Jahrelang war er auf Tauchstation, entsprechend hatten die wenigsten mit ihm gerechnet: Nun wird Ex-UBS-Präsident Peter Kurer der neue Präsident des Tele­komanbieters Sunrise und damit Nachfolger des im Juli verstorbenen ­Dominik Koechlin. Zwischenzeitlich hatte Lorne Somerville, Vertreter des bisherigen Grossaktionärs CVC Capital Partners, das fünfköpfige Gremium geleitet.

Schweizer, gut vernetzt, mit dem ­Regulierungsumfeld vertraut und fit in Corporate Governance: Das waren die Anforderungen an den neuen Präsidenten des zweitgrössten Schweizer Carriers. Telekomexpertise war dagegen nicht gefragt. Die kann Kurer auch nicht bieten. Aber wenigstens war der Anwalt bei der Kanzlei Homburger 1998 zuständig für den Börsengang der Swisscom und sitzt oder sass im Board der Schweizer Unisys, von SoftwareOne und des Medizinaltechnologieherstellers Sonotron.

Die beiden unabhängigen Sunrise-Verwaltungsräte Peter Schöpfer und Jesper Ovesen portierten Kurer bereits im vergangenen Oktober, Somerville ­unterstützte den Vorstoss. Die formelle Anfrage kam im Winter schliesslich über einen Headhunter.

Es bleibt kein Stein auf dem anderen

Bei Sunrise bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen: CEO Libor Voncina stellt seinen Posten auf Mai zur Ver­fügung – «auf eigenen Wunsch», wie es heisst. Voncina wird ersetzt durch den Holland-Schweizer Olaf Swantee, der früher bei Orange war und derzeit den englischen Telekomanbieter Everything Everywhere leitet. CVC verkaufte ihr 24-Prozent-­Aktienpaket an den deutschen Telekomprovider Freenet. Deren CEO Christoph Vilanek und CFO Joachim Preisig ­werden die CVC-Vertreter Lorne Somerville, Daniel Pindur und Siddharth Patel im Verwaltungsrat von Sunrise ablösen.

Peter Kurer war bei all diesen Änderungen «tief involviert», wie es aus dem Sunrise-Umfeld heisst. So sprach er ausführlich mit Voncina und Swantee im Vorfeld des Managementwechsels. Auch die neuen Grossaktionäre traf er vor dem Aktiendeal; sie werden seine Wahl zum Präsidenten an der Generalversammlung vom 15. April unterstützen. Die Chancen stehen damit gut, dass sich Kurer an der Sunrise-Spitze länger halten wird als im Präsidium der UBS: Dort war 2009 nach nur einem Jahr bereits wieder Schluss für ihn.

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