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Wie Discounter mit dem Kartoffel-Engpass umgehen

Bratkartoffeln: Die Ernten der letzten Jahre waren mies, die Preise steigen. Keystone

Die Kartoffelernten der letzten Jahre waren schlecht. Die Konsequenz: Viele Firmen kaufen aus dem Ausland zu. Doch vor höheren Preisen scheuen sich die grossen Discounter.

Von Christian Bütikofer
09.09.2016

Bis Mitte August wurden schon doppelt so viele ausländische Kartoffeln in die Schweiz importiert, wie zuletzt im ganzen Jahr: Über 67'000 Tonnen. Schuld war das miese Erntewetter 2015, berichtete SRF. Auch das Jahr 2016 dürfte für die Kartoffelbauern schlecht ausfallen.

Wie sieht das für die Konsumenten aus? Wie entwickelt sich der Kartoffelpreis für die Produzenten und Detailhändler? Eine Umfrage bei den wichtigsten Playern der Schweiz zeigt, dass vor allem Discounter einen Preiserhöhung bei der Frischware scheuen. Coop geht mit dem Label Ünique einen besonderen Weg. Auch sagen einige Firmen, dass ausländische Ware nicht unbedingt eine preislich attraktive Alternative ist.

Discounter scheuen höhere Preise

Aldi bezieht sämtliche Kartoffeln bei Schweizer Produzenten. «Ein Bezug von ausländischen Kartoffeln steht zur Zeit nicht zur Diskussion», teilte ein Mediensprecher mit.

Die Preise hätten sich dieses Jahr im Vergleich zu 2015 leicht erhöht, sagt Aldi. Deshalb habe man auch die Verkaufspreise für Kartoffeln korrigiert. Bei Kartoffelprodukten wie Chips konnte Aldi die Preise aber bisher stabil halten.

Für Lidl sind die Einkaufspreise bei Schweizer Kartoffeln dieses Jahr deutlich höher als im Vergleich zum Vorjahr. Man sei jedoch bemüht «steigende Einkaufspreise nur dann an den Konsumenten weiterzugeben, wenn es unvermeidbar ist».

Auch bei Denner sind frische Kartoffeln momentan leicht teurer als letztes Jahr. Sollte zu wenige Schweizer Kartoffeln zur Verfügung stehen, müsste auch Denner auf den Import zurückgreifen. Mögliche Länder wären Deutschland, die Niederlande oder Frankreich. Falls es zu Importen kommt, geht Denner davon aus, dass die Kartoffelpreise höher werden. Als Discounter versuche man aber immer, die Preise so lange wie möglich tief zu halten.

Discounter Otto's aus Luzern stellt bisher weder Mengenschwierigkeiten noch Preisveränderungen fest. Auch glaubt Otto's nicht, dass ausländische Kartoffeln tatsächlich teurer sind, denn es bestehe für die Einfuhr von Chips nach wie vor ein hoher Zollansatz zum Schutze der Inlandproduktion. Dieser müsste erst aufgehoben werden, damit Auslandware wirklich attraktiv würde.

Die grossen zwei kaufen im Ausland zu

Bei Coop heisst es, dass die Kunden von der Knappheit an Schweizer Kartoffeln momentan noch nichts bemerkten. Man werde versuchen, so lange wie möglich Schweizer Produkte anzubieten - danach werde man sich auf Importe stützen müssen. «Wir gehen davon aus, dass es deutlich mehr Importe bauchen wird, als in anderen Jahren», sagte Sprecherin Andrea Bergmann. Eine genaue Schätzung sei aber erst ab Oktober möglich. Bermgann sagte, dass der Einfluss des Kartoffelpreises auf den Produktpreis wie etwa Chips eher gering sei.

Coop wird im Ausland vor allem in Spanien, Italien, Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden nach Angeboten suchen. Im Frühlung würden Frühkartoffeln aus Israel, Ägypten, Zypern oder Spanien eingeführt.

Mehr Kartoffeln im Ünique-Sortiment

Weil wegen der schlechten Ernte viele Kartoffeln nicht den optischen Ansprüchen genügen werden, wird Coop sicher eine grosse Zahl in ihr Ünique-Sortiment aufnehmen. Das heisst, völlig einwandfreie Kartoffeln, die etwa Flecken enthalten, werden von Coop unter diesem Label verbilligt angeboten.

Die Nummer eins der Schweizer Detailhändler, die Migros, bemerkt auch eine Verteuerung, es spiele «Angebot und Nachfrage». In einem Fünf-Jahres-Vergleich seien die Kartoffeln tendenziell teurer geworden. Sollten die Kartoffelmengen in der Ernte 2017 wieder höher sein und dementsprechend der Preis tiefer, gebe man den Preis den Konsumenten auch weiter.

Bei den Chips findet eine längere Abdeckung der Kartoffeln statt. Migros profitiert da noch von der Ernte 2015. Im Frühjahr 2017 werde man die Fehlmengen mit Importkartoffeln kompensieren müssen. Dabei greife man in Länder Europas zurück, wie etwa Zypern oder Spanien - das habe man bereits in der Saison 2016 so gemacht. Für die Konsumenten soll sich im Angebot nichts ändern.

Durchschnittlich kleinere Ware

Die Genossenschaft der Schweizer Bauern Fenaco informiert, dass ausländische Kartoffeln nicht generell günstiger seien, auch wegen den hohen Frachtkosten: «Aktuell sind daher die Preise bei Importware und Inlandware bei gleicher Qualität sehr ähnlich», sagte eine Mediensprecherin. Auch sieht Fenaco keine grossen Preisanstiege für die Konsumenten am Horizont. Denn: «Die infolge der schlechten Ernteaussichten höheren Preise für die Kartoffelproduzenten dürften keinen Einfluss auf den Endverkaufspreis im Detailhandel haben, da bereits vor Jahresfrist in Folge Trockenheit eine sehr tiefe Gesamternte zu verzeichnen war. Wie Coop geht auch Fenaco davon aus, dass der Konsument sich auf durchschnittlich kleinere Kartoffeln einstellen muss.

Der Schweizer Chipshersteller Zweifel bestätigt, dass die Rohstoffkosten teurer ausgefallen sind. Das habe man bisher aber nicht auf die Verkaufspreise abgewälzt. Ob dies in der Zukunft auch noch so sein wird, kann Zweifel aber nicht sagen, bevor die finalen Ernteergebisse 2016 bekannt sind.

Zweifel bewirbt seine Chips regelmässig mit einheimischen Kartoffeln. Damit man für eine Knappheit inländischer Ware gewappnet ist, lässt Zweifel jeweils eine Mehrmenge in der Schweiz anbauen. Doch: «In Extremfällen wie 2015 und jetzt auch prognostiziert 2016, reichte die Mehrmenge jedoch nicht, um die Ertragsausfälle zu decken. Aktuell geht Zweifel davon aus, dass etwa 15 Prozent des Bedarfs importiert werden muss. Im langjährigen Schnitt stammen die Kartoffeln bei Zweifel-Produkten zu 95 Prozent von rund 400 Schweizer Bauern.

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