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Überwachung 
Wie Banken das Risiko «Mitarbeiter» minimieren

Bankangestellte müssen sich mit strengeren Kontrollen abfinden.  Keystone

Fehlverhalten von Angestellten kamen Banken häufig teuer zu stehen. Um das künftig zu verhindern, holen sich Wall-Street-Banken nun Hilfe von High-Tech-Firmen. Das Resultat ist eine Totalüberwachung.

Von Julia Fritsche
02.10.2015

Banken stehen unter Druck: Zunehmende Regulierung sorgt für viel Aufwand, der Steuerstreit kostet sie Millionen und bei Bevölkerung und Politik schwindet das Verständnis für die Branche. Zusätzlich schadeten Mitarbeiter mit so manchem Fehlverhalten Banken massiv. So kostete etwa der Liborskandal die UBS 1,7 Milliarden Dollar. Im Zentrum dieses Skandals steht Tom Hayes, der frühere Angestellte der UBS und Citibank wurde inzwischen zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt.

Die Banken wollen das Risiko «Mitarbeiter» nicht länger einfach hinnehmen. Um sich vor Fehlern ihrer Angestellen und anschliessenden Bussen zu schützen, setzen US-Banken deswegen neuerdings auf professionelle Hilfe von High-Tech-Überwachungsfirmen, wie die New York Post berichtet. Es scheint, dass Wall-Street-Banken ihren eigenen Mitarbeitern immer weniger trauen.

Kontrolle selbst am Bankomat

Die engagierten High-Tech-Firmen wie Palantir, Paxata oder Red Owl sind darauf spezialisiert, riesige Mengen Daten auszuwerten und so Menschen und ihr Verhalten zu überprüfen. Bankmitarbeiter werden auf Social Media, im Dark Web und sogar beim Abheben von Bargeld an Automaten überwacht. Bei Abweichungen von der Norm können die zuständigen Abteilungen der Bank laut Medienbericht eingreifen.

Bereits letztes Jahr hat die Aufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) in den USA die Überwacher von Palantir angeheuert. Gut möglich, dass die Banken dadurch noch zusätzlich unter Druck gekommen sind und deshalb nun nachziehen.

Compliance wird immer teurer

Die neuste Massnahme der Banken deckt sich mit den Erkenntnissen eines US-Marktforschungsinstituts. Laut der Studie steigen Ausgaben von Unternehmen für Compliance-Tätigkeiten sehr stark. Für 2015 rechnen sie mit einem Anstieg um 5 bis 8 Prozent. 2016 sollen die Ausgaben nochmals im ähnlichen Ausmass wachsen. Grund für die steigenden Kosten ist die zunehmende Regulierung, besonders der Finanzbranche.

Auch Schweizer Banken haben auf die Millionenbussen wegen der Libor- und Devisenhandelsskandale reagiert. So baut beispielsweise die UBS ihre Compliance-Abteilung aus. Über 300 neue Angestellte in den USA und Polen sollen vor allem eigene Mitarbeiter überwachen. Die Bank erhofft sich, in Zukunft Unregelmässigkeiten oder gar Betrugsversuche frühzeitig erkennen und verhindern zu können. Insgesamt betrugen Kosten für Compliance bei der UBS im letzten Jahr rund 900 Millionen Franken.

Mehr Überwachung auch in der Schweiz

Weitere Massnahmen von Schweizer Banken dienen demselben Zweck: Devisenhändlern wurde verboten, ihre Handys während der Arbeit zu benutzen und eigene Devisengeschäfte zu tätigen. Die berühmt-berüchtigten Chats dürfen Händler nicht mehr nutzen und die Aufzeichnung von Telefongesprächen scheint bereits die Norm zu sein. So weit wie die Wall-Street-Banken gehen ihre Schweizer Pendants aber noch nicht.

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