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Mega-Boni 
Wegen Thiam öffnet sich die Lohnschere weiter

Die Lohnschere spreizt sich: Thiam, Ermotti und Co. verdienen immer mehr, während Angestellte mit tiefen Löhnen zunehmend Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Israel bietet eine radikale Lösung.

Veröffentlicht 20.06.2016

Der Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse befürchtet den Beginn eines nächsten Boni-Rausches. Die Lohnschere habe sich 2015 so weit geöffnet wie seit fünf Jahren nicht mehr. Chefs verdienen immer mehr, während Angestellte mit tiefen Löhnen zunehmend Angst um ihren Arbeitsplatz haben und mit steigendem Lohndruck und Unsicherheit leben müssen.

Gemäss der Analyse beträgt das Plus bei den Cheflöhnen im Schnitt 9 Prozent. Von 27 untersuchten Unternehmen hätten 19 die Löhne der Chefs angehoben. Bei drei Unternehmen blieben die Löhne stabil. Als Spitzenreiter identifiziert die Erhebung bei der Lohnschere die Credit Suisse (CS). Die Schweizer Grossbank kommt auf den Wert von 1:363.

Spitzenreiter Thiam

Veranwortlich für diese grosse Ungleichheit ist der neue CS-Chef Tidjane Thiam. Neben dem Fixgehalt und dem Bonus erhielt Thiam auch eine Kompensation der Bonusansprüche, die ihm aufgrund seines Wechsels zur CS bei seinem früheren Arbeitgeber entgangen sind. Alles in allem erhielt er mehr als 20 Millionen Franken. Das sind satte 117 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ebenfalls über ein Boniplus können sich die Chefs bei Lonza (plus 58 Prozent), Valora (plus 54 Prozent) und UBS (plus 28 Prozent) freuen. Die Top-Verdiener unter den Schweizer CEOs zeigt die obige Bildergalerie.

Abzockerinitiative ohne Einfluss

«Diese Zahlen zeigen, dass die Abzockerinitiative keinerlei mässigenden Einfluss gehabt habe», schreibt Travail.Suisse. Zwar werde nun bei Generalversammlungen über die Entschädigung des Managements abgestimmt, häufig aber geschehe dies im Voraus und die fixen und variablen Teile würden dabei zusammengeworfen.

«Auch Antrittsprämien, welche die Manager aus den Bonusplänen der bisherigen Arbeitgeber freikaufen, sind nach wie vor zulässig», moniert die Gewerkschaft, «ebenso wie Lohnfortzahlungen, respektive Beratermandate in Millionenhöhe nach Ende der Beschäftigung».

Nötiges Eingreifen

Etwas daran ändern könnte nun aber die anstehende Aktienrechtsrevision. Gestärkte Aktionärsrechte würden bestehende Schlupflöcher zum Verschwinden bringen.

Der Arbeitnehmerverband will aber nicht nur bei den hohen Cheflöhnen ansetzen, er verlangt auch einen besseren Schutz der Löhne und der Arbeitsplätze für Wenigverdiener. Weiter soll die Unternehmenssteuerreform III die «Tiefsteuerpolitik» für Unternehmen beenden.

Deckelung in Israel

Wie die Politik massiv eingreifen kann, zeigt das Beispiel aus Israel. Im März hat dort das Parlament per Gesetz die Deckelung der Gehälter von Bankmanagern beschlossen. Demnach wird das Jahresgehalt eines Bankmanagers auf 2,5 Millionen Schekel (derzeit umgerechnet 635'000 Franken) begrenzt. Bankchefs dürfen künftig höchstens 35-mal mehr verdienen als der am niedrigsten bezahlte Mitarbeiter ihres Unternehmens.

CS-CEO Thiam käme eine derartige Regelung teuer zu stehen.

(jfr, mit Material von sda)

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