Meistgelesen

Peter Löscher: Der Feuer-Löscher von Sulzer
Machtnetz

Mit den Turbulenzen um Sulzer kommt Präsident und Renova-Chef Peter Löscher erstmals aus der Deckung. Mehr...

VonMark Kowalsky
Tennis

Das letzte Grand-Slam-Turnier der Saison steht an: Neben spannenden Duellen und möglichen Rekorden auf dem Platz schlägt das New Yorker Spektakel auch in puncto Luxus gross auf. Mehr...

VonJulia Fritsche
Wie der Informationshunger den Barcode killt
Markierungen

Strichcodes stehen vor ihrem Ende. Ihnen wird zum Verhängnis, was sie eigentlich populär gemacht hat: Informationen. Doch mit den QR-Codes stehen die Nachfolger bereits in den Startlöchern. Mehr...

Globus: Was steckt hinter dem Chefwechsel?
Überraschend

Der Abgang von Globus-CEO Jean-François Zimmermann kam für die Branche überraschend. Der Chefwechsel lässt auf schwierige Situationen beim Warenhauskonzern schliessen. Mehr...

VonMarc Kowalsky
So viel geben die Parteien im Wahlkampf aus
Ausgaben

Die Parteien schweigen sich über den finanziellen Aufwand ihres Wahlkampfes aus. Die Kassen sind dabei zum Teil prall gefüllt. Doch noch geheimer ist die Herkunft der Parteienspenden. Mehr...

Ranking

Welche Nationalräte stimmten am häufigsten zugunsten des hiesigen Wirtschaftsstandortes? Und wer denkt nur an die eigene Klientel? Die BILANZ zeigt die wirtschaftsfreundlichsten Parlamentarier. Mehr...

VonFlorence Vuichard
Ein Smartphone nur mit Einladung und Warteliste
Begehrt

Ein Smartphone OnePlus 2 zu ergattern, ist kein Leichtes; 4,5 Millionen Nutzer stehen auf der Warteliste. Das Erfolgsrezept: Günstige Hardware zum Spitzenpreis und eine knapp gehaltene Einladungsliste Mehr...

VonSTEPHAN DÖRNER («DIE WELT»)

Anzeige

Consulting-Branche: Schwarzkittel drehen Däumchen

Imageprobleme, Angst vor Rezession, Überkapazitäten: Jetzt schlittert auch die Gilde der Berater in die Krise. Arbeit fehlt.

31.12.2001
Was Fluggepäck auf dem Zürcher Airport widerfahre, schrieb ein Helmut Neumann der NZZ in einem Leserbrief, sei Schweizern selbst aus Südamerika nicht geläufig. Den Verursacher des «unsäglichen Durcheinanders» identifiziert der Swissair-Passagier schonungslos: Die McKinsey- Berater seien es, weil diese der eidgenössischen Airline eingeredet hätten, das Gepäckhandling zwecks Kostenersparnis auszugliedern.

Solche Nadelstiche gegen das Unfehlbarkeitsimage kann die Consulting-Branche nicht brauchen. Die Beratergilde kämpft derzeit mit all jenen Problemen, derentwegen sie von Kunden zu Hilfe gerufen wird: starker Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung, dem Auslaufen von Sonderkonjunkturen, Positionierungsproblemen durch neue Herausforderer und Überkapazitäten. Wo bisher mit stressigen 16-Stunden-Tagen geprahlt wurde, werden immer öfter Däumchen gedreht.

«Die Nachfrage nach Beratungsleistungen ist oft ein Indikator dafür, was in der Wirtschaft vorgeht», stellt PricewaterhouseCoopers-Chef Jim Schiro ungeschminkt fest. Die Konjunkturperspektiven sind zumal in den USA zu düster, um Unternehmen zu grossen strategischen Würfen zu verleiten wie dem Einstieg in neue Geschäftsfelder, Mergers oder grundlegenden Reorganisationen. Genau dazu wird die Unterstützung durch externe Berater gebraucht. Andererseits sind die Unternehmensaussichten nicht so schlecht, um Consultants als Notärzte zu ordern. Die Reaktion des Branchenprimus auf diese Situation ist nicht originell: Schiro kündigte einen drastischen Personalabbau an. Überall in den USA und Europa spürt man den Preiskampf der Consultants. Man drückt sich gegenseitig nach unten.

Denn auch Sonderkonjunkturen für Consultants sind nicht in Sicht: Das Jahr-2000-Problem ist abgehakt, die Euro-Einführung steht unmittelbar vor ihrer Vollendung, und die E-Commerce-Euphorie landete ziemlich hart auf dem globalen Börsenparkett. Für IT- und EDV-Berater, noch vor kurzem für Überlebensaussichten von Unternehmen in einer gottgleichen Position und mit einem geschätzten Marktanteil von 46 Prozent Hauptumsatzträger der Branche, sah die Welt schon rosiger aus.

An Mitbewerber wie Computerhersteller oder Wirtschaftsprüfer haben sich McKinsey & Co. längst gewöhnt. Auf eine veränderte Konkurrenzsituation lässt jedoch schliessen, dass ein Rückversicherer wie Swiss Re ein Instrument der strategischen Unternehmensführung auch Dritten offeriert: die von Peter Sohre und Markus Stricker entwickelte «dynamische Finanzanalyse» als Grundlage für ein ganzheitliches Risikomanagement. Früher beschränkten sich Versicherer als Berater auf die Optimierung von Brandschutzmassnahmen und Ratschläge für das Verzurren von Ladungen auf Transportmitteln.

Daraus wächst Hoffnung auf ein kaum beackertes Betätigungsfeld: Die Schweiz kenne – im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise – kein explizites Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, konstatiert Oscar Schönbächler, Corporate Risk Manager der Unique Zurich Airport Flughafen Zürich AG. Neue Corporate-Governance-Anforderungen seitens der Aktionäre und staatlicher Aufsichtsbehörden verunsichern weltweit die Manager.

Viele der Unternehmensberater, die ihre Zukunft noch vor kurzem in hochfliegenden Projekten des Customer-Relationship-Managements sahen, werden sich wohl umschulen: zu Rating-Advisors, damit ihre Klienten weiterhin Kredit erhalten. Dabei werden sie auf Kollegen stossen, die sich als «Inkubatoren» selbstständig auf die Entdeckungsreise nach künftigen Bill Gates gemacht hatten. Auch sie, beobachtet Roman Zeller, Vice President und Partner bei Bain & Company, dränge es zu Bodenständigem zurück – «zu ihren alten Arbeitgebern».
Diskussion
- Kommentare

Was Fluggepäck auf dem Zürcher Airport widerfahre, schrieb ein Helmut Neumann der NZZ in einem Leserbrief, sei Schweizern selbst aus Südamerika nicht geläufig. Den Verursacher des «unsäglichen Durcheinanders» identifiziert der Swissair-Passagier schonungslos: Die McKinsey- Berater seien es, weil diese der eidgenössischen Airline eingeredet hätten, das Gepäckhandling zwecks Kostenersparnis auszugliedern.

Solche Nadelstiche gegen das Unfehlbarkeitsimage kann die Consulting-Branche nicht brauchen. Die Beratergilde kämpft derzeit mit all jenen Problemen, derentwegen sie von Kunden zu Hilfe gerufen wird: starker Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung, dem Auslaufen von Sonderkonjunkturen, Positionierungsproblemen durch neue Herausforderer und Überkapazitäten. Wo bisher mit stressigen 16-Stunden-Tagen geprahlt wurde, werden immer öfter Däumchen gedreht.

«Die Nachfrage nach Beratungsleistungen ist oft ein Indikator dafür, was in der Wirtschaft vorgeht», stellt PricewaterhouseCoopers-Chef Jim Schiro ungeschminkt fest. Die Konjunkturperspektiven sind zumal in den USA zu düster, um Unternehmen zu grossen strategischen Würfen zu verleiten wie dem Einstieg in neue Geschäftsfelder, Mergers oder grundlegenden Reorganisationen. Genau dazu wird die Unterstützung durch externe Berater gebraucht. Andererseits sind die Unternehmensaussichten nicht so schlecht, um Consultants als Notärzte zu ordern. Die Reaktion des Branchenprimus auf diese Situation ist nicht originell: Schiro kündigte einen drastischen Personalabbau an. Überall in den USA und Europa spürt man den Preiskampf der Consultants. Man drückt sich gegenseitig nach unten.

Denn auch Sonderkonjunkturen für Consultants sind nicht in Sicht: Das Jahr-2000-Problem ist abgehakt, die Euro-Einführung steht unmittelbar vor ihrer Vollendung, und die E-Commerce-Euphorie landete ziemlich hart auf dem globalen Börsenparkett. Für IT- und EDV-Berater, noch vor kurzem für Überlebensaussichten von Unternehmen in einer gottgleichen Position und mit einem geschätzten Marktanteil von 46 Prozent Hauptumsatzträger der Branche, sah die Welt schon rosiger aus.

An Mitbewerber wie Computerhersteller oder Wirtschaftsprüfer haben sich McKinsey & Co. längst gewöhnt. Auf eine veränderte Konkurrenzsituation lässt jedoch schliessen, dass ein Rückversicherer wie Swiss Re ein Instrument der strategischen Unternehmensführung auch Dritten offeriert: die von Peter Sohre und Markus Stricker entwickelte «dynamische Finanzanalyse» als Grundlage für ein ganzheitliches Risikomanagement. Früher beschränkten sich Versicherer als Berater auf die Optimierung von Brandschutzmassnahmen und Ratschläge für das Verzurren von Ladungen auf Transportmitteln.

Daraus wächst Hoffnung auf ein kaum beackertes Betätigungsfeld: Die Schweiz kenne – im Gegensatz zu Deutschland beispielsweise – kein explizites Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich, konstatiert Oscar Schönbächler, Corporate Risk Manager der Unique Zurich Airport Flughafen Zürich AG. Neue Corporate-Governance-Anforderungen seitens der Aktionäre und staatlicher Aufsichtsbehörden verunsichern weltweit die Manager.

Viele der Unternehmensberater, die ihre Zukunft noch vor kurzem in hochfliegenden Projekten des Customer-Relationship-Managements sahen, werden sich wohl umschulen: zu Rating-Advisors, damit ihre Klienten weiterhin Kredit erhalten. Dabei werden sie auf Kollegen stossen, die sich als «Inkubatoren» selbstständig auf die Entdeckungsreise nach künftigen Bill Gates gemacht hatten. Auch sie, beobachtet Roman Zeller, Vice President und Partner bei Bain & Company, dränge es zu Bodenständigem zurück – «zu ihren alten Arbeitgebern».


Die aktuelle BILANZ

Diese Nationalräte kämpfen für die Wirtschaft. Lesen

Die Top-Beratungsfirmen der Schweiz. Lesen

Swiss-Chef Harry Hohmeister vor dem Abflug. Lesen

Nestlé-Managerin folgt Alibaba-Lockruf. Lesen

«Ich verorte kein Wollen und Können bei Sulzer» Lesen

Das und vieles mehr finden Sie in der aktuellen BILANZ.

Zum Inhaltsverzeichnis

Abonnieren

Die BILANZ alle zwei Woche in Ihrem Briefkasten zum günstigen Abopreis:

  • 1 Jahr (23 Ausgaben) CHF 218.-
  • Halbes Jahr (12 Ausgaben) CHF 118.-
  • Test-Abo (4 Ausgaben) CHF 20.-
    Zu den Abonnementen!

Dienste für Abonnenten:

Mobile lesen