Die Schweizerische Nationalbank hat es heute Donnerstag klar gemacht: Sie wird ihre expansive Geldpolitik fortsetzen. Somit steht der Schweiz wohl ein weiteres Jahr mit Negativzinsen und einem starken Franken bevor. Die Wirtschaft ist bereits seit Jahren mit diesen schwierigen Verhältnissen konfrontiert. Die Credit Suisse hat deshalb analysiert, was 2017 der Schweizer Wirtschaft bringen wird. Ihr am Mittwoch veröffentlichter Bericht zeigt fünf unerwartete Erkenntnisse auf:

1.  Der Franken ist nicht mehr überbewertet – zum Dollar

Die offizielle Formulierung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) ist seit zwei Jahren unmissverständlich: «Der Schweizer Franken ist deutlich überbewertet» – heute betonten die Währungshüter dies einmal mehr. Die Aussage stimmt laut der Credit Suisse jedoch nur noch im Bezug zum Euro. Der Dollar hingegen ist seit der Wahl des neuen US-Präsidenten Donald Trump auf einem Höhenflug. Gestern Mittwoch hat die US-Notenbank zudem den Leitzins erhöht, was den Dollar noch weiter stärken dürfte.

Der starke «Greenback» nimmt Aufwertungsdruck vom Franken. «Ein starker Dollar ist sehr vorteilhaft für die Schweizerische Nationalbank», sagt CS-Analyst Maxime Botteron. Diese günstige Situation wird sich laut der Bank fortsetzen, sie rechnet mit einer weiteren Aufwertung des Dollar und einem stabilen Euro-Franken-Kurs.

2. Die SNB wird sich auf dem Devisenmarkt zurückhalten

Seit Ende des Mindestkurses hat die Nationalbank immer wieder auf dem Devisenmarkt interveniert. Sie kaufte gezielt Euro auf, damit sich der Franken nicht weiter aufwertet. Dadurch ist ihr Devisenberg per Ende November auf 648 Milliarden Franken angestiegen. Die SNB wird gemäss ihrem Präsidenten Thomas Jordan auch im kommenden Jahr eingreifen.

Dennoch werde die SNB weniger unter «Interventionszwang» stehen, glaubt CS-Analyst Maxime Botteron. Wegen der steigenden Inflation und dem robusten Wirtschaftswachstum könne die SNB einen starken Franken tolerieren.

Die Nationalbank möchte sich mit Währungskäufen wohl auch zurückhalten, um nicht stärker in die Kritik der USA zu geraten: Die US-Regierung stuft die Schweiz als potentiellen «Währungsmanipulator» ein. Die neue Zurückhaltung im Devisenmarkt bedeutet aber nicht, dass die SNB bald die Zinsen erhöht: «Die SNB signalisiert, dass sie die Negativzinsen noch lange behalten will», sagt CS-Spezialist Botteron.

3. Die Exportwirtschaft hat sich mit der Frankenstärke arrangiert

Seit zwei Jahren ist die Schweizer Exportindustrie mit einem starken Franken konfrontiert. Diese Durststrecke haben die meisten Unternehmen aus Sicht der Credit Suisse überwunden: Der Exportsektor dürfte im kommenden Jahr zum Treiber des Schweizer Wirtschaft werden. Zwar ist es weiterhin vor allem die Pharmaindustrie, welche ihre Verkäufe im Ausland steigern kann.

Aber auch andere Branchen profitieren zunehmend vom Wirtschaftsaufschwung in Europa und anderen Märkten. «Viele Firmen kommen mit der Frankenstärke jetzt besser zurecht», sagt CS-Chefökonom Oliver Adler. Besonders in der Maschinenindustrie bleiben die Margen der Unternehmen dennoch unter Druck.

4. Einige Firmen werden sich nicht mehr erholen

Manche Schweizer Exporteure werden sich gemäss der Credit Suisse nicht von der Aufwertung des Frankens erholen. CS-Chefökonom Adler sieht besonders für Unternehmen aus der Textil- und Paperindustrie wenig Zukunft im Exportgeschäft. «Das sind Märkte, wo der Wettbewerb sehr hart ist.» Auch im Tourismus habe der starke Franken einen grossen Strukturwandel ausgelöst. Die Währungsstärke und der fehlende Schnee gefährden vor allem in Wintersportgebieten die Existenz vieler Betriebe.

5. Die Schweiz krankt an einem holländischen Problem

Die Credit Suisse sieht eine Parallele zwischen der Schweiz und Holland: Die niederländische Wirtschaft litt in den 1960er und 1970er Jahre unter einer starken Währung. Der Gulden hatte sich wegen eines einzigen Sektors massiv aufgewertet: Vor der Küste war Gas gefunden worden. Auch die Schweiz hat gemäss der Bank Symptome dieser «holländischen Krankheit»: Der Franken ist unter anderem so stark, weil vor allem vier Branchen massive Überschüsse erwirtschaften: Wegen der Pharmaindustrie, den Rohstoffhändlern, den Finanzdienstleistern und der Uhrenhersteller fliesst viel Kapital in die Schweiz. Hinzu kommen die Einkommen, die vor allem durch die Schweizer Steuersitze ausländischer Konzerne ins Land gelangen.

Dieses holländische Krankheitsbild ist aber aus Sicht der Credit Suisse nicht unbedingt ein Nachteil. Es sei nicht klar, ob eine starke Währung an sich das Wachstum bremse. «Es ist ein Luxusproblem der Schweiz», sagt CS-Chefökonom Adler. Und ohnehin habe die Politik keine Instrumente in der Hand, um den Überschuss dieser Branchen zu verringern.

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