Abo

Machtnetz von Viktor Vekselberg: Russische Sphinx

Viktor Vekselberg ist zu einem gewichtigen Player der Schweizer Wirtschaft aufgestiegen. Doch gesehen haben ihn erst die wenigsten.

Carmen Gasser

BIL_1008_machtnetz.jpg
BIL_1008_machtnetz.jpg RMS

Werbung

Alle waren gekommen am 13. Mai, um ihn zu sehen. Doch wieder einmal glΓ€nzte der silberbΓ€rtige Russe durch Abwesenheit. Dabei hatte der 51-JΓ€hrige diesmal einen triftigen Grund, nicht an der GV von OC Oerlikon teilzunehmen, musste er doch seine Mutter zu Grabe tragen. So liegen auch bei einem 13 Milliarden Dollar schweren Oligarchen Freud und Leid ganz nah beieinander. Der aus einem kleinen westukrainischen Dorf stammende EmporkΓΆmmling dominiert neu via seine Renova Management nicht nur den Technologiekonzern Sulzer, sondern nach dem Tauziehen gegen seine Ex-Partner Ronny Pecik und Georg Stumpf auch noch OC Oerlikon (39 Prozent). Mit eiserner Hand brachte der studierte Mathematiker, der einst vergeblich eine Karriere an der Moskauer UniversitΓ€t anpeilte, im Laufe der neunziger Jahre ein Imperium unter seine Kontrolle. Seine ErdΓΆlfirma TNK brachte er in einem Joint Venture mit BP zusammen. Den Aluminiumkonzern Sual fusionierte er mit Rusal und dem Aluminiumbereich von Glencore. Kaum ein Oligarch weist ein so vielseitiges Portfolio auf wie er. Vekselbergs GeschΓ€ftsinteressen reichen von Γ–lgesellschaften, Gasfeldern, SchΓΌrfrechten, Sonnenenergie ΓΌber Immobilien bis zur Telekommunikation, von der Mongolei, der Schweiz ΓΌber SΓΌdafrika bis in die USA.

Partner-Inhalte

Seine Mitstreiter
In Oligarchenkreisen ist Vekselberg bestens vernetzt, allerdings sind nur wenige gute Freunde darunter, wie Leonard Blavatnik. Gemeinsam bauten sie Renova auf und halten je 20 Prozent am weltgrΓΆssten Aluminiumkonzern, Rusal, sowie 12,5 Prozent am ErdΓΆlkonzern TNK-BP. Der Kontakt zu GeschΓ€ftspartner Mikhail Fridman ist in den letzten Jahren stark abgekΓΌhlt. Als sportlicher Wettkampf indes gilt seine GeschΓ€ftsbeziehung zum reichsten Russen, Oleg Deripaska.
Unter seinen Mitarbeitern geniessen CIO Vladimir Kuznetsov sowie Vladimir Kremer, stv. CEO, das volle Vertrauen von Vekselberg. Zu den wenigen Schweizern im Team gehΓΆren Jurist Carl Stadelhofer sowie Ex-Botschafter Thomas Borer.
Deutsche-Bank-CEO Josef Ackermann ist Vekselbergs Diskussionspartner in Investmentfragen. Mit ihm pflegt er auch privat Umgang. Gute Kontakte unterhΓ€lt er zudem mit CS-Chef Brady Dougan, Glencore-PrΓ€sident Willy Strothotte und Glencore-Chef Ivan Glasenberg, BP-Chairman Peter Sutherland und BP-CEO Tony Hayward, mit Klaus Kleinfeld, Ex-Siemens-Manager und heute designierter CEO Alcoa, Burkhard Bergmann, VR Gazprom, sowie Klaus Schwab, GrΓΌnder des World Economic Forum, das Vekselberg als Industriepartner mit jΓ€hrlich 250  000 Franken unterstΓΌtzt.

Werbung

Seine Widersacher
Die EidgenΓΆssische Bankenkommission unter Daniel ZuberbΓΌhler untersucht, ob Vekselberg Gesetze verletzte, als er heimlich Sulzer-Aktien kaufte. Suspekt ist vielen sein Pauschalbesteuerungsabkommen in ZΓΌrich. Gemeinderat Niklaus Scherr organisierte eine Demonstration gegen dieses Privileg. Nach diversen AlleingΓ€ngen der Partner Ronny Pecik und Georg Stumpf machte Vekselberg das Duo zu Randfiguren bei OC Oerlikon. Ambivalent ist Vekselbergs Beziehung zu Regierungschef Wladimir Putin. Immer wieder ΓΌbte der Ex-PrΓ€sident Druck auf dessen Investments aus. Und dies, obwohl sich der Missverstandene bemΓΌht, Putin durch Wiederheimschaffung russischer KunstgΓΌter und den Kauf westlicher Technologiebetriebe wohlwollend zu stimmen.
Sein Politdraht
Bei Abendessen mit diversen US-Senatsmitgliedern macht der Greencard-Inhaber gerne seinen Einfluss geltend. Und auch PrΓ€sidentschaftskandidat John McCain und Hillary Clinton machte Vekselberg bereits seine Aufwartung. In Russland haben sich seine Kontakte zur Politelite verbessert, seit Dmitri Medwedew im PrΓ€sidentenamt sitzt. Vekselberg kannte Medwedew schon, als dieser VR-PrΓ€sident des Erdgaskonzerns Gazprom war. Sein Freund Anatoli Tschubais war ehemals wichtigster Mann unter Jelzin. Er trieb die Privatisierung der Staatsbetriebe voran und half den Oligarchen zum Aufstieg. Beim sΓΌdafrikanischen PrΓ€sidenten Thabo Mbeki sitzt Vekselberg im Beraterstab fΓΌr Bergbaufragen. Auch in der Schweiz warb Vekselberg in den letzten zwei Jahren vermehrt bei BundesrΓ€ten und NationalrΓ€ten um deren Wohlwollen.

Werbung

Seine Hobbys
Die Liebe zur klassischen Musik teilt er mit Valery Gergiev. Vekselberg sass im Saal der Musikgesellschaft Basel, als der Maestro 2006 zwei AuffΓΌhrungen dirigierte. Als kleiner Junge spielte er Fussball, heute vermarktet er mit Philippe Huber von der Kentaro Group die Spiele der argentinischen und der brasilianischen Nationalmannschaft und sitzt in der ersten Reihe beim Spiel. Zudem fΓ€hrt der Workaholic gern Ski in St.  Moritz, sieht sich Eishockeyspiele an mit Wladislaw Tretjak, dem PrΓ€sidenten der Russian Hockey Federation, oder Leonid Tjagatschew, dem PrΓ€sidenten des Russischen Olympischen Komitees.
Sein Privatleben
Mit seiner Frau Marina besitzt er eine Wohnung in New York und am ZΓΌrichberg, eine Villa in Connecticut und eine weitere am Moskauer Arbat. Tochter Irina (27) studierte in Yale und arbeitet heute in Papas Firma. Sohn Alexander (19) hat sein Studium in Yale eben erst begonnen. Seine Freunde Vladimir Voronchenko und Andrei Ruzhnikov prΓ€sidieren seinen Aurora Fine Art Investment Fund sowie die Link of Times Foundation, die russische KulturgΓΌter erwirbt. Als Russisch-Orthodoxer unterhΓ€lt er gute Kontakte zu Patriarch Alexius II., obwohl sein Vater Jude ist.

Werbung