1. Home
  2. Unternehmen
  3. Welche Chancen Schweizer Firmen im Iran erwarten

Vielversprechend 
Welche Chancen Schweizer Firmen im Iran erwarten

Bundesrat Schneider-Ammann: Iran bietet Schweizer Firmen viel Potenzial.  Keystone

Bundesrat Johann Schneider-Ammann zieht ein positives Zwischenfazit zu seinem Besuch im Iran. Ein riesiger Markt und grosser Bedarf bei der Infrastruktur locken. Doch guten Worten müssen Taten folgen.

Veröffentlicht 29.02.2016

Der erste Tag des Staatsbesuchs von Bundespräsident Johann Schneider-Ammann in der Islamischen Republik Iran ist mit einem Besuch im Krebsspital für Kinder, Mahak, zu Ende gegangen. Der Abstecher in die renommierte Klinik symbolisiert neben dem menschlichen Aspekt die Chancen für die Schweizer Wirtschaft in Iran.

Diese bestehen nämlich beispielsweise in der Medizinaltechnik sowie im Pharmasektor, wo Schweizer Unternehmen weltweit führend sind und an deren Produkten die Iraner starkes Interesse zeigen.

80 Millionen Einwohner als enormes Marktpotenzial

Doch die Geschäftschancen im Iran für Schweizer Firmen sind noch vielfältiger. Vor der Visite des Spitals war Schneider-Ammann nämlich in der iranischen Handelskammer empfangen worden und dort zeigten sich der mitgereisten Wirtschaftsdelegation weitere Möglichkeiten.

So hob der Präsident der Handelskammer, Mohsen Jalalpour, in seiner Ansprache hervor, dass der Iran grossen Bedarf an Technologie in der Trink- und Abwasseraufbereitung habe. Zudem stellten die 80 Millionen Einwohner des Irans, die in der Mehrheit sehr jung und konsumfreudig sind, ein enormes Marktpotenzial dar.

Verkehrsinfrastruktur im Vergleich riesig

Um sich die Dimensionen des Landes und die Wirtschaftschancen bei der Infrastruktur zu verdeutlichen, wurden an der Veranstaltung in der Handelskammer Zahlen präsentiert. Der Iran hat zum Beispiel rund 200'000 Kilometer an Autotrassen, die teilweise geduldig der Renovierung harren. Zudem gibt es rund 10'000 Kilometer an Eisenbahnstrecken.

Zum Vergleich: Die Schweiz kann auf ein Autobahnnetz von rund 1400 Kilometer und ein Eisenbahnnetz mit einer Länge von rund 5000 Kilometer verweisen. Die Islamische Republik verfügt ausserdem über 99 zum Teil veraltete Flughäfen.

Investitionen im Energiebereich nötig

Der Telekommunikationssektor kann rund 40 Millionen Nutzer von Mobiltelefonen vorweisen und rund 47 Millionen Personen haben laut den Angaben Zugang zum Internet, das allerdings stark zensiert wird.

Geschäftliche Möglichkeiten böten sich für Schweizer Unternehmer auch im Bereich der Energieeffizienz. Energie in den Produktionsprozessen sowie im Vertrieb zu sparen, sei eine grosse Notwendigkeit des Irans, sagte ein Redner.

Banken scheuen direkte Geldtransfers

Natürlich sähen die Iraner es am liebsten, wenn ausländische Firmen in der Islamischen Republik gleich eine Produktion aufbauen würden. Statt Rohrleitungen im Ausland zu kaufen, wäre eine lokale Produktion besser, betonte in diesem Zusammenhang ein Teilnehmer.

Während aller Gespräche unter den Geschäftsleuten und Funktionären wurde deutlich, dass die Wirtschaft händeringend Lösungen für direkte Geldtransfers zwischen den Ländern braucht. Viele Banken scheuen aber eine Zusammenarbeit bei Geschäften mit Iran-Bezug, weil die strikten Sanktionen der USA noch in Kraft sind.

Schneider-Ammann hatte daher am Vormittag in einer Zusammenkunft mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani die Ausweitung der staatlichen Exportrisikoversicherungen vereinbart. Zudem prüft das Schweizer Pendant, die Serv, ob sie künftig iranische Banken versichern könnte.

Zwischenfazit fällt positiv aus

In der Wirtschaftsdelegation sind zudem drei Schweizer Bankenvertreter dabei, um die Möglichkeiten für Finanzdienstleistungen mit dem Iran auszuloten. Schneider-Ammann betonte mehrfach auf seiner Reise, dass die Realwirtschaft eine funktionierende Finanzbranche brauche.

Der Bundespräsident zog am Samstagabend an einer Medienkonferenz ein positives Zwischenfazit seines Besuches. Mit dem obersten Religionsführer Ali Khamenei habe er am Nachmittag ein gutes Gespräch geführt.

Das eigentliche Staatsoberhaupt des Irans hat während der Visite der Schweiz für die Ausübung des Schutzmachtmandats der USA und die Übernahme der guten Dienste im Fall von Saudi-Arabien gedankt. Mit der Schweiz wolle man zusammenarbeiten, habe der Religionsführer gegenüber Schneider-Ammann gesagt.

Guten Worten müssen Tagen folgen

Die gesamte Führung des Irans hat sich in den Augen des Schweizer Bundespräsidenten für den Staatsbesuch viel Zeit genommen. Nach solchen Treffen kommt es mit den Worten Schneider-Ammanns aber darauf an, dass den guten Worte auch Taten folgen.

Der Bundespräsident hat am Sonntag zum Abschluss seines Staatsbesuches im Iran die Universität Teheran besucht und einen Vortrag vor Wirtschaftsstudenten gehalten. Ausserdem wohnte Schneider-Ammann der Unterzeichnung zahlreicher Abkommen über die Zusammenarbeit von Hochschulen sowie Universitäten des Irans und der Schweiz bei.

(sda/jfr)

Schneider-Ammans Besuch im Iran:

Anzeige