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Widerstand

CS-Präsident Urs Rohner und die Aktionärsrevolte

Exzessive Löhne trotz Verlusten und nun der IPO-Rückzieher: Unter den CS-Aktionären rumort es. Urs Rohner dürfte das auf der GV zu spüren bekommen. Selbst eine Niederlage scheint nicht ausgeschlossen.

Die Credit Suisse bläst den Börsengang ihrer Schweizer Tochter ab. So endete der geplante Börsengang:
Aktuell: Die Credit Suisse wollte das Schweizer Geschäft aufs Zürcher Börsenparkett bringen. Jetzt macht die Grossbank einen Rückzieher: Der CS-Verwaltungsrat hat entschieden, zugunsten einer ordentlichen Kapitalerhöhung auf den IPO zu verzichten. Die Chronik:
Oktober 2015: Die CS gibt ihre IPO-Pläne bekannt, die Teil der neuen Strategie von Konzernchef Tidjane Thiam sind. Die Bank will mit dem Verkauf von 20 bis 30 Prozent der profitablen Tochter ihre Kapitaldecke um bis zu vier Milliarden Franken stärken.
An der Spitze der neuen Schweiz-Division steht Thomas Gottstein. Er führte vorher die Schweizer Vermögensverwaltung.
September 2016: Urs Rohner steht in einem Interview mit der «Handelszeitung» zum geplanten Börsengang: «Der Plan steht. Wir prüfen, wie angekündigt, die Situation 2017, und laut Planung folgt der Börsengang im dritten oder vierten Quartal.»
Das Credit Suisse Gebäude
Dezember 2016: Die Credit Suisse muss insgesamt über 5,3 Milliarden Dollar für die Beilegung des US-Hypothekenstreits bezahlen. In einem ersten Schritt überweist die Bank eine Geldbusse von 2,48 Milliarden Dollar an das Justizministerium. Hinzu kommen Zugeständnisse an die US-Konsumenten von nochmals 2,8 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Januar 2017: Laut Finma ist die Credit Suisse Schweiz zu eng an die Muttergesellschaft angebunden. Von den sieben Verwaltungsräten stehen fünf auch in Diensten der Muttergesellschaft.
Februar 2017: Zum zweiten Mal in Folge hat Credit Suisse tiefrote Zahlen geschrieben: Der Verlust beträgt 2,44 Milliarden Franken. Der US-Hypothekenstreit hat das Jahresergebnis am stärksten belastet.
März 2017: Die Credit Suisse benötigt nach Angaben von Konzernchef Tidjane Thiam zusätzliches Kapital für den Börsengang. Es kommen Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung auf. Bilder: Keystone
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RMS

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Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner geht angeschlagen in sein bislang wichtigstes Kräftemessen mit den eigenen Aktionären. Wenn die Eigner der zweitgrössten Schweizer Bank am Freitag auf der Generalversammlung über die Vergütung der Top-Manager abstimmen, dürfte der frühere Hürdensprinter heftigen Gegenwind spüren. Erstmals ist sogar eine Niederlage nicht ausgeschlossen. Denn obwohl Rohner bereits ein bisschen zurückruderte, konnte der 57-Jährige die Aktionärsrevolte noch nicht beenden.
Noch immer wehren sich einflussreiche Stimmrechtsberater dagegen, dass die Führungsriege des renditeschwachen Geldhauses dicke Prämien bekommen soll. Das Votum über den Vergütungsbericht als Ganzes ist nicht bindend, wohl aber die Abstimmung über die Höhe der Zahlungen. Eine Abfuhr wäre eine Schmach von historischem Ausmass, denn noch nie wurden Management-Boni oder Verwaltungsratslöhne bei einem Schweizer Grosskonzern abgelehnt.

Weiterhin prall gefüllte Lohntüten

«Das Vertrauen in die Bank ist auf dem Tiefpunkt», erklärt Ethos-Direktor Vincent Kaufmann. Seine Anlagestiftung, die drei bis vier Prozent der Credit-Suisse-Aktionäre bei ihrer Stimmrechtsausübung berät, hat offen zur Abwahl von Rohner aufgerufen. Die Ethos angeschlossenen Pensionskassen verloren seit Rohners Wahl im Jahr 2011 fast 60 Prozent ihres Einsatzes. Alleine in den vergangenen zwei Jahren häufte der Konzern Verluste von insgesamt 5,7 Milliarden Franken an.

Doch statt sich am Bonusverzicht von John Cryan zu orientieren, dessen Deutsche Bank wie Credit Suisse zuletzt tiefrote Zahlen geschrieben hat, kann sich die Mannschaft am Paradeplatz in Zürich weiterhin über prall gefüllte Lohntüten freuen. Credit Suisse stutzte auf Druck der Aktionäre kurz vor Ostern zwar die ursprünglich noch üppiger geplante Vergütung. Konzernchef Tidjane Thiam soll aber immer noch 10,2 Millionen Franken bekommen, Rohner knapp 4 Millionen Franken - international ein Spitzenwert für den Chef eines Aufsichtsgremiums.

Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, der sich sonst selten in Unternehmensbelange einmischt, liess in einem Interview durchblicken, was er davon hält: Eine Rücksichtslosigkeit, die sich in Auseinandersetzungen mit den Mitarbeitern noch rächen werde, mahnte er. Dass Rohner den mächtigen Investoren ein Stück weit entgegengekommen ist, lässt Moritz Baumann vom Vermögensverwalter Albin Kistler nicht als Erfolg gelten: «Der Gesichtsverlust ist jetzt genau so gross, wie wenn er standhaft geblieben wäre.»



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Oberwasser nach den Quartalszahlen?

Nur Fortschritte im Tagesgeschäft können die in einem tiefgreifenden Umbau steckende Bank wohl mit ihren Kritikern versöhnen. Der heute am Mittwoch vorgelegte Quartalsbericht stützt Rohners und Thiams Argumentation: Die Bank stehe eigentlich gut da, wenn alle Altlasten herausgerechnet werden. Und tatsächlich ist die Grossbank gut ins Jahr gestartet: Mit 596 Millionen Franken liegt der Gewinn über den Erwartungen. Die Verbesserung ist gemäss der Mitteilung der Bank vom Mittwoch auf ein besseres Handelsgeschäft und auf geringere Verluste in den Geschäften zurückzuführen, die die CS aufgeben will.
Das Ergebnis ist zwar deutlich besser als vor einem Jahr, als ein Verlust von 302 Millionen Franken zu Buche gestanden hatte. Es ist aber noch lange nicht das, was die Bank eigentlich anstrebt.

Kein Börsengang mehr

Ihren Befreiungsschlag sucht die Credit Suisse daher nun mit einer Kapitalerhöhung. Weniger als eineinhalb Jahre nach der letzten Kapitalerhöhung zapft die Credit Suisse also erneut die Anleger an. Rund vier Milliarden Franken will sich die Bank am Markt besorgen und damit die Debatte um eine zu dünne Kapitaldecke beenden. Mit der Transaktion soll die Kernkapitalquote auf 13,4 Prozent klettern von derzeit 11,7 Prozent. Damit nähert sich die Credit Suisse den Werten der Rivalen UBS und Deutsche Bank an. Den Teil-Börsengang des Schweizer Geschäfts bläst die Credit Suisse dagegen ab, wie das Institut am Mittwoch mitteilte.

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Die Grossbank begründet den Entscheid lediglich mit dem Hinweis auf einen zukünftigen Mehrwert für die Aktionäre. «Wir glauben, dass der weiterhin vollständige Besitz der wichtigen Schweizer Bank der richtige Weg ist, der sich für die Aktionäre auszahlen wird», lässt sich CS-Präsident Urs Rohner in der Mitteilung zitieren.

Rohner mit grosser Beharrlichkeit

Rohner hat schon immer eine grosse Beharrlichkeit an den Tag gelegt. In einem Interview erzählte er einmal, er habe dem Ziel, Schweizer Meister im 110-Meter-Hürdenlauf zu werden, sehr viel untergeordnet - und das Ziel dann auch erreicht. Nach Stationen als Anwalt und Fusionsberater in Zürich wechselte er einst nach Deutschland, wo er Chef des Medienkonzerns ProSiebenSat1 wurde. Ab 2004 kletterte er die Karriereleiter bei Credit Suisse hoch und wurde 2011 Präsident des Verwaltungsrates. Rücktrittsforderungen, als die Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in den USA eine Milliardenstrafe auf den Tisch lege musste, sass er aus.

Nun droht also eine Kampfabstimmung auf der Generalversammlung. Einem Vertrauten zufolge ist Rohner überzeugt, sich auf ganzer Linie durchzusetzen. Dabei kann er sich durchaus auf einige Grossaktionäre wie den US-Fonds Harris und den norwegischen Staatsfonds verlassen. Auf der Gegenseite stehen vor allem die grossen Stimmrechtsberater ISS, Glass Lewis und Ethos, die gemeinsam rund ein Drittel aller Stimmen auf sich vereinen können.

Selbst bei einer Niederlage Rohners rechnen die wenigsten Experten damit, dass der Manager das Handtuch wirft. Er hat wiederholt erklärt, dass er bis 2021 bleiben will. Und was hat er danach für Pläne? Filme produzieren oder Drehbücher schreiben, erklärte Rohner einst im besagten Interview und ergänzte: «Sicher ist: Keines über die Finanzindustrie.»



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(reuters/sda/ccr)
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