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Welle 7: Die Migros hofft auf das Wunder von Bern

Welle 7: Die Migros hofft auf das Wunder von Bern
Welle 7: Das neue Experiment der Migros Aare.  zvg

So nah wie im neuen Pendlerzentrum Welle 7 beim Hauptstadtbahnhof sind sich Offline- und Online-Welt im Detailhandel noch nie gekommen. Mit dabei sind neben der Migros zwei bislang reine Onliner.

Von Philipp Albrecht
2016-08-04

Es ist ein radikales Experiment und die Quintessenz des Migros-Universums: Shoppingcenter, Klubschule, Fitnessstudio und Food-Court. An einer Traumlage direkt am Hinterausgang des Berner Bahnhofs ist ein unscheinbares Geschäftshaus mit raffiniertem Innenleben entstanden. Die Vermieterin Post hat der Migros Aare bei der Welle 7 auf 14'000 Quadratmetern und zehn Stockwerken freie Hand gelassen.

Die Verantwortlichen der grössten Migros-Genossenschaft wagen daraus ein Experiment, das den Internethandel mit der greifbaren Welt verbindet. «Unser Ziel ist es, dass man nicht mehr von online und offline spricht, sondern alles als Einheit wahrnimmt», beschreibt es Anton Gäumann, Leiter Einkaufscenter und Immobilien der Migros Aare. Der Grossverteiler hat dafür 55 Millionen Franken investiert.

Onliner starten stationären Handel

Im Erdgeschoss wurde ein Service-Bereich eingerichtet, der zeigt, wie eigentlich eine moderne Poststelle aussehen müsste. Die «Collect Lounge» nimmt bestellte Online-Ware entgegen, die zwischen 8 und 20 Uhr abgeholt werden kann. Kleider kann man in Kabinen vor Ort anprobieren. Falls die Hose oder die Bluse nicht passt, kann man das Päckli gleich wieder aufgeben. Online bei Melectronics bestellte Ware kann in Schliessfächern ausserhalb der Öffnungszeiten abgeholt werden.

Zwei Händler, die bislang nur online aktiv waren, haben in der Welle 7 ihre ersten stationären Filialen eröffnet: die Apotheke Zur Rose und der Berliner Smartfood-Vertreiber nu3. «Wir starten hier eine Art Offline-Botschaft für unsere Online-Apotheke», sagt Zur-Rose-CEO Walter Oberhänsli zur «Bilanz». In der Welle 7 beschäftigt er nun sieben Angestellte. Geplant sind weitere Flagship-Stores an zentralen Lagen, daraus soll aber keine stationäre Kette werden: «Unser Hauptgeschäft bleibt online.»

Schlaraffenland für gestresste Pendler

In den oberen Stockwerken betritt die Migros mit Coworking-Plätzen und Mietbüros Neuland. Die hellen Räume sind mit stilvollen Vitra-Möbeln ausgestattet, die modern aber nicht zu edel wirken. Klubschul-Angebote, Fitnessräume und ein Kinderhort schliessen den Kreis.

Die Welle 7 ist ein Schlaraffenland für gestresste Pendler. Die Migros scheint alles richtig gemacht zu haben. Noch vor der Eröffnung am 8. August wagt der Grossverteiler gar die Expansion des Konzepts. In Aarau wird bereits gebaut. Ob auch das Gebiet ausserhalb der Migros-Aare erschlossen werden soll, entscheidet sich frühestens Ende August. Dann nehmen Vertreter der restlichen neun Migros-Genossenschaften das Wunder von Bern unter die Lupe.

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