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Wie Banken mit Apps neue Geldquellen erschliessen

Technologiedienstleister: Bei Goldman arbeitet fast ein Drittel der Angestellten in der IT. Keystone

Banken als Technologiedienstleister: US-Banken bieten ihren Kunden Lösungen an, die auf in Eigenregie entwickelten Technologien beruhen. Beobachter sehen die Initiativen der Banken skeptisch.

Veröffentlicht 25.08.2015

Als die LeBron James Family Foundation eine Lösung suchte, den Studienerfolg ihrer Schützlinge zu verfolgen, wurde die Stiftung bei einer dafür kaum bekannten Adresse fündig: JPMorgan Chase & Co.

Lösungen, die auf in Eigenregie entwickelten Technologien beruhen

Die vom US-Basketballstar James «King» LeBron gegründete gemeinnützige Stiftung, die sich um die Bildung von Jugendlichen aus benachteiligten gesellschaftlichen Schichten kümmert, arbeitet mit der Bank aus New York zusammen. Aus Sicht der Bank geht es darum, die Kundenbindung zu verbessern und das Image zu pflegen.

Auch andere US-Banken bieten ihren Kunden Lösungen, die auf in Eigenregie entwickelten Technologien beruhen. So hat etwa Wells Fargo & Co. einem Betreiber von Einkaufszentren eine App optimiert, die Termine mit dem Weihnachtsmann anbietet. Bei Goldman Sachs Group Inc. gibt es gleich einen eigenen App Store.

Sekpsis gegenüber Initiativen der Banken

«Finanzprodukte sind digital», sagt Steve Ellis, der bei Wells Fargo die Abteilung für Innovation leitet. «Dort sind unsere Kunden. Wir wollen da sein, wo unsere Kunden sind.»

Während sich das Machtzentrum der US-Wirtschaft von der Wall Street ins Silicon Valley verlagert, sehen einige Beobachter die Initiativen der Banken skeptisch. Schliesslich seien sie von einer Reihe von Start-ups umgeben, die ihnen Kunden abspenstig machen wollten. «Leute, die auf diesen Zug springen und es Technologiefirmen gleich tun wollen, vollziehen einen riesigen, riskanten Sprung”, sagt etwa Kelly King, CEO bei der US-Bank BB&T Corp.

Goldman Sachs als Technologiedienstleister

Wie sehr Banken Technologiedienstleister sind, wird am Beispiel von Goldman Sachs deutlich. Bei Goldman arbeitet fast ein Drittel der Angestellten in der IT. Die Bank hat die eigene, interne Handelsplattform mit dem Namen Marquee für ihre Kunden zugänglich gemacht. Auf dieser Plattform werden zehn Anwendungen bereitgestellt, darunter Werkzeuge für die Portfoliokonstruktion, die Entwicklung und den Kauf von strukturierten Papieren. Das webbasierte System lässt Kunden dabei auf die Daten der Bank beim Erstellen ihrer eigenen Anwendungen zugreifen.

«Marquee gibt ihnen Zugang zu denselben Risikomanangement- und Analysewerkzeugen, die wir intern einsetzen», sagte Gary Cohn, bei Goldman für das Tagesgeschäft verantwortlicher Vorstand, bei einer Investorenkonferenz im Juni.

Zusätzlicher Vorteil

Die Initiativen der Banken bringen den zusätzlichen Vorteil mit sich, bei Stellenbewerbern ähnlicher zu werden im Vergleich mit Firmen aus dem Silicon Valley. Wells Fargo etwa beabsichtigt, Schulabgänger ohne Erfahrung im Bankgewerbe einzustellen. Mit diesem Schritt solle die Innovationskraft beschleunigt werden, sagte Ellis. «Wir haben wirklich clevere Leute in der Bank, mit einigen Ideen, dazu kann man ein paar Leute von ausserhalb hinzubringen», ergänzte Ellis.

Aber auch Ellis schränkt seinen Enthusiasmus im nächsten Satz etwas ein. Die Expertise der Bank bestehe nicht darin, Anwendungen für die Kundschaft zu entwickeln. In den meisten Fällen sei es sinnvoller, die Rolle eines Beraters einzunehmen und die Entwicklung an Dritte auszulagern. «Banken stellen sich nicht auf den Kopf, aber sie arbeiten mit Partnern in einer Weise, wie es zuvor nicht der Fall gewesen ist», beschreibt Andre Veissid, Partner bei der Beratungsfirma BCG die Entwicklung. Veissid geht davon aus, dass die meisten Banken sowohl ihre eigene Expertise aufbauen als auch den einen oder anderen Zukauf tätigten werden.

(bloomberg/ccr)

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