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Online-Handel 
Zalando hadert mit dem Schweizer Zoll

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App: Zalando kann nicht mehr das ganze Sortiment in die Schweiz liefern.Keystone

Der Online-Riese Zalando baut sein Angebot im grossen Stil aus, kann aber nicht mehr alle Waren in die Schweiz schicken. Schuld ist ein alter Zopf.

Von Philipp Albrecht
2017-06-29

Es ist die hohe Kunst des Online-Handels. Die Kunden spüren nichts vom komplexen Logistikaufwand, den ihre Bestellung durchmacht. Reibungslose Abläufe mit Gratisretouren haben Zalando denn auch zum unangefochtenen Online-Kleiderhändler im deutschsprachigen Raum gemacht. Alleine in der Schweiz setzt das deutsche Unternehmen über eine halbe Milliarde Franken um (siehe Bildergalerie unten).

Doch jetzt dringt Sand ins Getriebe. Zalando kann für unbestimmte Zeit nicht mehr das ganze Sortiment in die Schweiz liefern. Mit dem Mitte Juni angekündigten Ausbau der Plattformstrategie sollten neue Marken und Händler auf die Zalando-Seite geholt werden. Im sogenannten Partnerprogramm können diese wählen, ob sie Lagerung und Versand ihrer Ware Zalando überlassen oder selber abwickeln wollen.

Zeitintensive Zoll-Formalitäten

Doch die Schweizer Zollbestimmungen verhindern, dass alle in die Schweiz liefern können. Die Händler müssten die Formalitäten selber übernehmen, doch nicht alle haben das nötige Personal. Also springt Zalando ein: «Wir müssen die Zollabklärung für die Partner lösen, was sehr zeitintensiv ist», erklärt Zalandos Logistikexperte Jan Bartels. Man arbeite daran.

Das Problem: Weil der Schweizer Zoll Waren aus dem Ausland nicht nach Wert, sondern nach Gewicht taxiert, müssen ausländische Händler sämtliche Produkte separat wiegen und sie mit Zolltarifnummern versehen. Ein unnötiger Aufwand, der hohe Kosten verursacht.

Zalando muss für ihre Zollabwicklungen zusätzlich 20 Leute beschäftigen. Bei jedem neuen Turnschuhmodell müssen für Lieferungen in die Schweiz alle Grössen gewogen werden. «Wir müssen das Gewicht von über 200'000 Produkten messen und dafür im Lager viel Kapazität schaffen», klagt Linus Glaser, Zalando-Verantwortlicher für die Schweiz und Österreich. Der Zoll ist offenbar knallhart: «Schon 20 Gramm zu viel können problematisch sein.»

Gewichtszoll soll Weltmarktpreise konstant halten

Die Anbieter, die im Rahmen des Partnerprogramms ihre Ware bei Zalando lagern lassen, sind davon nicht betroffen. Aktuell gibt es 170 Partner. Der Anteil jener, die problemlos in die Schweiz liefern können, ist laut Glaser «deutlich kleiner».

Die Schweiz ist das einzige WTO-Land, das die Einfuhren nach Gewicht statt nach Wert verzollt. So sollen die Zollerträge bei fallenden Weltmarktpreisen konstant gehalten werden. Dem Handel ist der Gewichtszoll ein Graus. Der damalige FDP-Nationalrat Ruedi Noser lancierte vor drei Jahren einen Vorstoss, um den alten Zopf abzuschneiden. Doch der Bundesrat sperrte sich dagegen, weil er Mehraufwand und höhere Kosten befürchtet. Künftige Freihandelsabkommen würden den Zollabbau ohnehin vorantreiben, hiess es in der Antwort.

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