Credit Suisse: Aufgestaute Flut

Bei den Banken steigen die Prozessrisiken. Auch der Credit Suisse drohen happige Bussen.

VonErik Nolmans
16.01.2013

Der Bussenblock sitzt den internationalen Finanzwächtern derzeit locker in der Tasche, wie die Strafe der UBS von 1,4 Milliarden Franken wegen Manipulation des Referenzzinsatzes Libor zeigt. Ruhig ist es zuletzt um die Credit Suisse geblieben. Eine trügerische Ruhe.

Da ist zunächst der Steuerstreit mit den USA, wo die CS als eine von elf Banken gelistet wird, die reichen US-Bürgern bei der Umgehung ihrer Steuerpflichten geholfen haben sollen. Ende 2011 hat die CS dafür 295 Millionen Franken zurückgestellt. Der angestrebte Vergleich könnte aber deutlich teurer werden, geht man in Kreisen der betroffenen Banken doch davon aus, dass die CS mindestens eine halbe Milliarde Franken wird zahlen müssen. Die UBS hat sich damals für 780 Millionen Franken freigekauft.

Unklar ist, wie stark die CS im Libor-Skandal wird bluten müssen. Nach den hohen Bussen für die UBS und für die britische Barclays, die rund 450 Millionen Dollar hinblättern musste, erwarten viele Beobachter in dieser Frage weiter ein rigoroses Durchgreifen.

Bekannt ist einzig, dass die CS Mitglied des Panels mehrerer Banken war, die den Referenzzinssatz festlegten, nicht aber, ob und in welchem Ausmass es dabei zu Verfehlungen gekommen sein könnte. Bei mehreren Zivilklagen wird die CS allerdings namentlich erwähnt. Die Bank gibt sich in dieser Frage nach wie vor betont selbstbewusst. Im Sommer erklärte CEO Brady Dougan, die Bank habe «kein materielles Problem» in der Libor-Frage. Zahlen in einer Studie von Morgan Stanley, die eine Strafe zwischen 446 und 827 Millionen Franken schätzte, wies die CS als «falsch und verantwortungslos» zurück. Die Bank hat keine Rückstellungen für die Libor-Frage gemacht.

Ärgerlich für den Aktionär bleibt, dass die letztlich zu bezahlende Höhe möglicher Bussen im stark politisierten Umfeld der Strafzahlungen spekulativ bleibt, selbst die Bank kann nicht auf gesicherte Zahlen bauen. Im Bericht zum dritten Quartal setzt die CS einen breiten Rahmen und beziffert das theoretische Ausmass nicht abgedeckter möglicher Prozessrisiken auf einen Betrag «zwischen null und 2,9 Milliarden Franken». 

Diskussion
- Kommentare
Mehr zum Thema

Der Bussenblock sitzt den internationalen Finanzwächtern derzeit locker in der Tasche, wie die Strafe der UBS von 1,4 Milliarden Franken wegen Manipulation des Referenzzinsatzes Libor zeigt. Ruhig ist es zuletzt um die Credit Suisse geblieben. Eine trügerische Ruhe.

Da ist zunächst der Steuerstreit mit den USA, wo die CS als eine von elf Banken gelistet wird, die reichen US-Bürgern bei der Umgehung ihrer Steuerpflichten geholfen haben sollen. Ende 2011 hat die CS dafür 295 Millionen Franken zurückgestellt. Der angestrebte Vergleich könnte aber deutlich teurer werden, geht man in Kreisen der betroffenen Banken doch davon aus, dass die CS mindestens eine halbe Milliarde Franken wird zahlen müssen. Die UBS hat sich damals für 780 Millionen Franken freigekauft.

Unklar ist, wie stark die CS im Libor-Skandal wird bluten müssen. Nach den hohen Bussen für die UBS und für die britische Barclays, die rund 450 Millionen Dollar hinblättern musste, erwarten viele Beobachter in dieser Frage weiter ein rigoroses Durchgreifen.

Bekannt ist einzig, dass die CS Mitglied des Panels mehrerer Banken war, die den Referenzzinssatz festlegten, nicht aber, ob und in welchem Ausmass es dabei zu Verfehlungen gekommen sein könnte. Bei mehreren Zivilklagen wird die CS allerdings namentlich erwähnt. Die Bank gibt sich in dieser Frage nach wie vor betont selbstbewusst. Im Sommer erklärte CEO Brady Dougan, die Bank habe «kein materielles Problem» in der Libor-Frage. Zahlen in einer Studie von Morgan Stanley, die eine Strafe zwischen 446 und 827 Millionen Franken schätzte, wies die CS als «falsch und verantwortungslos» zurück. Die Bank hat keine Rückstellungen für die Libor-Frage gemacht.

Ärgerlich für den Aktionär bleibt, dass die letztlich zu bezahlende Höhe möglicher Bussen im stark politisierten Umfeld der Strafzahlungen spekulativ bleibt, selbst die Bank kann nicht auf gesicherte Zahlen bauen. Im Bericht zum dritten Quartal setzt die CS einen breiten Rahmen und beziffert das theoretische Ausmass nicht abgedeckter möglicher Prozessrisiken auf einen Betrag «zwischen null und 2,9 Milliarden Franken». 

Meistgelesen

Heimat

Geben sich die Reichsten in ihrem Schweizer Domizil meist bescheiden, sind ihre Wohnungen im Ausland umso üppiger. Gemeinsame ­Merkmale: protzige Bauten und viel Umschwung. Mehr...

VonStefan Lüscher und Walter Pellinghausen
Weiterbildung: Die 75 000-Dollar-Frage
Karriere

Die meisten Unternehmen sind nicht fähig, ­nachzuprüfen, ob sich teure Weiterbildungen für ihre Manager an Top-Businessschulen lohnen. ­Umso mehr tut akribische Vorabklärung not. Mehr...

VonRuedi Arnold
Investment

BILANZ zeigt, wo Sonnenanbeter den Traum von der Ferienimmobilie in Höhenlage günstig verwirklichen können. Mehr...

Maserati S Q4: Das Jubeln eines Gentleman
Fahrbericht

Sechs Zylinder und trotzdem jede Menge Feuer unter der Haube. Der Maserati Quattroporte S Q4 ist beim besten Willen kein sanfter Cruiser. Das Motto lautet: Mit voller Wucht nach vorne. Mehr...

VonRalf Bernert («World's Luxury Guide»)
Schweiz: Grosse Wohnungen verlieren an Attraktivität
Studie

Umzugswillige Schweizer sind eher auf der Suche nach einer kleineren Wohnung als bislang. Einer aktuellen Studie zufolge liegt der Grund vor allem in den steigenden Miet- und Kaufpreisen. Mehr...

Die komplizierteste Uhr von Audemars Piguet
Neuheit

Die Grande Complication ist das Flaggschiff der Tradition-Kollektion von Audemars Piguet und zählt zu den kompliziertesten Uhren der Schweizer Manufaktur. Lediglich auf Bestellung wird sie hergestellt Mehr...

Von«World's Luxury Guide»
Machtnetz

Der Fussballverband hat mit Vladimir Petkovic den Gegenentwurf zu Ottmar Hitzfeld zum Nati-Trainer berufen. Nun ist er gegen England in die EM-Qualifikation gestartet. Mehr...


Die aktuelle BILANZ

Banker-Ranking: Pierin Vincenz neue Nummer eins. Lesen

VisaJet: Blindflug. Lesen

Denner: Satellit wird Partner. Lesen

Thomas Matter: Bern statt Zürich. Lesen

Matterhorn: Einsamer Gipfel. Lesen

Alpiq: Mögliche Abschreiber auf Kraftwerkpark. Lesen

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen BILANZ.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die BILANZ alle zwei Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis:

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Mobile lesen