Seit Ende Juni 2015 ist die Apple Watch in der Schweizer im Handel. In Deutschland war die Uhr bereits Ende April erhältlich. Die Stiftung Warentest hat zwei Modelle auf Herz und Nieren geprüft: das Standardmodell (Apple Watch) und die Sport-Edition (Apple Watch Sport), jeweils mit einem kleinen 38-Millimeter-Display und einem grösseren 42-Millimeter-Display. RMS Erstes Verdikt: «Dieses Gerät funktioniert nicht intuitiv»
Das Benutzen dürfte «gewöhnungsbedürftig» sein, schreiben die deutschen Konsumentenschützer. Der Mix aus Touch Screen, drehbarer Krone und Taste überzeugt offenbar nicht. Wer die neue «Force Touch»-Technologie nicht kennt, scheitert gleich zu Beginn bei der Individualisierung des Ziffernblattes, heisst es. RMS Zweites Verdikt: «Nach Sekunden wieder im Standby»
Die Apple Watch erwacht erst zum Leben, wenn der Träger das Handgelenk dreht, um selbst auf die Uhr zu schauen. Sonst präsentiert sich die Uhr – um Strom zu sparen – mit pechschwarzem Display. «Schick» sei das nicht – und auch nicht praktisch. «Die Uhrzeit wird mit kurzer Verzögerung angezeigt – das nervt.» RMS Drittes Verdikt: «Energie reicht gerade einmal für einen Tag»
Der Akku der kleineren Apple Watch hielt im Test der Stiftung Warentest nur 18 Stunden durch, der der grösseren rund 19 Stunden. Die beiden Sport-Modelle liefen jeweils eine Stunde weniger. Um den Akku voll zu laden, braucht es zwei Stunden. Die Konsumentenschützer überzeugte das nicht. RMS Viertes Verdikt: «Ohne iPhone ist die Uhr aufgeschmissen»
Alleine kann die Apple Watch fast nichts. Ihr fehlt neben GPS vor allem die eigene Mobilfunkanbindung. Sie braucht zwingend eine Verbindung zu einem iPhone 5 oder iPhone 6. Mithilfe des Telefons zeigt die Uhr aber E-Mails und Kurznachrichten an, ermöglicht Anrufe, erinnert an Termine, navigiert, zählt Schritte und misst den Puls. Aktienkurse und das Wetter lassen sich abrufen, eine Stoppuhr ist auch an Bord. RMS Fünftes Verdikt: «Keine lupenreine Sprachqualität bei Anrufen»
Telefonieren mit der Uhr sei auch «gewöhnungsbedürftig», urteilen die Experten von Stiftung Warentest. Abgesehen von der Bedienung überzeugt aber auch die Sprachqualität nicht. «Es rauscht auf beiden Seiten, das Gesprochene hört sich teilweise dumpf an, ab und zu erklingen Echos.» RMS Sechstes Verdikt: «Guter Displaykontrast – kann sich sehen lassen»
Überzeugt sind die Konsumentenschützer vom Display: Es biete einen guten Kontrast, passe automatisch die Helligkeit an – und auch mit einem Blick von der Seite liess sich alles gut ablesen. RMS Neben dem Display überzeugt auch der Pulsmesser. Unter «idealen» Prüfbedingungen zeichne dieser fast EKG-genau auf. Ein Manko bleibt aber: «Verrutscht die Uhr jedoch, weil das Armband nicht fest genug sitzt oder sich vor lauter Anstrengung Schweiss bildet, kommt es zu Ungenauigkeiten.» RMS Achtes Verdikt: «Blind navigieren klappt mit der Apple Watch nicht»
Die Apple Watch navigiert ihren Nutzer auch. Apple hat sich dafür etwas einfallen lassen: Links- und Rechtsabbiegen signalisiert die Uhr durch unterschiedlich viele Vibrationssignale sowie hohe oder tiefe Töne. Leider klappt dieses «Blindnavigieren» aber nur mässig. Die Signale kommen zu früh. RMS Neuntes Verdikt: «Wasser und Kratzer sind kein Problem»
Im Alltag scheint nicht immer die Sonne. Entsprechend wichtig ist es, dass die Uhr robust ist. Kratzer sind kein Problem, ein kurzer Regenschauer legt die Uhr auch nicht sofort lahm. Alle getesteten Apple-Watch-Modelle überstanden den «Beregnungstest». Apple empfiehlt aber trotzdem, die Uhr beim Schwimmen auszuziehen. RMS Schlussfazit: «Viel Geld für wenig Mehrwert»
Unterm Strich fällt die Uhr bei den Konsumentenschützern durch. Die Apple Watch sei ein «nettes Spielzeug für Technikfans». Für die breite Masse könne die Uhr aber zu wenig und sei zu teuer. «Die Apple Watch funktioniert, ist aber ohne iPhone fast unbrauchbar und bietet kaum Mehrwert.» Bilder: ZVG RMS