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Wer Fogal den Geldhahn wirklich zugedreht hat

Wer Fogal den Geldhahn wirklich zugedreht hat
Fogal: Die Shops sind inzwischen leergeräumt. Keystone

Der plötzliche Tod von Eigentümer Eberhard von Koerber besiegelte das vorläufige Ende der Kultmarken Lahco und Fogal. Doch nun zeigt sich: Das Geld kam gar nicht von ihm.

Von Dirk Ruschmann
2017-10-24

Das Ende kam sehr überraschend: Der frühere deutsche Topmanager Eberhard von Koerber (BMW, ABB), bei den in einer Firma ver­einten Schweizer Traditionsmarken Lahco (Bademoden) und Fogal (exklusive Strümpfe) Ende 2015 zum Haupteigner und Verwaltungsratspräsidenten avanciert, war im August unerwartet gestorben. Da weiter Finanzhilfe nötig war, Koerbers Erben aber angeblich kein Interesse am Engagement in den beiden Firmen haben, meldeten diese Anfang Oktober Konkurs an.

Doch wie mehrere unabhängige Quellen bestätigen, kam der Löwenanteil des Geldes gar nicht von dem 
Deutschen, sondern von Dirigentenwitwe Eliette von Karajan. Von Koerber hatte sich nicht nur um 
den Nachlass des Stardirigenten Herbert von Karajan gekümmert, er war auch viele Jahre Vorstandschef der Nachwuchsförderschule Karajan-Akademie und kannte so die Witwe bestens; womöglich habe er als ihr Finanzverwalter agiert, sagt eine bei Fogal involvierte Person; das Geld, um die Finanzlöcher bei den Firmen zu stopfen, sei von Witwe Karajan gekommen.

Fogal-Shops sind inzwischen leergeräumt

Offenbar sind derzeit weder Karajan noch Koerbers Erben willig, noch zu investieren – das müsse der Grund sein, vermuten Insider, dass der Konkursverwalter unvermittelt den Stecker gezogen hat. Verkaufsstellen wurden ausgeräumt, sogar der Webshop geschlossen.

Beim Warenhaus Globus, wo Fogal einen eigenen Shop betrieb, soll man über die entstandene Leerstelle nicht erfreut sein. Obwohl das vierte Quartal bei Fogal regelmässig das profitabelste gewesen sein soll, kann die bereits von der Firma eingekaufte Herbst-Winter-Ware nun nicht mehr im regulären Retail an Konsumenten verkauft werden – offenbar sollen alle Warenbestände kiloweise veräus­sert werden, was deutlich niedrigere Erträge erwarten lässt.

Die frühere Firmenchefin Renate Millauer, die Lahco seit 2003 flottgemacht und Ende 2015 Fogal dazugekauft hatte, wurde Anfang 2017 von Präsident Koerber abgesetzt. Sie soll nun ihre Chance gewittert und Investoren gesucht haben, um das operative Geschäft und die Brands noch zu retten, aber offensichtlich gelang es ihr nicht oder zumindest nicht schnell genug. Lahco und/oder Fogal wiederzu­beleben, dürfte umso teurer werden, je länger das Koma nun dauert; ein Insider rechnet schon jetzt mit einem hohen einstelligen Mil­lionenbetrag.

Weltweites Ansehen

Dabei haben beide Brands ein gutes Image, Branchenleute zweifeln nicht, dass sie überlebensfähig wären: Lahco ist eine Schweizer Kultmarke, Fogal geniesst weltweites Ansehen, die Strümpfe werden in Kinofilmen und bei Haute-Couture-Modeschauen verwendet.

Das Interesse von Hollywood­­­grössen ist dabei durchaus auch geschäftlich: Ein Ex-Manager berichtet, Fogal habe in den Jahren 2013/14 mit Schauspielerin Nicole Kidman über einen Einstieg verhandelt, man habe sich allerdings nicht einigen können. Auch mit dem austra­lischen Model Elle Macpherson seien Sondierungsgespräche gelaufen.

 

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