Es hatte den Anschein ­einer Revolution, als ­Valora-Chef Michael Mueller Anfang April der Presse die zwei personalfreien Ladenkonzepte Avec box und Avec X vorstellte. Fast 50 Medienschaffende waren am Zürcher HB mit dabei. Sie ignorierten grosszügig das Thema Alkohol, nachdem es Mueller in einem Nebensatz gestreift hatte. Das sei eben gesetzlich ohne Personal nicht durchführbar, erklärte der Basler die Tatsache, dass Valora weder Bier noch Spirituosen feilbieten wird.

Doch jeder Detailhändler weiss, dass es ohne den Frequenzen­bringer Alkohol im Convenience-­Bereich sehr schwierig wird. Nicht ­umsonst führt der Kioskkonzern in seinen über 100 bedienten Schweizer Avec-Standorten ein beachtliches Bier- und Alcopop-Sortiment.

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Zwei Probleme für Valora

Der neue Verkaufskanal ohne Personal führt Mueller gleich vor zwei Probleme. Im Kanton Zürich, aber auch in vielen anderen Kan­tonen ist der Verkauf an «Betrunkene, Psychischkranke und Alkohol- oder Drogenabhängige» laut Gastgewerbegesetz verboten. Die Entscheidung vor Ort trifft jeweils das geschulte Personal. Doch wo keines ist, kann auch nichts entschieden werden.

Michael Mueller

Michael Mueller (46) führt den Detailhändler Valora seit fünf Jahren und hat ein Flair für digitale Experimente.

Quelle: www.noeflum.ch

Ausweichen könnte man theoretisch auf einen Automaten, so wie es Valora in den neuen Avec-Shops mit den Zigaretten löst. Dieser soll dereinst sogar noch um eine Gesichtserkennung erweitert werden. Doch das führt zum zweiten Problem – ein anderer Paragraf macht Valora wieder einen Strich durch die Rechnung: Der «Verkauf von alkoholhaltigen Getränken mittels Automaten» ist verboten. Vor rund 15 Jahren wurde der Verkauf von Alkohol deutlich strikter geregelt. Nach politischem Druck führten die SBB gar ein Verkaufsverbot ab 22 Uhr an Bahnhöfen ein.

Mit einem ähnlichen Problem wie Valora kämpft auch Jeff Bezos in den USA. Zur Überraschung vieler Kunden seines Ladenkonzepts Amazon Go wird dort Alkohol nur ausgehändigt, nachdem das Verkaufspersonal Kunde und ID kontrolliert hat. Für Valora ist diese Variante bislang kein Thema. Auch darum dürfte CEO Mueller das neue Konzept explizit als «neues Einkaufserlebnis statt technologischer Revolution» angepriesen haben.