Die Ruhe trügt. Seit die Vertreter der Bank Wegelin der ersten Anhörung zu ihrem Verfahren Anfang Februar in New York ferngeblieben sind, ist von der Anklage nichts mehr zu hören. Die Bank sowie die drei Angeklagten gelten seit ihrem Nichterscheinen als flüchtig. Es wurde lediglich bekannt, dass die US-Staatsanwaltschaft 16 Millionen Dollar, die Wegelin bei ihrer amerikanischen Korrespondenzbank UBS deponiert hatte, einzog. Hinter den Kulissen ist der Austausch jedoch rege. In der Jugendstilvilla an der Museumstrasse in St. Gallen arbeiten die sechs alten Teilhaber unter der Leitung von Konrad Hummler an einer Lösung des Konflikts. Drei bis fünf Kontakte zwischen den verschiedenen Beteiligten gibt es pro Tag. Das Ziel ist klar: eine aussergerichtliche ­Einigung.

40 Millionen zurückgestellt. Die Anklage des New Yorker Staatsanwalts Preet Bharara stützt sich in wesentlichen Teilen auf die Aus­sagen des früheren Wegelin-Mitarbeiters Daniel Sprecher, der im ­Oktober 2010 von amerikanischen Fahndern in Miami festgehalten wurde (siehe auch BILANZ 03/12: «Ende einer Ikone»). Sprecher war als Leiter des «Teams international» der Vorgesetzte der drei Angeklagten Michael Berlinka, Urs Frei und Roger Keller. Wegelin hält die mutmasslichen Aussagen Sprechers in wesentlichen Punkten für falsch. Die Bank bestreitet vor allem, dass sie aktiv und systematisch unversteuerte Gelder aus den USA angenommen habe. Von den 550 Millionen Franken, die Raiffeisen der Bank Wegelin zahlte, wurden etwa 40 Millionen für eine Strafzahlung an die US-Justiz zurückgestellt, ­zusätzlich hat die Bank noch weitere Reserven gebildet. Eine – allerdings nur kleine – Hoffnung besteht darin, dass die Schweizer Verhandler sich bald mit den US-Behörden einigen und die Bank Wegelin Teil dieses Abkommens sein wird.

Genf–Rorschach. Solange es keine Lösung gibt, verlassen die betroffenen Wegelin-Banker die Schweiz nicht. Dass ein Schweizer Banker gerade fälschlicherweise auf dem Frankfurter Flughafen festgehalten wurde, hat ihre Vorsicht noch erhöht. Ihr Aktionsradius liegt jetzt zwischen Genf und Rorschach.

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