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Mikro-Appartements

Die Mini-Bleibe erobert die Schweiz

Wohnen auf 30 Quadratmetern – mit Bad, Kochmöglichkeiten und einem Wohnbereich: In Deutschland sind Mikro-Appartements schon längst ein Trend. Nun entdeckt auch die Schweiz die Mini-Bleibe für sich.

Marc Bürgi

Immobilienkompass 2016 - so viel zahlen Sie für eine Eigentumswohnung in den Zürcher Seegemeinden (4,5 Zimmer, 130 Quadratmeter Wohnfläche, Baujahr 2012)Die hohe Angebotsquote von 9,52 Prozent deutet stark darauf hin, dass die Preise in Meilen fallen dürfen. Bilder: Sophie Stieger; Quelle Karten: Wüest Partner
In Meilen wurde in den vergangenen Jahren sehr viel gebaut, vor allem grosse, teure Eigentumswohnungen, die sich kaum jemand leisten kann und die deshalb sehr schwierig zu verkaufen sind. Steuerlich gehört der Ort zu den attrraktivsten Zürcher Seegemeinden.
Das Immobilienangebot ist in Stäfa sehr vielfältig und die Verhandlungsmacht der Käufer relativ gross, was sich aus der Angebotsquote von 6,73 Prozent schliessen lässt. Bei Comparis lassen sich derzeit 47 Wohnungen zum Verkauf finden.
Ruhig gelegen, an erhöhter Lage mit Seesicht entsteht hier etwa die Überbauung Greenwater, wo noch Wohnungen für zwischen 1,57 (4,5 Zimmer mit 150 m2) und 2,15 Millionen Franken zum Verkauf stehen.
In Männedorf sind die Immobilienpreise mit jenen in Stäfa vergleichbar, die Verhandlungsmacht der Käufer ist aber noch etwas grösser, was sich aus der höheren Angebotsquote von 7,78 Prozent schliessen lässt.
Derzeit entsteht in Männedorf etwa die Überbauung Aufdorf mit vier Wohnungen, wovon aber zwei schon verkauft sind. Frei sind noch zwei 4,5-Zimmer-Wohnungen, eine im 
Erd- und eine im ersten Obergeschoss, für 1,245 bzw. 1,185 Millionen Franken.
Obwohl Pfnüselküste, sind die Immobilienpreise in Kilchberg die höchsten aller Zürcher Seegemeinden. Sehr nahe an Zürich, aber der Steuersatz ist deutlich tiefer:
Verheiratete mit zwei Kindern und einem Bruttoeinkommen von 200'000 Franken bezahlen rund 39 '000 Franken Einkommenssteuern – etwa 6000 Franken weniger als in der Stadt. Die hohe Angebotsquote von 7,94 Prozent lässt künftig eher fallende Preise erwarten.
Dank dem Zuzug von Glencore-Chef Ivan Glasenberg konnte Rüschlikon den Steuerfuss um sieben Prozentpunkte senken. Dieser ist jetzt mit Kilchberg vergleichbar.
Die Zugfahrt nach Zürich dauert vier Minuten länger, aber die Immobilien sind etwas preiswerter als in Kilchberg. Die Angebotsquote liegt wie in Kilchberg bei 7,94 Prozent, sie deutet darauf hin, dass Käufer die Preise in den Verhandlungen drücken können.
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RMS

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In der Schweiz werden seit den 1980er-Jahren überwiegend grössere Wohnungen gebaut. Ein- oder Zwei-Zimmer-Wohnungen machen lediglich gut zehn Prozent aller Objekte aus, die seit dem Jahr 2000 neu auf den Markt kamen. Das ist erstaunlich, schliesslich lebt in vielen Schweizer Wohnungen nur eine Person: Gut ein Drittel aller Haushalte sind Einpersonenhaushalte, und der Anteil dürfte weiter steigen.

Die meisten Schweizer Kleinwohnungen entstanden in den 1960er- und 1970er-Jahren, und viele davon entsprechen nicht mehr den aktuellen Bedürfnissen. Die Immobilienexperten der Credit Suisse glauben darum an eine Trendwende beim Bau von Kleinwohnungen. «Es scheint ein Bedarf zu existieren», sagt CS-Experte Fredy Hasenmaile. Kleinwohnungen gewännen an Bedeutung, heisst es in einer neuen Studie der Grossbank.

Das Angebot steigt wieder

Und tatsächlich: In den letzten fünf Jahren ist wieder mehr in Kleinwohnungen investiert worden – es wurden 2649 Objekte gebaut, das sind drei Mal mehr als in den fünf Jahren davor. Anbieter wie Mobimo bestätigen den Trend: Die Immobiliengesellschaft schreibt auf Anfrage von einer steigenden Nachfrage nach kleinen Wohnungen vor allem in den Zentren.
Aus Sicht der Credit Suisse besteht besonders für eine Form von Kleinwohnung grosses Potential: Mikro-Appartements. Gemeint sind damit Kleinstwohnungen, die sich auf maximal 30 Quadratmeter erstrecken und dennoch in vollem Umfang ausgestattet sind – mit Bad, Kochmöglichkeiten und einem Wohnbereich. Die Fläche ist deutlich kleiner als die 74 bis 78 Quadratmeter, welche Alleinlebende heute im Schnitt zur Verfügung haben. Das Konzept gleicht dem der «Studios», Mikro-Appartements bieten aber mehr Komfort und entsprechen modernen Bedürfnissen.

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Ein bunter Strauss an Mietern

Mikroapartments eignen sich für viele verschiedene Arten von Mietern, etwa Studenten, Wochenaufenthalter, Geschäftsreisende oder Senioren. Dank ihrer kleinen Fläche können sie zu bezahlbaren Mieten angeboten werden. Wenn Mikro-Appartements mit Gemeinschaftsräumen oder Dienstleistungen kombiniert werden – etwa einem Fitnessraum oder einem Putzservice – wird das Konzept noch attraktiver.

Die platzsparenden Unterkünfte sind zudem eine einfache Möglichkeit, das knappe Wohnungsangebot in den Städten zu vergrössern. Auch aus diesem Grund ist der Trend zu Mikrowohnungen in Deutschland schon länger zu beobachten. Besonders in den Grossstädten werden derzeit viele dieser Mini-Bleiben gebaut.

Deutscher Anbieter expandiert in die Schweiz

Einer der grossen deutschen Anbieter will nun auch in der Schweiz starten – iLive. Das Unternehmen betreibt in Deutschland zwölf Wohnkomplexe mit Mikroapartments für Studenten.

Für die Expansion in die Schweiz hat iLive ein Joint-Venture mit dem Thurgauer Generalunternehmen Methabau gegründet. In einer ersten Phase sollen Mikro-Appartements für Studenten sowie Geschäftsreisende entstehen. Später möchte iLive Schweiz auch Projekte für Senioren oder Singles realisieren. «Es besteht eine grosse Nachfrage nach innovativen Wohnformen», sagte Geschäftsführer Markus Kellermüller zu handelszeitung.ch.

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Ein erstes Projekt in einer Studentenstadt

Bis Ende Jahr will iLive-Schweiz-Chef Kellermüller das erste Grundstück in einer Schweizer Stadt finden. Im Blick hat er dabei vor allem eine Studentenstadt: «Die Zahl der Studenten hat rasant zugenommen, und studentischer Wohnraum ist knapp», so Kellermüller.
Wie die Reichen in der Schweiz residieren sehen Sie im Video:

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