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Warum Versicherungen den Banken den Rang ablaufen

In der Schweiz kündigt sich ein Wandel an. Denn in puncto volkswirtschaftlicher Bedeutung werden die Versicherungen immer mächtiger - noch mächtiger als die hiesigen Grossbanken. Woran das liegt.

Veröffentlicht 16.05.2017

Die Schweiz ist bekannt für Berge, Käse, Schokolade - und für ihre Banken. Doch dieses Klischee könnte sich als Auslaufmodell erweisen. Die Versicherungsbranche ist einer jüngst veröffentlichten Statistik zufolge auf dem besten Weg, den Geldhäusern in puncto volkswirtschaftlicher Bedeutung den Rang abzulaufen. Bereits im kommenden Jahr könnte es soweit sei, wenn sich der Trend der vergangenen Jahre fortsetzt.

Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SIF) zufolge nahm der Beitrag der Banken zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den letzten zehn Jahren mit einer Ausnahme stetig ab - von 8,2 Prozent im Jahr 2007 auf 4,9 Prozent im vorigen Jahr. Der BIP-Anteil der Versicherer blieb dagegen in diesem Zeitraum weitgehend stabil und betrug zuletzt 4,5 Prozent.

Umwälzungen in der Branche

Zu schaffen machten den Grossbanken UBS und Credit Suisse und den für ihre Diskretion bekannten Privatbanken in Zürich und Genf die Folgen der Finanzkrise und die Umwälzungen in der Branche. «Sie haben in den letzten Jahren natürlich einen grossen Strukturumbruch erlebt», sagte Martin Eling, Professor am Institut für Versicherungswirtschaft der Universität St. Gallen. «Der findet in der Assekuranz sicherlich auch ein Stück weit statt, aber nicht im gleichen Ausmass, wie er bei den Banken zu beobachten ist.»

Die Digitalisierung etwa hat bei den Banken tiefere Spuren hinterlassen als bei den Versicherern. Das Umfeld für Investitionen ist heute transparenter, die Anlageberatung weniger gefragt, was die Gebühreneinnahmen schmälert. Auch Niedrigzinsen, die Handelsflaute bei den Kunden und die Konkurrenz durch neue Anbieter drücken auf die Erträge. Nicht zu vergessen der Reputationsverlust durch die weltweite Jagd auf Steuersünder.

Steigende Nachfrage nach Risikoschutz

Das Geschäftsmodell der Versicherer ist dazu auf längere Frist ausgelegt und folgt stärker makroökonomischen Entwicklungen. Denn mit zunehmendem Wohlstand steigt die Nachfrage nach Risikoschutz. «Es gibt drei Haupttreiber für die Versicherungsprämien: BIP-Wachstum, Bevölkerungswachstum und die Zunahme versicherbarer Risiken», sagte Yamin Gröninger vom Beratungsunternehmen EY. Das BIP ist in den letzten zehn Jahren um rund 20 Prozent gewachsen und die Bevölkerung hat rund elf Prozent zugenommen.

Insgesamt trug der Finanzdienstleistungssektor im vorigen Jahr etwas mehr als neun Prozent zum BIP von 650 Milliarden Franken bei. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt der Anteil knapp vier Prozent, in Luxemburg sind es fast 28 Prozent. Neben Credit Suisse und UBS haben die beiden global tätigen Versicherungskonzerne Zurich Insurance und Swiss Re ihren Sitz in Zürich.

Krankenversicherung und Rückversicherer schieben an

Schweiz-spezifisch profitiert die Versicherungsbranche von zwei weiteren Faktoren. Das ist einerseits die Krankenversicherung, die weitgehend Privatsache ist. In den vergangenen zehn Jahren sind die Gesundheitskosten und Prämien kräftig gestiegen. Und zweitens ist die Schweiz zum Drehkreuz für die Rückversicherungsbranche geworden. Der einstige Hub, die Bermudas, büssten nach einer OECD-Steuerreform ihren Standortvorteil zu einem guten Teil ein.

Viele Rückversicherer wollen dazu in Europa präsent sein - sie zieht es nach Zürich, jüngst etwa die in Hongkong beheimatete Peak Reinsurance. «Der Standort Zürich hat sich gerade im Bereich Rückversicherung in den letzten Jahren sehr stark entwickelt», sagt auch Professor Eling.

Die Geschäftsaussichten für die Assekuranz dürften nach Einschätzung von EY-Expertin Gröninger gut bleiben. Schub bringen könnte zudem das Ausscheiden Grossbritanniens aus der EU. «Wir haben zwar noch keine Wellen gesehen, aber tatsächlich haben sich einige unserer Kunden überlegt, ihr europäisches Headquarter in die Schweiz umzusiedeln», sagte Gröninger.

(reuters/ccr)

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