Die Städte Europas bereiten sich auf die Adventszeit vor. Weihnachtsmärkte mit Glühweinständen und Geschenkbuden sollen Tausende Menschen anlocken. Auch Zürich startete gestern in die Saison. An der Bahnhofstrasse wurde die Weihnachtsbeleuchtung eingeschaltet, die Geschäfte luden zum Night-Shopping ein. Zudem hat im Zürcher Hauptbahnhof einer der grössten überdachen Weihnachtsmärkte Europas mit 150 Ständen eröffnet.

Der Markt im Hauptbahnhof startet wie geplant – obwohl die Terroranschläge in Paris ihre Schatten selbst bis in die Schweiz werfen. Die Angst vor weiteren Attentaten schwingt am Auftakt zur eigentlich besinnlichen Jahreszeit mit. Auch in Zürich macht man sich Gedanken über die Sicherheit. Der Weihnachtsmarkt im Hauptbahnhof soll aber wie geplant starten. «Im Moment ist es so, das er stattfindet», sagt SBB-Mediensprecher Stephan Wehrle. «Ausser es gibt eine neue Bedrohung.»

Verstärkte Polizeipräsenz

Die Sicherheit wird in diesem Jahr besonders gross geschrieben. «Wir haben die Massnahmen verstärkt», so Wehrle. Die Kantonspolizei etwa patroulliere vermehrt. Zudem stehe man im engen Kontakt mit der Bundesanwaltschaft, dem Nachrichtendienst und der Polizei.

In anderen Städten ist die Eröffnung der Weihnachtsmärkte sogar in Frage gestellt. Im elsässischen Strassburg etwa steht einer der berühmtesten Weihnachtsmärkte Europas auf der Kippe. Und auch in Colmar, Kaysersberg, Ribeauvillé oder Riquewihr steht ein Abblasen der Weihnachtsmärkte zur Debatte.

Verhindertes Attentat

Vor allem in Strassburg ruft das Massaker in Paris böse Erinnerungen wach. Im Jahr 2000 konnte ein Attentat auf den Weihnachtsmarkt vereitelt werden. Kein Wunder, dass Strassburgs Bürgermeister Roland Ries gerade jetzt laut über eine Annullierung nachdenkt. «Ich schliesse es nicht aus, auch wenn ich es mir nicht wünsche», sagte er gegenüber einem Radiosender.

Eine Durchführung sei nur mit verstärkten Sicherheitsmassnahmen möglich. «Entweder gibt es einen stark überwachten Weihnachtsmarkt oder es gibt ein Jahr ohne.» Daher fordert Ries Verstärkung von der Polizei und vom Militär. Nach einer Krisensitzung soll die Öffentlichkeit am Freitag informiert werden, ob der Markt am 27. November stattfinden wird oder nicht.

Gedränge nicht noch vergrössern

Seit Jahren ist der Strassburger Weihnachtmarkt ein Besuchermagnet. Auch die SBB bietet Spezialtickets an. Der Dezember ist mittlerweile für den Tourismus in der Elsässer-Hauptstadt der stärkste Monat im Jahr geworden. Letztes Jahr strömten in dieser Zeit über zwei Millionen Menschen nach Strassbourg.

Vor allem die Anordnung des Markts ist für Sicherheitsexperten eine Herausforderung. Er erstreckt sich über die ganze Innenstadt. Dass man überall Sicherheitsschleusen installiert, hält Bürgermeister Ries für unrealistisch. Auch vom Vorschlag, die Zahl der Weihnachtsmärkte zu reduzieren, hält er nicht viel. Dadurch würde das Gedränge auf den verbleibenden Plätzen nur noch grösser und unübersichtlicher werden.

Weihnachtsgeschäft unter schlechten Vorzeichen

Auch in Deutschland machen sich die Behörden Sorgen um die Weihnachtsmärkte. Die Sicherheitsvorkehrungen werden mit den Organisatoren besprochen und vestärkt. In Köln etwa wollen die Veranstalter private Sicherheitsleute über das Gelände schicken, schreibt die «Frankfurter Allgemeine». In Frankfurt installiere die Polizei und Stadt erstmals eine gemeinsame Lautsprecheranlage.

Die Angst vor Anschlägen dürfte letztlich das Weihnachtsgeschäft auf den Märkten und im Einzelhandel insgesamt belasten. Es sei vorstellbar, dass sich die Attentate in Paris auf die Konsumstimmung niederschlagen, sagte Rolf Bürkl von der deutschen Gesellschaft für Konsumforschung.

Zeichen gegen Angst

Im elsässischen Mulhouse will man sich derweil nicht vom Terror einschüchtern lassen. Der Weihnachtsmarkt soll heute Freitag wie geplant eröffnet werden. Bürgermeister Jean Rottner liess über Twitter verlauten: «Komme, was wolle, ich halte an dem Weihnachsmarkt fest.»

Das findet auch eine Strassburger Verkäuferin von Weihnachtsschmuck. Gegenüber «Baden Online» sagte sie: «Wir müssen ihnen zeigen, dass wir keine Angst haben. Das ist ist unser Weihnachtsfest, wir werden es feiern, ob es ihnen gefällt oder nicht.»

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