Meistgelesen

Ranking

Konjunkturelle Bremsspuren hin, Zinsängste her: Die 300 Reichsten der Schweiz waren noch nie so reich. Zusammen besitzen sie 589 Milliarden Franken - 25 Milliarden mehr als noch im Vorjahr. Mehr...

VonStefan Lüscher
300 Reichste

Zwei Tage vor der Volksabstimmung über die umstrittene Pauschalsteuer für Ausländer in der Schweiz, präsentiert BILANZ die 300 Reichsten in Helvetien – darunter fünf Dutzend Deutsche. Mehr...

VonWalter Pellinghausen
Regionen

Gleich vier der insgesamt 15 neuen Reichsten sind im Kanton Zürich wohnhaft. An erster Stelle steht eine prominente Familie, die mit Schokolade ihr Geld macht. Mehr...

VonStefan Lüscher
Ranking

Unter den 300 Reichsten der Schweiz sind 2014 15 neue Gesichter - allesamt Personen mit einem Mindestvermögen von 100 Millionen Franken. Unter ihnen sind auch einige prominente Namen. Mehr...

Ranking

Dank der freundlichen Börsenstimmung hat die Familie Bertarelli in diesem Jahr eine weitere Milliarde dazugewonnen. Neu dabei ist eine prominente Entertainerin. Mehr...

VonStefan Lüscher
300 Reichste

Unter den 300 Reichsten der Schweiz ist fast jeder Sechste noch reicher geworden. Allein die zehn grössten Aufsteiger bekamen mehr als 19 Milliarden Franken hinzu. Doch es gibt auch Verlierer. Mehr...

Jürg Marquard: Das zweite Gesicht

Man glaubt, ihn zu kennen: als Lebemann, Yachtbesitzer, Dauergast bei Galas und Empfängen. Aber Jürg Marquard ist nicht auf Partys zum erfolgreichsten Verlagsgründer der Schweiz geworden. Die unbekannte Seite des Selfmade-Multimillionärs. Mehr...

VonDirk Ruschmann

Anzeige

Consulting-Branche: Schwarzkittel drehen Däumchen

Imageprobleme, Angst vor Rezession, Überkapazitäten: Jetzt schlittert auch die Gilde der Berater in die Krise. Arbeit fehlt.

31.12.2001
Was Fluggepäck auf dem Zürcher Airport widerfahre, schrieb ein Helmut Neumann der NZZ in einem Leserbrief, sei Schweizern selbst aus Südamerika nicht geläufig. Den Verursacher des «unsäglichen Durcheinanders» identifiziert der Swissair-Passagier schonungslos: Die McKinsey- Berater seien es, weil diese der eidgenössischen Airline eingeredet hätten, das Gepäckhandling zwecks Kostenersparnis auszugliedern.

Solche Nadelstiche gegen das Unfehlbarkeitsimage kann die Consulting-Branche nicht brauchen. Die Beratergilde kämpft derzeit mit all jenen Problemen, derentwegen sie von Kunden zu Hilfe gerufen wird: starker Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung, dem Auslaufen von Sonderkonjunkturen, Positionierungsproblemen durch neue Herausforderer und Überkapazitäten. Wo bisher mit stressigen 16-Stunden-Tagen geprahlt wurde, werden immer öfter Däumchen gedreht.

«Die Nachfrage nach Beratungsleistungen ist oft ein Indikator dafür, was in der Wirtschaft vorgeht», stellt PricewaterhouseCoopers-Chef Jim Schiro ungeschminkt fest. Die Konjunkturperspektiven sind zumal in den USA zu düster, um Unternehmen zu grossen strategischen Würfen zu verleiten wie dem Einstieg in neue Geschäftsfelder, Mergers oder grundlegenden Reorganisationen. Genau dazu wird die Unterstützung durch externe Berater gebraucht. Andererseits sind die Unternehmensaussichten nicht so schlecht, um Consultants als Notärzte zu ordern. Die Reaktion des Branchenprimus auf diese Situation ist nicht originell: Schiro kündigte einen drastischen Personalabbau an. Überall in den USA und Europa spürt man den Preiskampf der Consultants. Man drückt sich gegenseitig nach unten.

Denn auch Sonderkonjunkturen für Consultants sind nicht in Sicht: Das Jahr-2000-Problem ist abgehakt, die Euro-Einführung steht unmittelbar vor ihrer Vollendung, und die E-Commerce-Euphorie landete ziemlich hart auf dem globalen Börsenparkett. Für IT- und EDV-Berater, noch vor kurzem für Überlebensaussichten von Unternehmen in einer gottgleichen Position und mit einem geschätzten Marktanteil von 46 Prozent Hauptumsatzträger der Branche, sah die Welt schon rosiger aus.

An Mitbewerber wie Computerhersteller oder Wirtschaftsprüfer haben sich McKinsey & Co. längst gewöhnt. Auf eine veränderte Konkurrenzsituation lässt jedoch schliessen, dass ein Rückversicherer wie Swiss Re ein Instrument der strategischen Unternehmensführung auch Dritten offeriert: die von Peter Sohre und Markus Stricker entwickelte «dynamische Finanzanalyse» als Grundlage für ein ganzheitliches Risikomanagement. Früher beschränkten sich Versicherer als Berater auf die Optimierung von Brandschutzmassnahmen und Ratschläge für das Verzurren von Ladungen auf Transportmitteln.

Daraus wächst Hoffnung auf ein kaum beackertes Betätigungsfeld: Die Schweiz kenne – im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise – kein explizites Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, konstatiert Oscar Schönbächler, Corporate Risk Manager der Unique Zurich Airport Flughafen Zürich AG. Neue Corporate-Governance-Anforderungen seitens der Aktionäre und staatlicher Aufsichtsbehörden verunsichern weltweit die Manager.

Viele der Unternehmensberater, die ihre Zukunft noch vor kurzem in hochfliegenden Projekten des Customer-Relationship-Managements sahen, werden sich wohl umschulen: zu Rating-Advisors, damit ihre Klienten weiterhin Kredit erhalten. Dabei werden sie auf Kollegen stossen, die sich als «Inkubatoren» selbstständig auf die Entdeckungsreise nach künftigen Bill Gates gemacht hatten. Auch sie, beobachtet Roman Zeller, Vice President und Partner bei Bain & Company, dränge es zu Bodenständigem zurück – «zu ihren alten Arbeitgebern».
Diskussion
- Kommentare

Was Fluggepäck auf dem Zürcher Airport widerfahre, schrieb ein Helmut Neumann der NZZ in einem Leserbrief, sei Schweizern selbst aus Südamerika nicht geläufig. Den Verursacher des «unsäglichen Durcheinanders» identifiziert der Swissair-Passagier schonungslos: Die McKinsey- Berater seien es, weil diese der eidgenössischen Airline eingeredet hätten, das Gepäckhandling zwecks Kostenersparnis auszugliedern.

Solche Nadelstiche gegen das Unfehlbarkeitsimage kann die Consulting-Branche nicht brauchen. Die Beratergilde kämpft derzeit mit all jenen Problemen, derentwegen sie von Kunden zu Hilfe gerufen wird: starker Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung, dem Auslaufen von Sonderkonjunkturen, Positionierungsproblemen durch neue Herausforderer und Überkapazitäten. Wo bisher mit stressigen 16-Stunden-Tagen geprahlt wurde, werden immer öfter Däumchen gedreht.

«Die Nachfrage nach Beratungsleistungen ist oft ein Indikator dafür, was in der Wirtschaft vorgeht», stellt PricewaterhouseCoopers-Chef Jim Schiro ungeschminkt fest. Die Konjunkturperspektiven sind zumal in den USA zu düster, um Unternehmen zu grossen strategischen Würfen zu verleiten wie dem Einstieg in neue Geschäftsfelder, Mergers oder grundlegenden Reorganisationen. Genau dazu wird die Unterstützung durch externe Berater gebraucht. Andererseits sind die Unternehmensaussichten nicht so schlecht, um Consultants als Notärzte zu ordern. Die Reaktion des Branchenprimus auf diese Situation ist nicht originell: Schiro kündigte einen drastischen Personalabbau an. Überall in den USA und Europa spürt man den Preiskampf der Consultants. Man drückt sich gegenseitig nach unten.

Denn auch Sonderkonjunkturen für Consultants sind nicht in Sicht: Das Jahr-2000-Problem ist abgehakt, die Euro-Einführung steht unmittelbar vor ihrer Vollendung, und die E-Commerce-Euphorie landete ziemlich hart auf dem globalen Börsenparkett. Für IT- und EDV-Berater, noch vor kurzem für Überlebensaussichten von Unternehmen in einer gottgleichen Position und mit einem geschätzten Marktanteil von 46 Prozent Hauptumsatzträger der Branche, sah die Welt schon rosiger aus.

An Mitbewerber wie Computerhersteller oder Wirtschaftsprüfer haben sich McKinsey & Co. längst gewöhnt. Auf eine veränderte Konkurrenzsituation lässt jedoch schliessen, dass ein Rückversicherer wie Swiss Re ein Instrument der strategischen Unternehmensführung auch Dritten offeriert: die von Peter Sohre und Markus Stricker entwickelte «dynamische Finanzanalyse» als Grundlage für ein ganzheitliches Risikomanagement. Früher beschränkten sich Versicherer als Berater auf die Optimierung von Brandschutzmassnahmen und Ratschläge für das Verzurren von Ladungen auf Transportmitteln.

Daraus wächst Hoffnung auf ein kaum beackertes Betätigungsfeld: Die Schweiz kenne – im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise – kein explizites Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, konstatiert Oscar Schönbächler, Corporate Risk Manager der Unique Zurich Airport Flughafen Zürich AG. Neue Corporate-Governance-Anforderungen seitens der Aktionäre und staatlicher Aufsichtsbehörden verunsichern weltweit die Manager.

Viele der Unternehmensberater, die ihre Zukunft noch vor kurzem in hochfliegenden Projekten des Customer-Relationship-Managements sahen, werden sich wohl umschulen: zu Rating-Advisors, damit ihre Klienten weiterhin Kredit erhalten. Dabei werden sie auf Kollegen stossen, die sich als «Inkubatoren» selbstständig auf die Entdeckungsreise nach künftigen Bill Gates gemacht hatten. Auch sie, beobachtet Roman Zeller, Vice President und Partner bei Bain & Company, dränge es zu Bodenständigem zurück – «zu ihren alten Arbeitgebern».


Die aktuelle BILANZ

«Die Zuwanderung wieder selber steuern» Lesen

Hansjörg Wyss investiert in Krebstherapie. Lesen

Ausgetreten: Chicorée schliesst seine Schuhläden. Lesen

«Die Schweiz in Europa: 2700 Unterzeichner. Lesen

Edelmöbel-Hersteller De Sede: Sitzleder nötig. Lesen

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen BILANZ.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die BILANZ alle zwei Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis:

Studenten-Abo

Dienste für Abonnenten:

Mobile lesen