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Knappheit

CS: Chronisch schwach auf der Brust

Auf der Credit Suisse lastet seit Jahrzehnten ein Fluch: zu wenig Kapital. Die Kapitalerhöhung, um welche die Bank ihre Aktionäre heute gebeten hat, dürfte daher kaum die letzte sein.

Eric Nolmans

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Erik Nolmans: Seit 1977 versucht die CS ihre Eigenmittelsituation zu verbessern.  Bilanz RMS

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Um vier Milliarden Franken hat die Credit Suisse ihre Aktionäre heute an der ausserordentlichen Generalversammlung gebeten. Nur drei Wochen nach dem ordentlichen Zusammentreffen – nicht eben ein gutes Timing.
Eigentlich war den CS-Chefs ja schon im Herbst 2015 klar gewesen, dass die Bank deutlich mehr Kapital benötigt – doch dies klar zu sagen, getrauten sie sich irgendwie nicht. Vielmehr wurde der damals verkündete Teilbörsengang der Schweizer Einheit, der ursprünglich die vier Milliarden in die Kassen spülen sollte, als strategischer Wurf dargestellt, der einen Ruck durch die Bank bringen sollte.

Gleiches Geld, weniger Aktien

Nun, da das IPO nach der Kritik einzelner Grossaktionäre vom Tisch gewischt wurde, steht die eigentliche Geldbeschaffungsmassnahme im Vordergrund. Im Grunde richtig: ein IPO des Kerngeschäfts hielten Praktiker stets für eine Schnapsidee.
Das Vorhaben, mehr Kapital aufzubauen, hätte man gleich 2015 vollziehen können, wurden die Aktionäre im Rahmen der damaligen Strategieverkündung ja schon einmal um Milliarden gebeten. Weil der Kurs damals deutlich höher lag als heute, hätte man für das gleiche Geld deutlich weniger Aktien ausgeben müssen.
Doch Kleckern statt Klotzen lautet seit jeher das Motto. Und so lastet eine chronische Knappheit wie ein Fluch auf der Bank – schon seit Jahrzehnten.

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Langes Suchen

Begonnen hat das Ganze 1977 mit dem Chiasso-Skandal, der ein Milliardenloch in die zuvor dicken Reservepolster riss. Seither versucht die CS mit allerlei Mätzchen, ihre Eigenmittelsituation zu verbessern. Etwa in den achtziger Jahren mit der Gründung der CS Holding, in welche die Industriebeteiligungen eingebracht wurden, mit dem Ziel, Eigenmittel zu sparen. Die Regulatoren verwehrten den Segen.
1996 versuchte die CS ihre Probleme durch eine Fusion mit der Bankgesellschaft zu lösen – Ziel waren deren fette Reserven. Doch die Bankgesellen rochen den Braten. 2012 wiederum wurde die CS von der Nationalbank zur Verstärkung der Kapitalpolster gedrängt. Zähneknirschend mussten sich die CS einmal mehr auf die Suche nach Kapital machen – und sammelten insgesamt 15 Milliarden sein, unter anderem bei den grossen Staatsfonds von Katar oder Norwegen

Begrenzte Reichweite

Nun hat die Bank aber diese Grossaktionäre am Hals und muss sie mit grosszügigen Dividenden bei Laune halten. Dies führt dazu, das ein Teil des aufgenommen Geldes unten wieder raus fliesst: über eine Milliarde pro Jahr waren es zuletzt. Nach vier Jahren sind die heute aufgenommen Milliarden im Grunde also schon wieder weg. Gut möglich, dass der Fluch die Bank in Zukunft schon bald wieder einholen wird.

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So kam es zum IPO-Rückzug bei der Credit Suisse:
Die Credit Suisse bläst den Börsengang ihrer Schweizer Tochter ab. So endete der geplante Börsengang:
Aktuell: Die Credit Suisse wollte das Schweizer Geschäft aufs Zürcher Börsenparkett bringen. Jetzt macht die Grossbank einen Rückzieher: Der CS-Verwaltungsrat hat entschieden, zugunsten einer ordentlichen Kapitalerhöhung auf den IPO zu verzichten. Die Chronik:
Oktober 2015: Die CS gibt ihre IPO-Pläne bekannt, die Teil der neuen Strategie von Konzernchef Tidjane Thiam sind. Die Bank will mit dem Verkauf von 20 bis 30 Prozent der profitablen Tochter ihre Kapitaldecke um bis zu vier Milliarden Franken stärken.
An der Spitze der neuen Schweiz-Division steht Thomas Gottstein. Er führte vorher die Schweizer Vermögensverwaltung.
September 2016: Urs Rohner steht in einem Interview mit der «Handelszeitung» zum geplanten Börsengang: «Der Plan steht. Wir prüfen, wie angekündigt, die Situation 2017, und laut Planung folgt der Börsengang im dritten oder vierten Quartal.»
Das Credit Suisse Gebäude
Dezember 2016: Die Credit Suisse muss insgesamt über 5,3 Milliarden Dollar für die Beilegung des US-Hypothekenstreits bezahlen. In einem ersten Schritt überweist die Bank eine Geldbusse von 2,48 Milliarden Dollar an das Justizministerium. Hinzu kommen Zugeständnisse an die US-Konsumenten von nochmals 2,8 Milliarden Dollar über einen Zeitraum von fünf Jahren.
Januar 2017: Laut Finma ist die Credit Suisse Schweiz zu eng an die Muttergesellschaft angebunden. Von den sieben Verwaltungsräten stehen fünf auch in Diensten der Muttergesellschaft.
Februar 2017: Zum zweiten Mal in Folge hat Credit Suisse tiefrote Zahlen geschrieben: Der Verlust beträgt 2,44 Milliarden Franken. Der US-Hypothekenstreit hat das Jahresergebnis am stärksten belastet.
März 2017: Die Credit Suisse benötigt nach Angaben von Konzernchef Tidjane Thiam zusätzliches Kapital für den Börsengang. Es kommen Zweifel an der tatsächlichen Umsetzung auf. Bilder: Keystone
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