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Säule 3a: Magere Renditen

Säule 3a: Magere Renditen

Die Bilanz der 3a-Produkte ist ernüchternd. Lange waren Vielfalt und Transparenz dürftig, die Renditen mager. Neuen Schwung könnte das erste ETF-Produkt bringen.

Von Hansjörg Ryser
09.05.2008

Endlich kommt Bewegung in den Markt der Säule 3a. In den letzten Monaten sind innovative Produktneuheiten von Versicherungen und Banken lanciert worden, welche die Attraktivität dieser Art von Sparstrumpf auch aus Renditesicht steigern. Das jüngste Beispiel einer solchen Innovation stammt aus dem Haus der Zürcher Privatbank Lienhardt & Partner.

Lange haben sich Banken und Versicherungen mit konventionellen Produkten begnügt, die für die Kunden bloss durch den Vorteil der Steuerersparnis lukrativ waren. Dennoch ist dieser Markt wohl einer der am schnellsten wachsenden. Laut der Eidgenössischen Steuerverwaltung machen inzwischen 36 Prozent aller steuerpflichtigen Schweizer Steuerabzüge für Einzahlungen in diese gebundene Vorsorge geltend – vor zehn Jahren seien es erst etwa zehn Prozent gewesen. In dieser Zeit hat sich das Versicherungsvolumen auf über 100 Milliarden Franken verdoppelt. Ebenso die Guthaben bei den Banken, von 15 auf knapp 30 Milliarden.

Die Produktpalette liess sich bis anhin bei den Banken in Angebote mit reinen Konten einerseits und solche mit Fonds anderseits unterteilen. Die Renditen waren alles andere als berauschend, besonders bei den Fondsprodukten. Aus einer Zusammenstellung des VZ VermögensZentrums geht hervor, dass in den letzten sieben Jahren von 19 Fondslösungen nur zehn eine Rendite von mehr als zwei Prozent pro Jahr erzielt haben und gar nur drei eine Rendite von über drei Prozent. Die Messlatte, die durch die risikolosen reinen Konto­lösungen vorgegeben wurde, lag indes bei zwei Prozent (siehe Tabellen). Die Bank Brienz Oberhasli (BBO), eine Regionalbank im Berner Oberland, verzinst die Kontoguthaben gar mit drei Prozent, und das nun schon seit 1995.

Nur auf den ersten Blick bestätigt der Vergleich der Fondslösungen, dass ein höherer Aktienanteil zwar erhöhte Risiken birgt, aber entsprechend auch grössere Renditen einbringt. Bei näherer Betrachtung geht aus dem Vergleich des VZ vielmehr hervor, dass etwa beim Produkt Vitainvest der UBS mit dem höchsten zulässigen Aktien­anteil von 50 Prozent seit dem 1. Januar 2001 eine jährliche Rendite von mickrigen 1,05 Prozent herausschaute, halb so viel wie beim gleichen Produkt mit einem Aktienanteil von nur zwölf Prozent.

Noch schlechter sind die Kunden bei den fondsbasierten Lebensversicherungen gefahren. Schliesslich gingen von den einbezahlten Beiträgen noch die Prämien für den Todesfallschutz und für allgemeine Kosten weg. So blieben noch etwa 90 Prozent für den Sparteil übrig. Resultierten zudem statt der damals in Aussicht gestellten Fondsrenditen von bis zu 8 bloss 2,5 Prozent pro Jahr, so beläuft sich das Guthaben nach 25 Jahren auf rund 200'000 Franken statt der erwarteten 440'000 Franken – nicht einmal die Hälfte also. Noch heute stellen die Versicherungen den Kunden Fondsrenditen von 5 bis 6 Prozent in Aussicht, was etwa dem Doppelten von dem entspricht, was die 3a-Fondsprodukte der Banken in den letzten sieben Jahren effektiv an Performance erzielten.

Inzwischen gehört es zum guten Ton einer Versicherung, ihren Kunden zumindest Garantiefonds anzubieten. Damit wird der höchste Kurs zugesichert, den der Fonds während seiner Laufzeit erzielt. Doch auch diese Produkte sind voller Tücken. Zum einen bezieht sich die Garantie nur auf den Fondswert und nicht auf die bezahlten Prämien. Zudem wird bei einem vorzeitigen Einstieg oder Verkauf der aktuelle Kurs des Fonds berechnet. Die Höchststandsgarantie gilt aber nur bei Ablauf. Dadurch wird die Rendite geschmälert, oder es kann sogar zu einem Verlust kommen.

Neu haben nun die Versicherer Garantien auf einbezahlte Prämien im Angebot. So sichert etwa Zurich FS mit ihrem fondsgebundenen Produkt Capital Garant am Ende der Laufzeit je nach Wunsch des Kunden mindestens 80, 90 oder 100 Prozent der bezahlten Prämien als Guthaben zu. Zudem können Versicherte nach zwei Dritteln der Laufzeit das Ende der Versicherungsdauer selbst bestimmen. Während bis zu zehn Jahren können sie frei über das angesparte Kapital verfügen. In den neuen gesetzlichen Bestimmungen wurde eine Flexibilisierung bei Einzahlungen von Beiträgen in die Säule 3a und dem Bezug von Guthaben festgeschrieben. Die Frist dafür kann, falls die Erwerbstätigkeit nach der Pensionierung fortgeführt wird, um fünf Jahre verlängert werden (siehe «Geschenk der Steuervögte» auf Seite 13).

Auch bei den Banken ist Innovationsfreude aufgekommen. Aktuell sind vier Angebote mit strukturierten Produkten auf dem Markt. Vorreiter war die St. Galler Kantonalbank. Alle vier Produkte bieten vollen Kapitalschutz am Ende der Laufzeit 2012. Die minimale Verzinsung beträgt 1,5 Prozent. Die Anleger erhalten als Zusatzrendite einen Anteil an der Entwicklung des Schweizer Aktienindex SMI. Allerdings ist die Partizipation limitiert. Beim Produkt der Zürcher Kantonalbank resultiert daher bloss eine Gesamtrendite über fünf Jahre von 28 Prozent, wie das Derivate-Magazin «Payoff» berechnet hat. Beim Produkt der Credit Suisse muss der SMI um mindestens 18,75 Prozent zulegen, damit die Mindestverzinsung übertroffen wird. Und beim Produkt der St. Galler Kantonalbank ist höchstens eine Performance von 22,5, bei jenem der Basler Kantonalbank von 22 Prozent möglich.

Die jüngste Innovation stammt wie schon die Vorsorgelösung mit strukturierten Produkten aus der Küche einer kleineren Bank. Lienhardt & Partner bietet mit TreStar als erste Bank eine Fondslösung mit börsenkotierten Indexfonds, mit Exchange Traded Funds (ETF) also. Diese sind besonders günstig und kostentransparent. Das neue Produkt wird in den Varianten mit 25 und mit 40 Prozent Aktienanteil dem Pensionskassenindex der Bank Pictet gegenübergestellt. Damit lasse sich die Wertentwicklung direkt messen und verfolgen, erklärt Patrick Besenfelder, Leiter Produktentwicklung und Vertrieb der Bank. Mit dem Investitionsansatz «Kernmärkte und Satellit» werden mindestens 60, in der Regel aber 80 Prozent des Anlagevolumens in ETF investiert. Für den Rest, die Satelliten, gelangen aktiv verwaltete Fonds, zum Beispiel aus den Bereichen alternative Anlagen oder Immobilien, zur Auswahl, weil diese Segmente nicht mit ETF abgedeckt werden können. Bereits ab 100 Franken pro Monat kann man in das neue Produkt investieren.

Nachdem nun also das erste ETF-Produkt im Rahmen der Säule 3a lanciert ist, dürften bald weitere folgen.

Zum BILANZ-Dossier "Altersvorsorge"

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