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Wie Julius-Bär-CEO Collardi seinen Chefanleger vergraulte

Wie Julius-Bär-CEO Collardi seinen Chefanleger vergraulte
Orakel abgesägt: Chefanleger Burkhard Varnholt (l.) und CEO Boris Collardi. Keystone/ Philippe Rossier

Die Prognosen von Burkhard Varnholt zeichnen sich nicht gerade durch Treff­sicherheit aus. Dies erkannte auch Julius-Bär-CEO Collardi - und drängte ihn durch eine gezielte Personalie aus der Bank.

Von Erich Gerbl und Erik Nolmans
2016-05-17

Die Börsenprognosen von Burkhard Varnholt zeichnen sich nicht gerade durch Treff­sicherheit aus. Die Dotcom-Blase beunruhigte ihn nicht gross. Dem ab 2003 folgenden Aufschwung an den Börsen sagte er eine kurze Lebensdauer voraus. Als die Finanzkrise anrollte, riet er Anlegern, Kurseinbrüche für Zukäufe zu nützen.

Dennoch konnte er sich 2014 den gut ­bezahlten Job des Chefanlegers bei Julius Bär sichern, wo er vor einem Jahr mit einer spektakulären SMI-Prognose für Aufsehen sorgte: Dem Schweizer Leitindex sagte er bis 2020 einen Anstieg auf 20'000 Punkte voraus. Wegen des kata­strophalen Starts ins Jahr hat sich die ­Distanz zu dieser Marke auf 12 000 Punkte vergrössert.

Collardi reagierte

Offenbar wurde sich auch Julius-Bär-Chef Boris Collardi der Schwächen seines Chief Investment Officers bewusst. Anfang 2016 setzte er Yves Henri Bonzon von Pictet als Co-CIO an Varnholts Seite. Für Bonzon schuf Collardi ein neues Zentrum für Anlagekompetenz, die offenbar bei Bonzon und nicht bei Varnholt zu Hause war. Durch die Einstellung Bonzons wurde Varnholt nicht nur vom CIO zum Co-CIO degradiert, sondern auch in seinen Kompetenzen beschnitten.

«Nach der Einstellung von Bonzon gab es ein Gerangel um Kompetenzen. Bonzon gilt als sehr dominante Persönlichkeit», sagt ein Vertrauter von Collardi. Varnholt sei verunsichert gewesen, auch weil Bär-CEO Collardi seine Mitarbeiter laut Insidern über die langfristigen Perspektiven im Haus meist im Unklaren lässt.

Flucht nach vorne

Varnholt trat die Flucht nach vorne an und streckte die Fühler in Richtung seines alten Arbeitgebers aus. Zehn Jahre war er für die Credit Suisse unter anderem als Leiter Investment-Analyse im Private-Banking-Geschäft tätig gewesen. Nach einer fünf­monatigen Auszeit wird er ab 1. November bei der CS im Bereich Investment Solutions & Products (IS&P) aktiv. Er kommt zu Iqbal Khan, dem Leiter des Bereichs Interna­tional Wealth Management. Rapportiert wird an Michael Strobaek. Ein Insider kommentiert: «Beides Theoretiker, zu denen Varnholt gut passt.»

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