Brasilien war eine Zukunftshoffnung des hiesigen Tourismus: Das südamerikanische Land gehörte zu jenen Märkten, mit denen die Schweizer Touristiker den Effekt der Frankenstärke abfedern wollten. Weil die Schweiz immer mehr Europäern zu teuer wurde, sollten Südamerikaner, Asiaten und Russen die leeren Gästebetten füllen.

Schweiz-Tourismus-Chef Jürg Schmid erkannte 2012 «gewaltige Wachstumschancen» in dem Markt – bis 2017 sollten die Übernachtungszahlen der Brasilianer von knapp 200'000 auf 320'000 wachsen. Tatsächlich sind in den letzten Jahren immer mehr Brasilianer in die Schweiz gekommen – seit der Jahrtausendwende ist die Zahl der Touristen um rund ein Drittel gestiegen. Die Schweiz wurde für die Südamerikaner auch attraktiv, weil der Wert ihrer Währung Real zusammen mit dem ökonomischen Aufschwung bis vor wenigen Jahren gestiegen war.

Schweiz Tourismus: «Seit November geht es bachab»

Doch nun hat Brasilien grosse Probleme. Die Wirtschaft steckt in einer Rezession, und in der Politik herrscht wegen eines riesigen Korruptionsskandals Chaos. Die heutige Amtsenthebung von Präsidentin Dilma Rousseff ist nur die Spitze des Eisberges. Auch wegen der Krise hat sich der Wert der Landeswährung zum Franken in der Spitze halbiert: Zahlten die Brasilianer vor gut drei Jahren noch etwa 2 Real für 1 Franken, waren es in diesem Frühjahr bereits 4 Real. Zuletzt entspannte sich die Lage leicht. Doch: Die Schweiz ist für Brasilianer wieder ein Hochpreisland.

In den Schweizer Tourismuszahlen lässt sich diese Krise ablesen: «Seit November geht es bachab», sagte der Schweiz Tourismus-Vizedirektor Urs Eberhard handelszeitung.ch. Eberhard rechnet mit sinkenden Besucherzahlen aus Brasilien während mehreren Jahre, die Durstrecke werde das Wachstum der letzten Jahre zunichte machen. «Wir werden gleich viel verlieren, wie wir seit 2010 gewonnen haben.»

Doppelschlag mit Russland

Wegen der trüben Aussichten kürzt Schweiz Tourismus nun auch sein Werbebudget für Brasilien um ein Fünftel. Und die Organisation verzichtet auf ein Zukunftsprojekt: Die Touristiker wollten die Südamerikaner fürs Skifahren in die Schweiz locken – 1 Million Franken waren für die Werbemassnahmen vorgesehen.

Brasiliens Krise ist für den Schweizer Tourismus noch viel enttäuschender, weil eine andere Zukunftshoffnung geplatzt ist: Auch Russen kommen weniger in die Schweiz – letztes Jahr buchten sie fast ein Drittel weniger Übernachtungen. Wie Brasilien war auch der russische Markt in den Jahren zuvor kräftig gewachsen. Wie Brasiliens Real wertete auch der russische Rubel deutlich ab.

Spendable Gästegruppe

Brasilianer und Russen gehören zwar nicht zu den grössten Gästegruppen, aber sie sind aus einem anderen Grund wichtig für die Branche: Sie geben deutlich mehr Geld aus als etwa Deutsche oder Amerikaner: «Es ist eine sehr luxuriöse Kundschaft», sagt Tourismusexperte Eberhard.

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