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Wandelhalle 
Zurück zur Natur

Bauer mit Traktor auf Wiese
Landwirtschaft: Sechs Agrar-Initiativen kommen auf uns zu.Quelle: Brigitte Blättler / Getty Images

Von den 28 hängigen Volks­initiativen betreffen sechs die Landwirtschaft. Sie sind die logische Folge von zu viel Pferdefleisch in der Rindfleischlasagne.

Florence Vuichard
Kommentar  
Von Florence Vuichard
13.09.2018

Bauern und Velofahrer. Um sie geht es am 23. September. Dann stimmen wir für einmal nicht über abstrakte ­Unternehmenssteuerkonstrukte ab, nicht über schwer verständliche Koordinationsabzüge und Umwandlungssätze in der beruflichen Vorsorge und auch nicht über das immer komplexer werdende Verhältnis zur EU.

Nein. Diesmal geht es um Handfestes: um die Frage, ob wir zusätzlich zu den Fuss- und Wander- neu auch die Velowege in die Verfassung schreiben wollen; ob wir die hiesigen Landwirte mittels höherer Importbarrieren und Zusatzsubventionen noch besser schützen wollen; und ob wir die Regeln in Bezug auf Ökologie und Tierschutz weiter verschärfen sollen.

Klare Fragen, klare Antworten: Gemäss der ­ersten Umfrage des Instituts GfS Bern befürworten 64 Prozent die Velo­landisierung der Schweiz, die beiden protektionistischen Agrar-­Initiativen kommen gar auf Zustimmungsraten von über 75 Prozent.

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Nur zwei von insgesamt sechs Agrar-­Initiativen

Die Initiative für Ernährungs­souveränität, wie die Vorlage zum Schutz der einheimischen bäuer­lichen Berufsgruppe offiziell heisst, sowie die grüne Fair-Food-Initiative, die unser tägliches Menu ökologischer gestalten möchte, sind nur zwei von insgesamt sechs Agrar-­Initiativen, mit denen wir uns in ­naher Zukunft befassen müssen.

Am 25. November kommt die bestimmt auch sehr populäre Hornkuh-­Initiative zur Abstimmung. Dann gibt es da noch zwei Volksbegehren, ­welche sich ­gegen den Gebrauch von Pes­tiziden richten: die Initiativen «Für eine Schweiz ohne synthetische ­Pestizide» sowie «Für sauberes Trinkwasser». Und schliesslich kommt noch eine Initiative gegen Massentierhaltung. Diese befindet sich allerdings noch im Sammelstadium.

Folge vom Pferdefleisch in der Rindfleischlasagne

Der aktuell sehr hohe Zuspruch für die Ernährungssouveränitäts- und die Fair-Food-Initiative basiert auf einem noch sehr tiefen Wissens­stand der Befragten – und dürfte noch sinken.

Aber er passt zum immer lauter werdenden Ruf nach frischem, biologischem und saisongerechtem Essen. Zurück zur Natur, zur Scholle, zum Haus­gemachten: Diese Wünsche der Konsumenten sind eine Reaktion auf all die Skandale der globalisierten Nahrungsmittelindustrie. Dass es jedoch nach Annahme der beiden Agrarvorlagen weniger Pferdefleisch in der Rindfleischlasagne gäbe, ist hingegen mehr als fraglich.

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