1. Home
  2. Unternehmen
  3. Was Werbe-Experten zu Coops Negativwerbung sagen

Marketing 
Was Werbe-Experten zu Coops Negativwerbung sagen

Imported Image
Muotathaler Wetterschmöcker beim Fondue: «Chli stinke muess es». Screenshot

«Chli stinke muess es» heisst es in der neuen Werbekampagne von Coop für Raclette und Fondue. Damit wirbt Coop ausgerechnet mit der negativsten Eigenschaft der Schweizer Nationalgerichte. Ein Problem?

Von Gabriel Knupfer
19.10.2016

Wenn es um die Bewerbung der Nationalgerichte Raclette und Fondue geht, lassen sich Schweizer Werber etwas einfallen. Ob mit dem Spruch «Fondue isch guet und git e gueti Luune» - später abgekürzt zu Figugegl und Rigugegl - aus der Nachkriegszeit oder der Einkleidung der Skistars in ein Käsekostüm in den Neunzigerjahren: Es gibt kaum ein Thema, bei dem die Agenturen mehr Kreativität an den Tag gelegt haben, als beim Käse.

Die neue Coop-Kampagne der Agentur Contexta macht hier keine Ausnahme. Im Clip sind drei besonders markante Vertreter der Muotathaler Wetterschmöcker zu sehen, wie sie die Natur nach Zeichen von gutem Raclette- oder Fonduewetter interpretieren. Sie kommen aufgrund ihrer Beobachtungen zum Schluss, dass das Wetter gut wird für die Käsegerichte ist. Schliesslich sieht man das Trio gemeinsam essen und der urchige Martin Horat proklamiert: «Chli stinke muess es».

Typisch Coop

Was zunächst abwegig töne, mache durchaus Sinn, sagt Werber Andy Hostettler: Der Claim «Chli stinke muess es», sei sogar das Beste an der ganzen Kampagne. «Auch wenn es sicher Leute gibt, die meinen, ‹Negativwerbung› funktioniert nicht. Sie tut es trotzdem.» Denn der Schweizer Geschmack werde gut getroffen: «Jeder und jede kennt das: Hat man Hunger macht dieser Duft Appetit. Nach dem Geniessen – oder eben am Morgen danach könnte man fast kotzen, wenn nicht richtig gelüftet wurde.»

Völlig überzeugt ist Hostettler aber dennoch nicht von der Kampagne: Die Wetterschmöcker seien lustig, aber eben nicht neu. «Deshalb passen sie zum muffigen und langweiligen Rest der Coop-Werbung», sagt der Experte. Viel Neues könne er nicht erkennen: «‹Ä chli stenkt's emmer›, wenn Coop Werbung macht».

Heimeliges Gefühl

Etwas anders sieht dies Coop. Werbung brauche kreative Freiheit, erklärt ein Sprecher. Bei der neuen Kampagne stünden positive Stimmung und Unterhaltung im Vordergrund. Und zum Raclette und Fondue gehöre der Geruch halt ehrlicherweise dazu. «Das greifen wir auf sympathische, nicht allzu ernst gemeinte Art auf», so die Selbsteinschätzung.

Kein Problem mit der Werbung hat die Switzerland Cheese Marketing AG. «Der Clip ist eingängig», sagt eine Sprecherin. Der selbstironische Auftritt der Wetterschmöcker sei lustig und vermittle gleichzeitig ein heimeliges Gefühl – das passe zum Produkt. Die Wetterschmöcker sind zudem in den letzten Jahren immer wieder in Werbespots aufgetreten und wecken damit in den Zuschauern Erinnerungen und Heimatgefühle.

«Reaktionen ausgesprochen positiv»

Sowohl bei Coop, als auch bei der beauftragten Agentur Contexta gibt man sich zufrieden über die bisherigen Reaktionen. «Die Reaktionen auf den verschiedenen Kanälen sind ausgesprochen positiv», sagt Werber Martin Samsel. Zwar auf Geruch aber nicht gerade auf Gestank setzt man übrigens in den anderen Landesteilen. In den Übersetzungen auf Französisch («Plus ça sent, plus c'est bon») und Italienisch («Senti che odorino»), werden neutralere Begriffe verwendet.

Das Video mit den Wetterschöckern:

Anzeige