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gras»-Dilemma

Meinung 
Wintersession: Das «Foie 
gras»-Dilemma

Wintersession: Das «Foie 
gras»-Dilemma
«Foie 
gras»: Offenbart einen Röstigraben. Education Images/Getty Images

Die Stopfleber: eine ­Delikatesse für die einen, ein Qualprodukt für die anderen – und eine politische Knacknuss für alle.

Von Florence Vuichard
2017-10-24

Die Feiertage rücken näher. Die Möbel-Pfister-Filiale zwischen Bundeshaus und Bahnhof ertrinkt bereits in Weihnachtsdekoration, die Illustrierten publizieren ein Festtagsmenu nach dem anderen. Und der Ständerat stimmt sich auf die «Foie gras»-Diskussion in der Wintersession ein.

Auslöser ist ein Vorstoss von SP-Nationalrat Matthias Aebischer, der ein grundsätzliches «Importverbot für ­tierquälerisch erzeugte Produkte» fordert. Auch für die Stopfleber, wie die Delikatesse auf der Deutschschweizer Seite des «Foie gras»-Grabens heisst.

Für Romands ein Kulturgut

Das klingt gut und fand im Nationalrat auch eine Mehrheit – dank den Stimmen von SP, Grünen sowie bürgerlichen Tierschützern und Bauern. Doch Aebischer hat die Rechnung ohne die Romands gemacht. Denn für sie ist «Foie gras» nicht ein «Qualprodukt», wie Aebischer es formuliert, sondern zentraler Bestandteil ihrer Küche und also ein Kulturgut.

Nirgends ist der Röstigraben so sichtbar wie beim Essen und Trinken. Während die Deutschschweizer Politiker ihre welschen Kollegen, die sich schon vor der Mittagspause ein Glas gönnen, verächtlich als «Weisswein-Fraktion» abstempeln, schütteln die Romands nur ungläubig den Kopf, wenn die Deutschschweizer nach dem Essen noch eine «Schale» bestellen statt eines Espressos.

Kein Wunder, dass nicht einmal Aebischers welsche Parteikollegen seinem Ansinnen zustimmen konnten. Der Kompromiss – ein Importverbot mit einer Ausnahme für «Foie gras» – scheiterte, wohl auch weil weitere Sonderwünsche sowie Umsetzungsprobleme absehbar waren.

Nicht vergessene Swissness-Vorlage

Die Parlamentarier haben die unzähligen Nebenwirkungen der Swissness-Vorlage nicht vergessen. Und etliche von ihnen haben eine Lehre daraus gezogen: Nicht alles, was gut gemeint ist, lässt sich gut lösen. Weil aber Nichtstun hier offenbar auch keine Option war, einigten sich die Ständeräte in der zuständigen Kommission auf das bewährte Mittel des Postulats.

Die Verwaltung soll nun prüfen, ob eine Deklarationspflicht bei Herstellungsmethoden, die nicht den Schweizer Normen entsprechen, möglich wäre, und einen Bericht dazu abliefern. So gewinnen die Politiker Zeit und die Weihnachtsmenus eine Gnadenfrist. Das «Foie gras»-Dilemma hingegen bleibt bestehen.

Dieser Text erschien in der November-Ausgabe 11/2017 der «Bilanz».

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