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Ranking

Zürcher Top-Ökonom zählt zur weltweiten Elite

Seine Stimme hat Gewicht im öffentlichen Diskurs: Ernst Fehr, Professor an der Universität Zürich, zählt zu den wichtigsten Ökonomen der Welt und steht in einer Riege mit den amerikanischen Top Shots.

Dominic Benz

Der «Economist» hat ein Ranking der einflussreichsten Ökonomen der Welt erstellen lassen. Unter den Top-10 befinden sich hauptsächlich Amerikaner. So etwa Simon Johnson. Er ist Professor am MIT in Boston und war von 2007 bis 2008 Chefökonom beim Internationalen Währungsfonds. Er bezeichnete den Schweizer Top-Banker Josef Ackermann einst als «einen der gefährlichsten Bankmanager der Welt». Johnson belegt Platz 10 der einflussreichsten Ökonomen.
Der 1943 im US-Bundesstaat Indiana geborene Joseph Stiglitz ist einer der renommiertesten Ökonomen rund um den Globus. Er erhielt 2001 den Nobelpreis. In der Öffentlichkeit ist er eine gewichtige Stimme – Platz 9.
Alan Blinder ist Professor an der Eliteuniversität Princeton. Er war einst Vizepräsident der US-Notenbank Fed. In seinem Buch «The Financial Crisis, the Response, and the Work Ahead» analysierte er die Ursachen der Finanzkrise. Blinder nimmt Platz 8 der einflussreichsten Ökonomen ein.
Daniel Kahneman ist Professor an der Princeton Universität. Er gilt als einer der wichtigsten Psychologen. Aber auch in der Wirtschaft hat er was zu sagen. Für seine Arbeiten in diesem Bereich erhielt er 2002 den Nobelpreis. Kahneman nimmt im Ranking Platz 7 ein.
Larry Summers ist US-Politiker und Professor an der Harvard Business School. Er war zwischen 1991 und 1993 Chefökonom der Weltbank und zwei Jahre lang Finanzminister unter Präsident Bill Clinton. Summers kommt auf Rang 6.
Thomas Piketty ist 1971 geboren und der Shooting-Star unter den Ökonomen. Er ist Professor an der École d’Économie de Paris. Sein 2014 erschienenes Buch «Capital in the Twenty-First Century» schlug ein wie eine Bombe und Piketty hievte sich damit in die Riege der Star-Ökonomen.
Ernst Fehr ist Professor an der Universität Zürich und Leiter des Instituts für Volkswirtschaftslehre. Er belegt in der «Economist»-Rangliste den 4. Paltz und ist somit der einflussreichste Ökonom ausserhalb der USA. Er stellte die klassische Theorie des «Homo oeconomicus», mit dem Menschen als egoistisches und rationales Wirtschaftssubjekt, auf den Kopf. Immer wieder mal wird Fehr als Anwärter für den Nobelpreis gehandelt.
Robert Shiller erhielt 2013 den Nobelpreis und ist Professor an der Yale University. Sein Buch «irrationaler Überschwang» erschien im Jahr 2000 und wurde zum Bestseller. Shiller entwickelte den bekannten Case-Shiller-Index mit, der die Entwicklung des US-Immobilienmarktes abzeichnet. Er belegt den 3. Rang der einflussreichsten Ökonomen.
Paul Krugman unterrichtet als Professor an der Universität von Princeton und wurde 2008 mit dem Nobelpreis geehrt. Er ist der Begründer der neuen Ökonomischen Geographie. Krugman ist in den Medien oft vertreten. So schreibt er regelmässig für die «New York Times». In der Rangliste belegt er den zweiten Platz.
Jonathan Gruber ist der Sieger im «Economist»-Ranking und gilt damit als einflussreichster Ökonom der Welt. Der 50-Jährige ist Professor am MIT in Boston und gehört zu den bekanntesten Fürsprechern der umstrittenen Gesundheitsreform «Obamacare» des US-Präsidenten Barack Obama.Bilder: Bloomberg/Keystone
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RMS

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Wenn prominente Ökonomen etwas sagen, hören Anleger und Händler in der Regel genau hin. Nicht selten können deren Meinungen und Äusserungen sogar die Kurse an den Börsen ins Schwanken bringen. So sind Top-Shots wie die Wirtschafts-Nobelpreisträger Paul Krugman, Robert Shiller oder Joseph Stiglitz grosse Stimmen im öffentlichen Diskurs.

Zu den einflussreichsten Ökonomen rund um den Globus gehört auch der Vorarlberger Spitzenökonom Ernst Fehr, Professor und Leiter des Instituts für Volkswirtschaftslehre an der Universität Zürich. Das zeigt ein Ranking der einflussreichsten Ökonomen, das die Zeitschrift «Economist» in Auftrag gegeben hat. Fehr nimmt dabei den vierten Platz in der Rangliste ein und ist damit der wichtigste Ökonom ausserhalb der USA. Selbst der neue Star-Ökonom Thomas Piketty landet im Ranking hinter Fehr.

Bild des «Homo oeconomicus» auf den Kopf gestellt

Fehr ist seit 1994 als ordentlicher Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich tätig. Mit seinen wissenschaftlichen Beiträgen gehört Fehr zu den renommiertesten und anerkanntesten Ökonomen weltweit. Er forscht in den Gebieten der Neuroökonomie und Experimentalökonomie und beschäftigt sich dabei mit den Grundlagen des menschlichen Sozialverhaltens.

Seine Theorie über den Menschen als Wirtschaftssubjekt stellte die klassische Lehre des «Homo oeconomicus» auf den Kopf und sorgte für Aufsehen. Der Mensch sei nicht nur egoistisch und rational, so wie es seit Hunderten von Jahren in den Wirtschaftsbüchern steht, so Fehr. Er wies nach, dass neben dem Eigennutz auch Fairness, Vertrauen, Solidarität und Altruismus wichtige Rollen spielen. Fehr verlangt daher, dass in den Wirtschafts-Theorien das Menschenbild revidiert werden müsse.

Für seine Arbeiten erhielt er zahlreiche Preise, darunter den Gottlieb-Duttweiler-Preis, oder den Vorarlberger Wissenschaftspreis. 2012 erhielt er das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Auch wird Fehr immer wieder als Anwärter auf den Wirtschafts-Nobelpreis gehandelt. Erhalten hat ihn der 58-Jährige aber bis jetzt noch nicht.



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«Welche Stimme zählt am meisten»

Für das Ranking hat der «Economist» das Internet-Startup Appinions damit beauftragt, die Online-Präsenz in kommerziellen Medien, Blogs und sozialen Netzwerken von insgesamt 500 Ökonomen zu untersuchen. Gemessen wurde während 90 Tagen bis zum 11. Dezember des letzten Jahres. «Wir wollten sehen, wessen Stimme in der Öffentlichkeit am meisten zählt», schreibt der «Economist» zu seinem Ranking.

Zu den Untersuchten gehörten 450 Wissenschaftler, die laut der Plattform «Research Papers in Economics» (Repec) weltweit am meisten wissenschaftliche Arbeiten publiziert haben. Hinzu kommen 50 weitere renommierte Volkswirte, die der «Economist» ausgesucht hatte. Weggelassen hat die Zeitschrift bewusst die Chefs der Zentralbanken und deren Vertreter. Diese würden nicht nur ihre eigene Meinung, sondern auch jene der jeweiligen Notenbank vertreten, so die Begründung.

Befürworter von Obamacare auf Platz 1

Die Rangliste des «Economist» zeigt vor allem: Jene Ökonomen, die am meisten publizieren, sind nicht jene, die auch im Netz die grösste Aufmerksamkeit erhalten. So ist laut der «Economist»-Liste Jonathan Gruber, Professor am MIT in Boston und bissiger Befürworter der umstrittenen Gesundheitsreform von US-Präsident Barack Obama, der einflussreichste Ökonom im Internet. In der Repec-Liste kommt Gruber dagegen nur auf den 244. Platz.

Auf dem zweiten Platz folgt Paul Krugman, Nobelpreisträger und Professor an der Universität Princeton. Neben Ernst Fehr ist Thomas Piketty der einzige Europäer unter den ersten zehn einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftler. Der Franzose belegt den fünften Platz und ist Professor an der École d’Économie de Paris.

Welche Star-Ökonomen sich sonst noch in den Top-10 tummeln, sehen Sie in der Bildergalerie oben.



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