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Einfluss 
Weight Watchers setzt auf den «Oprah»-Effekt

Oprah Winfrey: Ihre Meinung hat in den USA Gewicht.   Keystone

US-Talkshowlegende Oprah Winfrey steigt bei Weight Watchers ein. Den schwächelnden Abnehm-Konzern freut's, denn wo Winfrey ihre Finger im Spiel hat, scheint der Erfolg programmiert.

Von Julia Fritsche
21.10.2015

Oprah Winfrey ist erfolgreiche Unternehmerin und eine der reichsten Frauen der Welt. 

Ihre unternehmerischen Tätigkeiten hat sie nun um eine weitere Aufgabe erweitert, denn: die US-Talkshowlegende steigt bei Weight Watchers ein. Die 61-jährige Winfrey kauft einen Anteil von zehn Prozent an dem auf Abnehmen spezialisierten Unternehmen und nimmt zudem Platz im Führungsgremium des Konzerns.

«Ich glaube an das Programm so sehr, dass ich mich entschieden habe, in das Unternehmen zu investieren und bei seiner Entwicklung als Partner mitzumachen», teilte die selbst jahrelang an Übergewicht leidende Winfrey am Montag mit. «Weight Watchers hat mir die Mittel gegeben, um mit einer anhaltenden Veränderung zu beginnen, die ich und so viele von uns, die mit ihrem Gewicht kämpfen, ersehnt haben.»

Aktienkurs hat sich mehr als verdoppelt

Winfrey zahlt für fast 6,4 Millionen Aktien zum Schlusskurs vom Freitag 43,2 Millionen Dollar. Zudem erhält sie eine Option auf den Erwerb eines weiteren Fünf-Prozent-Anteils.

Ihr Einstieg zahlt sich offenbar bereits aus: Die Aktie des Unternehmens schoss am Montag mehr als 100 Prozent in die Höhe. Am Dienstag stieg die Aktie weiter bis auf 18,25 Dollar pro Aktie. Sehr zur Freude von Weight Watchers.

Konkurrenz macht zu schaffen

Der Abnehm-Konzern kann die Popularität von Oprah Winfrey gut gebrauchen, denn die Konkurrenz von kostenlosen Diät-Apps und modernen Fitnessgeräten macht dem Diätunternehmen schwer zu schaffen. Vor Bekanntgabe von Winfreys Investition hatte die Aktie in diesem Jahr drei Viertel ihres Werts verloren.

Die Talkshow-Ikone soll mit ihrer Beliebtheit dem leidenden Konzern wieder zum Erfolg verhelfen. Und die Zeichen stehen gut: Denn wo Winfrey ihre Finger im Spiel hat, scheint der Erfolg programmiert. Experten sprechen hier vom sogenannten «Oprah Effect» – Produkte entwickeln sich zum Verkaufsschlager, sobald sie von der 61-Jährigen empfohlen werden.

Beliebt und einflussreich

Winfrey zählt zu den beliebtesten und einflussreichsten Persönlichkeiten überhaupt. Ihre Meinung hat in den USA Gewicht. Über Jahre hat sie sich eine riesige Fangemeinde aufgebaut. Allein auf Twitter zählt die laut Forbes zwölftmächtigste Frau der Welt sagenhafte 29 Millionen Follower. Hillary Clinton, die zweitmächtigste Frau, hat dagegen nur 4,5 Millionen Follower.

Das beste Beispiel für ihren Einfluss ist vermutlich der «Oprah Book Club». 1996 im Rahmen ihrer TV-Talkshow gestartet, besprach sie dort mit Gästen regelmässig Bücher. Heute wird der Buchklub auf ihrer Webseite weitergeführt und gilt als Indikator für die Bestseller-Listen in den USA. Bekommt ein Buch ihre Empfehlung – und wird in Buchhandlungen entsprechend beworben – ist ein Verkaufserfolg garantiert.

Explodierende Verkaufszahlen

Ein weiteres Beispiel liefert «Oprah’s Favorite Things», das einmal im Jahr Bestandteil ihrer Talkshow war. Darin stellte Winfrey Produkte vor, die ihr besonders gefielen oder nützlich erschienen. Zu ihren Empfehlungen gehörten 2002 etwa die Hausschuhe von Dreamtime. Die Verkäufe explodierten daraufhin von 3000 auf monatlich 20'000 Stück.

Überdies glauben sogar manche Forscher einen Zusammenhang zwischen Winfreys Unterstützung für Barack Obama und dessen Wahlerfolg bei den Präsidentschaftswahlen 2008 zu erkennen.

Eigenes Medienimperium

Auch ohne ihre gleichnamige Talkshow, die sie von 1986 bis 2011 führte, bleibt ihr Einfluss in der amerikanischen Bevölkerung auch heute noch gross. Inzwischen hat sie mit «Oprah Winfrey Network» ihren eigenen Fernsehsender – ihr bereits zweiter.

Im Jahr 2000 hatte sie den Kanal «Oxygen Network» mitgegründet, ihn aber nach sieben Jahren für 925 Millionen Dollar an NBC verkauft. Zu ihrem Medienimperium zählt zudem die Frauenzeitschrift «O, The Oprah Magazine» und die Produktionsfirma «Harpo», mit der sie seit 1986 erfolgreiche TV-Formate sowie Blockbuster produziert.

Ob sich ihr Erfolg und Einfluss auch auf Weight Watchers übertragen lässt, bleibt sicherlich abzuwarten. Hoffnungen machen aber die Reaktionen in den sozialen Medien. Ihre Meldung zu Weight Watchers wurde bei Facebook über 1000 mal geteilt, 832 mal kommentiert und bekam mehr als 21'000 «Gefällt mir»-Klicks.

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