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Börsengang 
Zweiter Streich – das Machtnetz von Thomas Straumann

Thomas Straumann
Nach dem Tod des Vaters musste Thomas Straumann mit erst 27 Jahren den Betrieb übernehmen.Quelle: Oliver Oettli

Mit Medartis hat der Vollblutunternehmer Thomas Straumann nun auch seine zweite Firma an die Börse gebracht – erfolgreich.

Von Erik Nolmans
13.04.2018

Der Start ist geglückt: Um 29 Prozent schoss der Kurs von Medartis am Tag der Platzierung in die Höhe. Nun ist das vor 20 Jahren gegründete Medtech-Unternehmen das jüngste Kind an der Schweizer Börse. Die Firma, die chirurgische Implantate und Instrumente zur Fixierung von Knochen herstellt, ist 1997 entstanden, im Vorfeld des Börsengangs der Schwesterfirma Straumann. Weil man damals beim Börsengang des Zahnimplantateherstellers Straumann einen Pure Player wollte, trennte Thomas Straumann den Knochenbereich der alten Straumann vom Zahnbereich ab.

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Medartis gedieh seither prächtig: Aus der einstigen 20-Mann-Bude ist bis heute ein Unternehmen mit 480 Mitarbeitern entstanden, das in 44 Länder verkauft. Erklärtes Ziel des jetzigen Börsengangs ist die Finanzierung des weiterhin ehrgeizigen Wachstums von Medartis. Über 120 Millionen Franken fliessen der Firma als Bruttoerlös im Rahmen des IPO zu. Nach dem Börsengang bleibt Thomas Straumann mit 47,9 Prozent Hauptaktionär. Weitere wichtige Teilhaber sind Medartis-Vizepräsident Dominik Ellenrieder mit 7,9 Prozent und CEO Willi Miesch mit 6 Prozent, beides langjährige Weggefährten von Straumann.

Fritz Straumann
Vater Fritz Straumann setzte auf Zahnimplantate.
Quelle: ZVG

Die Karriere

Thomas Straumann entstammt einer Unternehmerfamilie. Grossvater Reinhard Straumann stellte Federn für die Uhrenindustrie her, Vater Fritz Straumann setzte auf Metallimplantate. Nach dem Tod des Vaters musste Thomas mit erst 27 Jahren den Betrieb übernehmen. Als die Firma 1990 unter den Familienmitgliedern aufgeteilt wurde, wählte er den Bereich Zahnimplantate, der damals ein Schattendasein fristete – und machte daraus einen Weltkonzern. Parallel dazu baute er aus dem Knochenbereich unter dem Namen Medartis ein weiteres Unternehmen. 1998 ging der Zahnimplantatebereich unter dem Namen Straumann an die Börse, per 23. März 2018 folgte Medartis.

In den frühen Tagen setzte er auf altbewährte Mitstreiter, etwa Max Wiesendanger, schon seit den 1970er Jahren bei Straumann, der als Finanzchef das Zahlengewissen hinter dem quirligen Straumann wurde. Der Berner Kunstsammler und Investor Jürg Eichenberger war ein anderer väterlicher Freund – ihn holte Thomas Straumann später in den Verwaltungsrat. Eng arbeitete er mit Wissenschaftlern zusammen, etwa mit dem Berner Zahnmedizin-Professor Daniel Buser oder dem deutschen Kieferorthopäden Wilfried Schilli. Der Banker Gilbert Achermann zog 1998 für die Leadbank UBS den Börsengang von Straumann durch. Straumann holte ihn als Finanzchef in die Firma, später wurde er CEO. Heute ist Achermann Präsident der Straumann-Gruppe.

Die Mitstreiter

Ein enger Vertrauter ist Willi Miesch, der heute als CEO und Verwaltungsrat von Medartis wirkt. Straumann und Miesch sind auch persönlich eng befreundet, dies seit über 30 Jahren. Sie kennen sich noch aus der alten Straumann, haben doch beide dort die Lehre gemacht und auch in den Jahren darauf zusammengearbeitet.

Willi Miesch
Medartis-CEO Willi Miesch: Befreundet seit 30 Jahren.
Quelle: ZVG

Ebenfalls ein Vertrauter aus frühen Tagen ist der milliardenschwere Unternehmer und Investor Rudolf Maag, der als Aktionär auch an der Straumann-Gruppe beteiligt ist. Der Kontakt geht zurück auf familiäre Bande: Straumanns Ex-Schwiegervater ist der Bruder von Rudolf Maag.

Mit Maag zusammen hat Straumann auch sonst manche Schlacht geschlagen, etwa um Von Roll, wo zudem Ex-Elektrowatt-Mann Oskar Ronner mit von der Partie war. Das Trio musste allerdings eine Niederlage einstecken. Enge Kontakte hat Straumann auch in die Skiwelt. Mit Ex-Bundesrat Adolf Ogi, lange Direktor des Schweizerischen Skiverbands, war schon sein Vater freundschaftlich verbunden. Die technikaffinen Straumanns entwickelten auch die einst als «Wunderwaffe» bekannt gewordenen Skistöcke mit Kugeln, mit denen Abfahrtslegende Roland Collombin 1973 prompt das Hahnenkammrennen gewann. Für Skispringer Simon Ammann entwickelte Medartis eine spezielle Skibindung.

Die Gegenspieler

Im Kampf um die Schweizer Industrie-Ikone Von Roll setzte es 2007 für Straumann eine bittere Niederlage ab. Straumann hatte zusammen mit Oskar Ronner und Rudolf Maag rund 20 Prozent an Von Roll erworben. Mitaktionär August von Finck, der rund 12 Prozent besass, wollte aber die ganze Macht, kaufte heimlich hinzu, gewann das Seilziehen an der Generalversammlung und platzierte seine eigenen Leute im Verwaltungsrat, allen voran den umstrittenen Ex-Oerlikon-Bührle-Chef Thomas Limberger. Harter Konkurrenz im Markt sieht sich Straumann bei beiden seiner Firmen gegenüber.

Hansjörg Wyss
Hansjörg Wyss: Er hat Synthes gross gemacht und an Johnson & Johnson verkauft – ein Konkurrent von Medartis.
Quelle: Keystone

Gegenspieler im Zahnimplantate-Bereich ist Nobel Biocare. In der Marktpositionierung gab es ein hartes Kräftemessen, besonders mit der ehemaligen Chefin Heliane Canepa. Ein Konkurrent von Medartis ist die inzwischen vom US-Konzern Johnson & Johnson gekaufte Synthes. Hansjörg Wyss, der Synthes gross gemacht hat, ist ein Ex-Angestellter der alten Straumann: Er leitete dort den Bereich Nordamerika. Im Kampf um die Aufmerksamkeit der Investoren steht Straumann mit Sensirion-Präsident Felix Mayer in Konkurrenz, der seine Firma in derselben Woche wie Medartis an die Börse brachte und damit gleichzeitig um Geld und Gunst der Anleger buhlte. Beide Börsengänge starteten erfolgreich.