Die ZKB unter CEO Hans Vögeli ist auf Erfolgskurs: Ein Rekordgewinn folgt auf den anderen. Umso mehr erstaunt, dass zwei bestandene Generaldirektoren ihre Aufgabenbereiche ab Anfang 2006 tauschen werden: Martin Scholl (44) wird neu Chef der Einheit Privatkunden, Charles Stettler (56), der diesen Bereich bisher leitete, übernimmt Scholls Bereich Firmenkunden.

Die Medien interpretieren die Rochade vor dem Hintergrund der Nachfolgeplanung im Hause: Scholl soll mit der Übernahme des Kerngeschäfts der ZKB – der Bereich Privatkunden umfasst rund eine Million Kunden – auf eine spätere Nachfolge von CEO Vögeli (57) vorbereitet werden. Dass dies auch ein Grund war, bestätigen ZKB-Insider.

Doch unmittelbar waren andere Beweggründe ausschlaggebend. Der Bereich Privatkunden unter Stettler präsentierte sich zuletzt verkrustet. Die Führungscrew ist überaltert, gleich mehrere Pensionierungen von Regionaldirektoren stehen an. Neue, dynamische Kräfte wurden kaum nachgezogen. Zudem gilt Stettler zwar als intellektuell brillant, besonnen und sehr erfahren, aber mit seiner eher zurückhaltenden Art nicht unbedingt als grosser Motivator.

Erstaunlich ist auch, dass es in der ZKB in den letzten Jahren zwischen den einzelnen Geschäftsbereichen personell kaum Austausch gab – die Firmenteile pflegten ihre Gärtchen recht abgeschottet.

Mit dem energiegeladenen Scholl dürften einerseits neue Dynamik und mehr Wir-Gefühl in den Bereich Privatkunden kommen, andererseits dürfte Scholl einige seiner jungen Vertrauten aus dem Firmenkundenbereich mitnehmen – und damit der Führungscrew im Privatkundensegment eine Blutauffrischung bringen.

Mit der Rochade ist eine Lösung gefunden worden, die schon vor vier Jahren diskutiert worden war. Stettler, bis 2001 erfolgreich als stellvertretender Leiter der Abteilung Firmenkunden tätig, war der logische Nachfolger seines abtretenden Chefs Ulrich Naef. Doch weil kein geeigneter Kandidat für den Job des Privatkundenchefs bereitstand, wurde Stettler an die Spitze dieses Bereichs gesetzt. Scholl, damals knapp 40 und einer der jüngsten Generaldirektoren in der ZKB-Geschichte, wollte man den Kernbereich der Bank nicht anvertrauen. Die auf die Umstände und weniger auf die Personen zugeschnittene Lösung ist nun korrigiert worden.

Mit Scholl wächst in der ZKB ein starker Gegenspieler zu Vögeli heran. Beide gelten als Alphatiere, die mit ihrer Meinung nicht zurückhalten. So sollen sich Vögeli und Scholl schon harte Auseinandersetzungen geliefert haben. Ein Kopfnicker ist Scholl nicht. Dass der CEO den jungen GD nun doch als seinen möglichen Nachfolger positioniert, zeigt den Respekt, den er vor den Leistungen Scholls hat. EN

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