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Wie bitte?: «Börse ist der Tod für kreative Firmen»

Für 1,5 Milliarden Franken verkauft die Body-Shop-Gründerin ihre Firma an den Kosmetik-Giganten L’Oréal. Die Unternehmensphilosophie werde sich dadurch nicht ändern, sagt der Besitzer der Schweizer Body Shops, Ivan C. Levy.

Von Barbara Köhler
28.03.2006

BILANZ: Herr Levy, der Name Body Shop steht für Naturkosmetik, den Kampf gegen Tierversuche und umweltfreundliche Verpackungen. Wie passt diese Philosophie zu einem Konzern wie L’Oréal?

Ivan C. Levy: Diese Frage wird uns immer wieder gestellt. Doch es ist gar nicht entscheidend, wie die beiden Firmen zusammenpassen, denn Body Shop wird weiterhin völlig eigenständig geführt.

Und das soll funktionieren?

Wie gut das funktioniert, sieht man an der Eisfirma Ben & Jerry’s. Diese wurde von zwei Hippies gegründet, die gutes Eis verkauften und zugleich hohen sozialen und ökologischen Ansprüchen gerecht werden wollten. Im Jahr 2000 wurde Ben & Jerry’s vom Lebensmittelriesen Unilever gekauft. Das passt bis heute immer noch gut zusammen. Eben weil die Firma separat geführt wird. Ben & Jerry’s ist ihrer Philosophie stets treu geblieben.

Zumindest das Eis schmeckt unverändert gut.

Ja, sehr gut sogar. Die Eisfirma macht nämlich immer noch das Gleiche wie vor dem Kauf durch Unilever, wenn nicht noch besser. Denn durch die Übernahme sind sie auch noch sehr kapitalstark geworden.

Wo sollen die Synergien mit L’Oréal liegen?

Die Idee, dass man innerhalb solcher Firmen Synergien findet, ist eine falsche Vorstellung. Beide Unternehmen müssen weiterhin unabhängig und eigenständig in ihren eigenen Organisationen arbeiten. Bei der Produktentwicklung kann man das Know-how nutzen, aber es wird am besten laufen, wenn man Body Shop unabhängig lässt.

Das heisst, Sie werden nun nicht enger mit L’Oréal zusammenarbeiten?

So wie ich diese Firmen kenne, werde ich überhaupt keinen Kontakt zu L’Oréal haben. Body Shop wird weiterhin als eine Einheit geführt werden. Der Einzige, der mit L’Oréal zu tun haben wird, ist Peter Saunders, der CEO von Body Shop in England.

Sortiment und Philosophie der Body Shops werden sich nicht ändern?

Nein, absolut nicht. Das ist uns bereits so aus der Zentrale in England kommuniziert worden. Es bleibt wirklich alles so, wie es immer war.

Ist der Kapitalzufluss der einzige Pluspunkt des Verkaufs?

Der Kapitalzufluss ist auch ein Vorzug. Vor allem profitieren wir aber nun davon, langfristiger denken zu können. Das Unternehmen muss nicht mehr quartalsweise planen und nicht bangen, was an der Börse passiert. Die Börse ist der Tod für ein Unternehmen, das kreativ und auch ein wenig risikoreich sein muss. Jetzt haben wir die Chance, ohne den Druck der Aktionäre konstant zu arbeiten. Es kann eigentlich nur noch besser werden, da wir jetzt nicht mehr als börsenkotierte Firma im Rampenlicht stehen.

Body Shop ist seit 1984 an der Börse. Wieso hat man nicht schon viel eher versucht, eine bessere Lösung zu finden?

Herr und Frau Roddick wollten schon vor rund 15 Jahren die Firma zurückkaufen. Sie haben sich schon lange darüber Gedanken gemacht und sehr viel Geld investiert, um herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt. Aber schon damals war ein Rückkauf viel zu teuer.

Also gab es keinen Gesinnungswandel bei Anita Roddick, wie viele vermuten?

Nein, auf keinen Fall. Wenn Anita Roddick ihre Firmenphilosophie hätte ändern müssen, hätte sie den Deal sofort gestoppt.

Wie reagieren die Kunden auf die neue Situation?

Man hört schon einige negative Stimmen. Wenn man sich aber die Umsätze anschaut, können wir uns nicht beklagen. Die ersten Tage nach dem Verkauf sind umsatzmässig sehr positiv.

Wie läuft das Geschäft denn grundsätzlich in der Schweiz?

Super. Wir haben sehr gute Zuwachsraten von jährlich rund sechs Prozent mit insgesamt 39 Filialen. Wenn sich ein attraktives Angebot ergibt, werden wir noch ein weiteres Geschäft eröffnen. Aber bei 40 Shops ist dann die Grenze für uns erreicht.

Wird sich für Sie persönlich etwas durch den Verkauf ändern?

Überhaupt nicht. Ich bin drei Tage die Woche in der Schweiz und vier Tage in London. Das soll auch so bleiben. Meine Frau und ich mögen London sehr gut und wohnen dort auch nett. Ausserdem habe ich ein so gutes Team in der Schweiz, dass es völlig reicht, wenn ich nur drei Tage in der Woche vor Ort bin. Auch für meine Zukunftspläne ändert sich nichts.

Was ändert sich für die Schweizer Body Shops?

Gar nichts.

Ivan C. Levy (49) erwarb 1983 die Lizenzrechte an den Schweizer Body Shops. Erfolgreich trieb er die Expansion der Naturkosmetik-Kette hierzulande voran. Für einige Jahre war Levy in der Geschäftsleitung und dem Vorstand von Body Shop International verantwortlich für Retail- und Franchise-Partner.

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