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Was Amsterdam zum neuen Trading-Hotspot macht

Amsterdam: Die Stadt der Grachten, Velos - und Algorithmus-Handelsfirmen.  Keystone

Amsterdam etabliert sich als Finanzzentrum für Eigen- und Hochfrequenzhändler. Die Firmen profitieren dort von günstiger Regulierung. Wichtiger für die Attraktivität sind aber wohl zwei andere Gründe.

Veröffentlicht 04.08.2017

Zwei Algorithmus-Handelsfirmen aus den USA haben sich für Amsterdam als ersten europäischen Standort entschieden und damit London die kalte Schulter gezeigt. Das stärkt die niederländische Stadt als Finanzzentrum nach dem Brexit.

Radix Trading und Hard Eight Trading, zwei Eigenhandelsfirmen mit Sitz in Chicago, votierten dafür, ihre europäisches Geschäft aus Amsterdam heraus zu betreiben. Die Schritte erfolgten, nachdem bereits Tradeweb, eine elektronische Handelsplattform aus New York, am Donnerstag eine ähnliche Entscheidung bekanntgegeben hatte.

Zwischen MiFID und Brexit

Der Status von London als Finanzzentrum der Region ist seit der Brexit-Abstimmung in Frage gestellt. Finanzunternehmen befürchten, dass sie in den anderen 27 EU-Mitgliedsstaaten keine Geschäfte mehr tätigen können, nachdem der Austritt Grossbritanniens aus der Staatengemeinschaft vollzogen worden ist.

US-Firmen bemühen sich auch, die Neuordnung der Finanzregulierung in der Region, bekannt als MiFID II, zu erfüllen. Diese Regeln sehen unter anderem vor, dass Unternehmen, die im Market-Making für europäische Wertpapieren und Derivate tätig sind, einen physischen Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat haben müssen. MiFID tritt am 3. Januar in Kraft.

In Poleposition

«Wir haben mehrere mögliche Standorte für unser europäisches Büro erwogen und Amsterdam gewählt – wegen der Kombination aus erfahrenen Aufsehern, qualitativ hochwertigen Talenten und guter Infrastruktur», erklärte Benjamin Blander, ein geschäftsführendes Mitglied von Radix Trading, in einer E-Mail an Bloomberg.

Während Frankfurt schnell zum Standort der Wahl für Banken wie Morgan Stanley und Citigroup wurde, sieht sich die Stadt der Fahrräder und die Heimat der weltweit ältesten Börse besser positioniert als andere kontinentaleuropäische Städte, um Eigenhändler oder Hochfrequenzhändler für sich zu gewinnen.

Wissen, wie reguliert wird

Die britische Entscheidung, die EU zu verlassen, sowie die Präsenz von bereits drei grossen algorithmischen Händlern in Amsterdam – Optiver BV, IMC BV und Flow Traders NV – haben die Anziehungskraft der Stadt als Finanzplatz für diesen Sektor gestärkt. 

Die niederländischen Finanzaufseher haben nicht zuletzt mehr Erfahrung, mit computerisierten Händlern umzugehen als ihre kontinentaleuropäischen Kollegen, wie Neil Robson von Katten Muchin Rosenman sagt.

«Wenn in den Niederlanden eine Eigenhandelsfirma lokal gegründet wird, wenden die Niederlande eine relativ komfortable Kapitalbehandlung an», sagte Robson, ein in London ansässiger Partner der Firma. «Sie haben dort bereits eine Prop-Trading-Community. Und man muss den Aufsehern nicht beibringen, was sie zu regulieren haben.»

Günstige Option

Tradeweb lobt explizit die günstige Regulierung von Amsterdam, während sich die Firma zugleich Sorgen über den Marktzugang macht, sobald das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlassen haben wird. «Wir wissen nicht, was mit Brexit passieren wird», sagte Enrico Bruno, Leiter Europa- und Asiengeschäft bei Tradeweb.

Bloomberg, die Muttergesellschaft von Bloomberg News, konkurriert mit Tradeweb beim Betrieb von Handelsplattformen.

Hard Eight Trading wählte die niederländische Stadt, weil «sie einfach viel billiger war», sagt Francis Wisniewski, einer der Mitgründer der Handelsfirma. Der Brexit sei eine grosse Sorge für all jene Firmen, die Zugang zu EU-Märkten haben wollen, sagt Michael Thomas, ein Partner bei Hogan Lovells. «Wir wissen nicht, wie die grenzüberschreitende Regelung zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich in der Zukunft aussehen wird», sagt Thomas. «Es verschafft ihnen eine stabilere Basis, wenn sie eine lokal regulierte Präsenz in der EU haben.»

Brexit abwarten

Dennoch haben sich einige US-Algorithmus-Händler für ein Londoner Büro entschieden, um die MiFID-Regeln einzuhalten, wie Robson sagt.

«Einige kamen trotz Brexit nach Grossbritannien. Sie sagten sich, ‹überlassen wir es anderen Firmen, sich anderswo in der EU zu etablieren. Wir werden in Grossbritannien starten. Es ist einfach und relativ schnell›», meint Robson. «Sie werden sich mit einer Ansiedung anderswo in der EU beschäftigen, sobald sie wissen, was Brexit bedeutet.»

(bloomberg/sda)

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