Kämpfer für Aktionärsrechte in der Schweiz. «Robin Hood der Anleger» wird Dominique ­Biedermann (55) genannt oder der «höfliche Firmenschreck».

Nun hat Biedermann seinen Rücktritt vom Amt des Direktors bei der Ethos-Stiftung angekündigt, 18 Monate im ­Voraus. Ganz im Sinn der modernen ­Corporate Governance ist es aber nicht, dass er im Frühjahr direkt für das Präsidentenamt der Stiftung kandidieren will. Der heutige Präsident Kaspar ­Müller (61) wird dann abtreten – einfach weil es Zeit für einen Wechsel sei. «Wie wir es von den Unternehmen ­verlangen, so zählt es auch bei uns zu den wichtigsten Pflichten des Prä­sidenten, rechtzeitig die Nachfolge zu ­regeln», erklärt Müller.

Wirkung und Auftritt der Stiftung sind mit der Person Biedermann verknüpft. Er war das «Gesicht» von Ethos. Daher wird es künftig darauf ankommen, ob ein ­profilierter Direktor die Corporate-Governance-Anliegen in der Öffentlichkeit vertreten oder Biedermann als ­Präsident diese Rolle weiterhin ausüben wird. «Es ist noch völlig offen, wer künftig für Ethos in den Medien und an den Generalversammlungen auftritt», sagt Müller. Man habe nun genug Zeit, das Prozedere zu regeln und einen Kandi­daten ­auszusuchen.

Für einen aufreibenden Job ist das Präsidentenamt allerdings schlecht dotiert: Müller erhielt bis anhin als Präsident der Stiftung und der nahe stehenden Ethos Services gesamthaft 118 000 Franken jährlich. Hingegen wird im Jahresbericht der Ethos Services der Personalaufwand für den Direktor und seine 15 Mitarbeiter nur gesamthaft mit 2,8 Millionen Franken publiziert.

Müller und Biedermann sind Weg­gefährten seit der ersten Stunde, sämt­liche Gespräche mit den Topshots der Schweizer Konzerne führen sie gemeinsam. Mit zwei Genfer Pensionskassen hatten sie die Stiftung gestartet, inzwischen treten sie für 149 institutionelle Grossinvestoren an den GVs an. 

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