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Pensionskassen: Wenn Milliarden flöten gehen

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Schweizer Pensionskassen stellen ­Sicherheit über Rendite. Das Resultat: eine miese Performance. Das muss nicht sein. Viele ausländische ­Vorsorgewerke liefern Superrenditen – auch langfristig.

Von Stefan Lüscher
2012-03-20

Um die meisten Schweizer Pensions­kassen ist es nicht gut bestellt. Und im vergangenen Jahr hat sich die finanzielle Situation erneut verschlechtert. Gemäss dem Performancevergleich des Pensionskassenverbands Asip – befragt wurden 60 Pensionskassen mit einem ­Gesamtvermögen von insgesamt 187 Milliarden Franken – haben diese 2011 eine Performance von null Prozent erreicht.

Was noch ein vergleichsweise gutes Resultat darstellt. Denn nach einer Erhebung der Credit Suisse haben heimische ­Pensionskassen das Jahr 2011 mit einer negativen ­Rendite von 0,56 Prozent abgeschlossen – und zwar vor Abzug der Verwaltungskosten. Der Langfristvergleich sieht minim besser aus. Seit Beginn der Datenerhebung durch die Bank Anfang 2000 beträgt die durchschnittlich erzielte Jahresrendite 1,85 Prozent.

«Seit dem Börsencrash von 2008 ist es für Pensionskassen schwierig geworden, eine ansprechende Rendite zu erzielen», sagt Cuno Pümpin. Mit «ansprechend» meint der profilierte Ökonom und Buchautor eine Performance, die es erlauben würde, dass die Finanzierung der Vorsorge auch langfristig sichergestellt ist. Allerdings sind die 1,85 Prozent weit weg von der Soll-Rendite; diese stellt sich, je nach Berechnungsgrundlage, auf jährlich 3,3 bis 3,7 Prozent.

Verhagelt wurden die Renditen primär von den Aktienmärkten. Doch auch am Kapitalmarkt war wegen niedriger Zinsen und Schuldenkrise nicht viel zu holen. Der neben Arbeitnehmer und ­Arbeitgeber sogenannte «dritte Beitragszahler», der Finanzmarkt, tritt seit Jahren als Spielverderber auf. Inzwischen wissen die PK-Verwalter fast nicht mehr, wie und wo sie das Vorsorgevermögen anlegen sollen. Derweil wächst der Geldberg monatlich um ein beträchtliches Stück. Gemäss dem Bundesamt für Sozialversicherungen lagern in Pensionskassen, in Sammelstiftungen der Lebensversicherer sowie auf Freizügigkeitskonten 794 Milliarden Franken.

Druck der Lobbyisten. Für die Vorsorgebranche ist klar, wie die Renditeschwäche zu entschärfen wäre. Zuerst einmal müsste der vom Bundesgesetz über die berufliche Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenvorsorge (BVG) vorgeschriebene Mindestzinssatz erneut gekappt werden. Und so liessen im vergangenen Jahr die Versicherer und Vorsorgeverbände ihre Lobbyisten in Bern ausschwärmen, damit sie im Bundeshaus bei den Parlamentariern ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Und da die Versicherten der Pensionskassen keine Lobby haben, ist die Mehrheit der Politiker aufgeschlossen gegenüber den Wünschen der Vorsorgekreise. So wurde auf Anfang 2012 der Mindestzins von 2 auf noch 1,5 Prozent geschnitten. Dieser Satz, zu dem die Vorsorgeguthaben ­mindestens verzinst werden müssen, stellte sich noch vor zehn Jahren auf vier Prozent.

Doch damit nicht genug. Die PK-­Gewaltigen wollen auch den Umwandlungssatz – zu diesem Prozentsatz wird das angesparte Kapital als jährliche Rente ausbezahlt – ein weiteres Mal ­kürzen, am liebsten gleich unter sechs Prozent. Nur entschärfen solche Massnahmen das Problem der Finanzierung künftiger Renten nicht. Zumal die Lebenserwartung laufend steigt und die Menschen zunehmend länger arbeiten müssen (siehe «Facts & Figures: Immer lebensfreudiger» unter 'Downloads').

Erstaunlich ist, dass kein Verwalter auf eine weitaus näher liegende Idee kommt: eine bessere Performance. Entsprechende Fragen lösen in der Branche Stirnrunzeln, ja Belustigung hervor. Wie solle man denn das bitte schön anstellen, wo sich doch die Kapitalmärkte in desolatem ­Zustand präsentierten?

Ein Blick über die Grenze zeigt: Viele ausländische Pensionskassen fahren das Mehrfache an Rendite ein. Ein interessantes Beispiel liefert Kanada. Vor fast zwanzig Jahren erkannte die Regierung, dass angesichts der zunehmenden Überalterung der Bevölkerung die Pensionskassenvermögen für die Verpflichtungen in der Zukunft nicht ausreichen. Ein globales Problem, das in Kanada rigoros angepackt wurde. Zuerst wurden die Vorsorgeorganisationen entpolitisiert, sprich Politiker aus den Stiftungsräten geworfen. Danach bestückte man die Managementetagen und Stiftungsräte mit erstklassigen Anlageexperten, ergänzt mit Spezialisten aus Wirtschaft und Banking.

Hochrentabel – trotz Krise. Bezüglich ­Investmentstrategie erfolgte ebenfalls ein Umdenken. «Das Credo wurde völlig umgestülpt: nicht mehr nur möglichst ­sicher, sondern auch möglichst rendite­trächtig investieren», sagt Urs Wietlisbach, Mitgründer und Partner der Zuger Partners Group, eines globalen Managers von Privatmarktanlagen. Wenige Jahre nach dem Kurs­wechsel gehören die kanadischen PK global zu den Vorzeigeeinrichtungen. So der Canada Pension Plan (CPP), mit einem Vermögen von 149 Milliarden Dollar die weltweit achtgrösste Pensionskasse (siehe «Billionäre» unter 'Downloads'). Obwohl im Dienste der kanadischen Provinzen stehend und damit Einschränkungen unterworfen, erwirtschaftete CPP im schwierigen Jahr 2011 eine Performance von 11,9 Prozent.

Muskeln zeigt auch der Ontario Teachers’ Pension Plan (OTPP). Die Pensionskasse, die 2010 für 295 000 aktive und pensionierte Lehrer aus Ontario 107,5 Milliarden kanadische Dollar verwaltete, verbuchte eine Rendite von 14,3 Prozent. Doch auch andere, meist (bundes)staatliche Einrichtungen wie Ontario Municipal Employees Retirement System, Quebec Government and Public Employees oder Public Service Pension Plan, die jeweils mindestens drei Dutzend Milliarden an Vermögen verwalten, kommen locker auf zehn Prozent und mehr.

Wer heimische PK-Manager mit solchen Zahlen konfrontiert, erhält dieselbe Antwort: Schweizer Pensionskassen lies­sen sich nicht vergleichen mit ausländischen. Andere Währung, anderes Zinsgefüge, andere Vorschriften. Und die dürften ja sowieso viel mehr Aktien ins Depot packen, heisst es, entsprechend heftig fielen die Verluste in schlechten Börsenjahren aus.

10 Prozent Rendite – im Schnitt. Und so ist es auch. Als die Finanzkrise 2008 die Weltbörsen in Brand steckte, verlor OTPP 18 Prozent der Vermögenswerte – oder 21 Milliarden Dollar. Auch bei CPP lösten sich 24 Milliarden in Luft auf. Ungeachtet dieses massiven Schwunds machte sich unter den Versicherten kaum Empörung breit. Denn langfristig – und nur das zählt – glänzen die Kanadier mit Top-Renditen. Die Lehrer aus Ontario erfreuen sich seit 1990 einer durchschnittlichen Jahresperformance von 9,7 Prozent. CPP kam über die für Investoren höchst problematischen letzten zehn Jahre auf einen Durchschnitt von 5,9 Prozent.

Die führenden PK in Kanada sind höchst professionell geführt. Ontario Teachers’ beschäftigt rund 800 Mitarbeiter, überwiegend Anlagespezialisten. Und damit sie bei der Stange respektive der OTPP bleiben, werden sie erstklassig entlöhnt, und zwar primär performanceorientiert. Jim Leech als Präsident und CEO kassierte 2010 3,9 Millionen Dollar; der Basislohn stellte sich auf ein Achtel, der Rest bestand aus Leistungsprämien. Was in der Schweiz für dicke Schlagzeilen sorgen würde, ist in Kanada kein Thema. «Diese PK werden von Profis mit langjähriger Erfahrung verwaltet. Dementsprechend verdienen sie auch weitaus mehr als ein Schweizer Verwalter», sagt Lars Jaeger, Gründer und CEO der stark auf Pensionskassen ausgerichteten Asset Managers Alternative Beta Partners.

Mit seiner Mannschaft kann sich Jim Leech, ein einstiger Top-Banker, auch an ungewöhnliche Anlagestrategien heranwagen. So wird in Wälder, Flughäfen, Einkaufszentren, Kraftwerke, Schiffs­häfen, Pipelines und Eisenbahnlinien investiert. Ja OTPP besitzt sogar die britische Lotteriegesellschaft Camelot. Die Lehrer-PK war bei Infrastrukturinvestments Vorreiter, doch längst sind die ­andern mitgezogen. Solche Anlagen bringen zwar nicht riesige, dafür stetige Einkünfte. Am letzten World Economic Forum propagierte denn auch der US-Starökonom Nouriel Roubini, dass Pensionskassen zunehmend in Infrastrukturprojekte einsteigen sollten.

Bei solchen Strategien können Schweizer Verwalter nicht mithalten, es fehlt das Know-how – und der Mut. Doch im Ausland wird vorgemacht, wie auch mit simplen Investments satte Renditen zu holen sind. So investierte der Government Pension Fund (GPF) aus Norwegen, mit 550 Millionen Dollar zweitgrösste Pensionskasse der Welt, im vergangenen Jahr 58,7 Prozent in Aktien, 41,0 Prozent in Obligationen und – neu seit 2011 – 0,3 Prozent in Immobilien. Eine unkomplizierte, aber effektive Mixtur; über zehn Jahre resultierte eine durchschnittliche Rendite von fünf Prozent. Die Ausrichtung auf Aktien hat dem GPF, der übrigens keine einzige Krone in Norwegen investiert, 2008 einen Vermögensverlust von 23 Prozent eingetragen. «Dies hat bis 2010 zu einer lebhaften öffentlichen ­Debatte geführt», heisst es aus Norwegen. Was nicht zuletzt damit zu tun hat, dass der GPF keine klassische PK ist. Vielmehr ist es ein Sparstrumpf: Der Staatsfonds wird aus Öleinnahmen ­gespeist, die angezapft werden, wenn die Ölquellen eines Tages versiegen.

Fehlender Mut. Hohe Aktienanteile wie in Norwegen treiben Schweizer Pensionskassenverwaltern den Angstschweiss auf die Stirn. Als im Jahr 2008 die Finanzkrise die Aktienkurse purzeln liess, wurden die Vorsorgewerke auf dem linken Fuss erwischt. Auf ihren Aktienpositionen mussten sie milliardenschwere ­Abschreiber vornehmen; seither gilt diese Anlageform als überdurchschnittlich risikoreich. Wer als ­Verwalter mit festverzinslichen Papieren Geld verliert, wird von den Versicherten lange nicht so scheel angeschaut wie jener, der auf Aktien setzt – und in schlechten Börsenzeiten Geld verliert.

Hinzu gesellt sich ein Paradox, für das der Gesetzgeber verantwortlich ist. Geht es einer PK gut, darf sie Aktien dazukaufen – meist zu hohen Kursen, denn in solchen Zeiten befinden sich auch andere Vorsorgewerke im Aufwind. Fallen die Aktienkurse, geraten die Pensionskassen in Probleme. Der Deckungsgrad sinkt, sie sind gezwungen, Aktien zu verkaufen – zu allgemein tiefen Kursen, notabene.

Nur zögerlich setzt die Vorsorgebranche wieder auf Aktien. Nach Erhebungen der Credit Suisse hielten die Pensionskassen im vergangenen Jahr von ihrem Anlagevermögen 11,5 Prozent in Schweizer und 16,3 Prozent in ausländischen Aktien (siehe «Facts & Figures: Angst vor Risiken» unter 'Downloads'). Damit wird ein knappes Drittel des Vermögens in Aktien gehalten. Der immer wieder ins Feld geführte Hinweis auf ein restriktives Anlagereglement ist Nonsens. Laut BVG dürfen bis zu 50 Prozent in Dividendenpapiere angelegt werden. Und nicht einmal dieser Anteil ist sakrosankt. «Eine risikofähige Pensionskasse darf bis zu 70 Prozent ihres Vermögens in Aktien investieren», erläutert Stefan Thurnherr, Pensionskassenexperte des VZ VermögensZentrums.

Dabei weiss jeder PK-Verwalter um die empirischen Untersuchungen, wonach mit Aktien langfristig weitaus mehr zu verdienen ist als mit Obligationen. ­Berühmt ist die Datenreihe der Bank ­Pictet. Danach haben Aktien in der Schweiz seit 1926 eine jährliche Performance von 7,5 Prozent abgeworfen, bei Obligationen sind es 4,5 Prozent (siehe «Aktien schlagen Bonds» unter 'Downloads'). Wer diese Zahlen einem Pensionskassenmanager vorlegt, bekommt unweigerlich zu hören, dass gerade das letzte Jahrzehnt diese Performance gehörig auf den Kopf gestellt hat. Stimmt. Die Börsenturbulenzen seit der Jahrtausendwende bewirkten, dass Aktienengagements über die letzten zehn Jahre durchschnittlich 2 Prozent eintrugen, gegenüber 4,3 Prozent, die mit Oblis zu holen waren.

Dabei geht allerdings vergessen, dass gerade Vorsorgewerke langfristig denken können. «Eine bessere Rendite ist nicht automatisch mit höheren Risiken verbunden. Gerade Pensionskassen, die bei ihren Versicherten auf 30 Jahre und länger hinaus ausgerichtet sind, können langfristig und strategisch investieren», gibt Urs Wietlisbach von der Partners Group zu bedenken. Wer im Jahr 1982 eine Million Franken in Schweizer ­Aktien investiert hat, darf sich drei Jahrzehnte später über 12,5 Millionen freuen. Derselbe Betrag in heimische Obligationen gesteckt, steht am Ende der gleichen Periode lediglich auf 3,7 Millionen (siehe «Facts & Figures: Kursheuler» unter 'Downloads').

Verkrustetes Umfeld. Weshalb also die Vorbehalte gegenüber Aktien? Wietlisbach liefert die Antwort: «Schweizer Pensionskassen suchen nicht primär nach Rendite, sondern fokussieren zu stark auf gefühlte Sicherheit. Und das ist einer guten Performance nicht förderlich.» In dieselbe Kerbe haut BVG-Rechtsexperte Werner Nussbaum: «In der angelsächsischen Welt sehen PK-Manager das Risiko als Chance für Gewinne, bei uns wird das Risiko als Quelle möglicher Verluste betrachtet.» So duckt sich der PK-Verwalter lieber, macht eine Nullachtfünfzehn-­Anlagemischung. Laut dem SVP-Nationalrat und Vorsorgeexperten Hans Kaufmann ist es den PK-Gewaltigen bewusst, dass «langfristig eine Anlagestrategie, die stark auf Aktien setzt, attraktiv ist. Nur muss der Verwalter jedes Jahr abrechnen, und dann belasten vorüber­gehende Kursrückschläge.»

Die Renditeunterschiede sind deutlich: Bei Schweizer Pensionskassen sind es über zehn Jahre durchschnittlich 1,9 Prozent, bei ausländischen Vorsorgeeinrichtungen mindestens 5 Prozent. Was dieser Unterschied bedeutet, deckt eine – zugegebenermassen simpel gestrickte – Rechnung auf. Angenommen, die genannten Renditen werden über die nächsten zehn Jahre fortgeschrieben. Dann hätten die Schweizer Verwalter bis 2021 das aktuelle Vorsorgevermögen von 800 auf 966 Milliarden Franken gesteigert. Der ausländische Manager dagegen würde 1303 Milliarden abliefern. Das ist ein saftiger Unterschied von 337 Milliarden. Pro Kopf der 3,64 Millionen Versicherten entspricht dies einem entgangenen Gewinn von 92 580 Franken.

Im Schweizer Vorsorgewesen muss sich etwas tun. Das ist auch dem Bundesrat klar; er hat zuhanden der Bundesversammlung den 168-seitigen Bericht «Über die Zukunft der 2. Säule» verfasst. Darin finden sich zum Teil brisante Ideen, wie das Pensionskassensystem einer Reform unterzogen werden könnte. Nicht wenige Experten erwarten allerdings, dass die grosse und kleine Kammer den Mut zu grossen Schritten nicht findet. «Die zweite Säule ist total verkrustet, das Umfeld für Pensionskassen überreglementiert», diagnostiziert PK-Berater Graziano Lusenti, geschäftsführender Gesellschafter bei Lusenti Partners. Doch ihm ist klar, dass sich Effizienz und Performance nicht amtlich erzwingen lassen. Nur sollte sich der Staat «auch in der zweiten Säule vorwiegend um optimale Rahmenbedingungen kümmern; diese Priorität hat er allerdings längst aufgegeben».

Dabei wären Visionen gefragt, so wie Kanada einst sein Vorsorgesystem auf ­sichere Beine stellte. Für Urs Wietlisbach stehen drei Massnahmen im Vordergrund: «Zuerst muss das regulatorische Umfeld verbessert werden. Dann gilt es, grössere Pensionskassen mit höheren Vermögen zu schaffen, wodurch eine professionelle Asset Allocation effektiver wird. Zudem müssen die Manager der Pensionskassen performancenäher entlöhnt werden.» PK-Berater Martin Janssen von der Ecofin-Gruppe setzt zudem auf Wettbewerb: «Unsere Vorsorgeindustrie ist mächtig. Die meisten wollen keine Konzentration der Kassen, keinen Wettbewerb. Und letztlich wollen die Anbieter auch keine tieferen Kosten. Deshalb brauchen wir Wettbewerb.» Doch der PK-Berater von der Ecofin-Gruppe ist Realist. «Der Wettbewerb unter Schweizer Pensionskassen ist weitgehend ausgeschaltet. Und niemand will daran etwas ändern, weil sich die meisten gut eingerichtet haben.»

Keine Hoffnung auf Besserung. Für Cuno Pümpin ist «eine stärkere Professionalität im Vorsorgesystem dringend nötig». Das bedeutete eine Abkehr vom Milizsystem; Hobbyverwalter würden durch professionelle Anlageexperten ersetzt. Der Zeitpunkt für einen solchen Systemwechsel wäre gut, denn in der Schweiz sind Tausende von Bankern ohne Job. ­Allerdings bietet der 800 Milliarden Franken dicke Vorsorgekuchen dem Heer von Profiteuren viel zu leichte Beute. So hat in der Branche selbst kaum einer ein Interesse daran, dass die ­Pensionskassen auf einige Dutzend schrumpfen, die ­Manager sich professionalisieren, Wettbewerb einzieht oder sich das Dickicht an Vorschriften und Reglementen lichtet. Auch Transparenz scheuen die Verwalter. «Das Vorsorge­geschäft ist trotz neuen Regeln eine Black Box geblieben», urteilt Rudolf Strahm, Ex-Preisüberwacher und ehemaliger SP-Nationalrat.

Eine Reform sähe viele Verlierer. Manche Politiker, die in Kommissionen und Stiftungsräten sitzen, würden einen ­Nebenerwerb verlieren. Tausende von Verwaltern und Stiftungsräten müssten auf ein Zubrot verzichten. Ein unüberblickbarer Haufen von Beratern, der auch aus dem Ausland laufend Zuzug erhält, wäre plötzlich überflüssig. Für Banken und ­Finanzhäuser würde eine kräftig sprudelnde Einnahmequelle versiegen: Sie könnten den PK-Profis ihre teilweise arg überteuerten Anlageprodukte nicht mehr andrehen. Verbände und Schulungsfirmen müssten ihre lukrativen ­Tagungen und Weiterbildungsseminare einstampfen.

Das ernüchternde Fazit: Im Schweizer Pensionskassenwesen ist kein Ende der Performance-Misere abzusehen.

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