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Wirtschaftsthemen in den Medien: Die Schweiz im Würgegriff der Angst

Bad News dominieren die Medien. Das zeigt das dreimonatlich publizierte Issues-Barometer, das der FÖG der Uni Zürich mit Adwired erstellt.

Von Peter Schürmann
20.09.2005

Angst, sagt man, sei ein schlechter Ratgeber. Trotzdem sind es «Angstthemen», welche die Schweizer Medien prägen. Die Angstmacher sind im Driver’s Seat.

Angst war und ist immer auch ein Zeichen von Resignation – und die daraus resultierende Orientierungslosigkeit der Hauptgrund für das Lahmen von Volkswirtschaften. Bad news is good news, und es scheint, dass die Schweizer Medienkonsumenten nach wie vor klaglos all die Katastrophenszenarien konsumieren, die ihnen täglich serviert werden. Es fehlen die Leitfiguren in Politik und Wirtschaft, die glaubwürdig Gegensteuer geben könnten.

Der historisch hohe Ölpreis schafft den kontinuierlichen Aufstieg fast ganz nach oben, bis auf Platz 3. Der Ölpreis stellt einen wachstumshemmenden Faktor dar, und nachdem die meisten Unternehmen ihre Halbjahresergebnisse präsentiert haben, zeigt sich, dass der längst erwartete konjunkturelle Aufschwung in der Schweiz (Rang 6) auf die nächsten Quartale verschoben werden muss.

Gleichzeitig werden erfolgreiche Betriebe von ausländischen Investoren bedrängt.

Im Fall von Unaxis (Rang 10) war bereits die Übernahme durch Österreicher ein Thema mit grosser Resonanz. Nach vollzogener Machtübernahme sind es nun Restrukturierungen. Der unsägliche Kampf der Saia-Burgess-Führung (Rang 2) gegen die Übernahme bestimmt einen beachtlichen Teil der Wirtschaftsberichterstattung, ebenso das Wettbieten um Leica Geosystems.

Inmitten von Wachstumskrise, steigenden Ölpreisen und dem Verkauf von Arbeitsplätzen ins Ausland läuten die grossen Arbeitnehmerverbände ausgerechnet die Lohnrunde 2006 (Rang 8) ein und verlangen – ihrer Ideologie getreu – neben dem Teuerungsausgleich unter anderem wesentliche Lohnerhöhungen.

Bei den Trend-Issues sind es die Heuschrecken auf dem Weg in die Schweiz, die Angst und (mediale) Empörung auslösen.

Saia-Burgess, Leica Geosystems und Unaxis gaben den Anstoss zur Lancierung eines Metadiskurses zu Übernahmen von Schweizer Unternehmen, der unter dem Motto «Ausverkauf der Schweiz» steht. Berichte von Übernahmen von Schweizer Unternehmen durch ausländische Investoren werden mit patriotischen Gefühlen und Kriegssemantik kommentiert.

Im Vergleich zum Vormonat beinahe verdoppelt hat sich die Anzahl Artikel in den Medien über die Gehälter der Manager. Die so genannten goldenen Fallschirme für die Konzernelite erhielten grosse mediale Aufmerksamkeit, auch hier angeheizt durch Saia-Burgess.

Fazit: Angst und Ohnmachtsgefühle, die sich in Empörung über jene äussern, die die «Festung Schweiz» stückweise knacken, ersetzen das, was die Schweiz einst stark gemacht hat: Persönlichkeiten mit einer guten Portion Pioniergeist.

Peter Schürmann ist Unternehmensberater für Kommunikation und VR-Präsident von Adwired, die Lösungen für digitale Unternehmenskommunikation entwickelt und börsenkotierte Unternehmen mit Systemen für elektronisches Issue- und Reputation-Management unterstützt.

Der FÖG der Uni Zürich ist das «Kommunikations-Cern» der Öffentlichkeitsforschung. Er betreibt ein Monitoring von Kommunikationsereignissen unter anderem zur Früherkennung gesellschaftlicher Trends.

Die jüngsten Daten finden Sie auf www.bilanz.ch. Hintergründe zum Issues-Barometer auf www.reputation-management.ch.

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