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Warum Schneider für Nestlé der richtige CEO sein könnte

Ulf Mark Schneider: Der 50-Jährige ist seit 13 Jahren Fresenius-Chef. Keystone

Kulturbruch bei Nestlé: Mit Ulf Mark Schneider wird ein externer Kandidat neuer Konzernchef. Für den Wandel könnte der Fresenius-Chef aber genau der Richtige sein. Die Botschaft ist offensichtlich.

Veröffentlicht 28.06.2016

Nestlé hat am Montagabend die Nachfolgeregelung an der Spitze des Unternehmens bekannt gegeben und damit die meisten Beobachter überrascht: Mit Ulf Mark Schneider wird per Anfang 2017 ein externer Kandidat neuer Konzernchef.

Als langjähriger Chef des Gesundheits-Konzerns Fresenius könnte Schneider aber der richtige Mann sein, um den vor längerer Zeit schon eingeleiteten Wandel - weg vom reinen Nahrungsmittel-Hersteller hin zum Konzern für «Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden» - zu beschleunigen. Der Schritt wird denn auch mehrheitlich positiv gewürdigt und die Aktie legt stark zu.

Ziemliche Überraschung

Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern hat mit der Ankündigung die meisten Marktteilnehmer ziemlich überrascht. Erst einmal, in den 1920er Jahren, hatte Nestlé nämlich jemanden von aussen an die Konzernspitze gesetzt. Die Überraschung ist umso grösser, als seit längerem drei interne Kandidaten in der Pole-Position gesehen wurden, wobei die Asien-Chefin Wan Ling Martello als Nummer Eins galt.

Auch der frühe Zeitpunkt der Ankündigung war etwas überraschend, hatten die meisten Beobachter diese doch erst für den Herbst erwartet. Nicht überraschend ist hingegen, dass der jetzige Konzernchef Paul Bulcke nächstes Jahr die Nachfolge von Peter Brabeck als Verwaltungsratspräsident antreten soll.

Guter Ruf in der Branche

Der 50-jährige Schneider ist seit 13 Jahren Chef des deutschen Fresenius-Konzerns, einem Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für Dialyse, Spitäler und ambulante Behandlungen und hat sich dabei einen sehr guten Ruf in der Branche erarbeitet.

Sein Leistungsausweis sei bemerkenswert, sgat etwa die ZKB in einem Kommentar. Seit seinem Antritt hat sich der Aktienkurs von Fresenius - einem Konzern mit zuletzt 220'000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 28 Milliarden Euro - mehr als verzehnfacht.

Offensichtliche Botschaft

Die Botschaft, die Nestlé mit diesem Schritt senden will, ist denn auch offensichtlich: Es ist als klares Zeichen zur langfristigen Ausrichtung von Nestlé als Unternehmen für «Nutrition, Health and Wellness» zu verstehen. Dazu sollen auch die Bereiche Health Science (medizinischer Ernährung) und Skin Health (Hautpflege) vollständig in die Nestlé-Organisation eingebunden werden, wie der Westschweizer Konzern ankündigte.

Dass diese beiden Bereiche nun vollkommen dem Konzernchef (und nicht mehr dem Verwaltungsratspräsidenten) unterstünden, sei ein klares Zeichen, dass sie in der Ära nach Brabeck mit der gleichen Intensität wie bisher verfolgt würden, sagt Analyst Philippe Bertschy von der Bank Vontobel dazu.

Nestlé will gemäss früheren Aussagen allein mit dem Bereich Health Science mittelfristig einen Umsatz von 10 Milliarden Franken Franken erzielen, zuletzt waren es lediglich 2,2 Milliarden Franken (4,4 Milliarden Franken inklusive Skin Health).

«Mutiger Schritt»

Das bisherige Management um Paul Bulcke weise vor allem ein starkes Know-how im Nahrungsmittel-Geschäft auf. Mit dem neuen CEO werde nun die Vision von «Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden» mit grossem Know-how im Gesundheitsbereich unterlegt, heisst es bei der ZKB.

Bereits der 2015 neu zu Nestlé gestossene Finanzchef François-Xavier Roger sei aus der Pharmabranche gekommen. «Wir können den mutigen Schritt von Nestlé, die Vision mit Management-Power zu unterlegen, grundsätzlich nachvollziehen», sagt Analyst Patrik Schwendimann.

«Aufregenden Zeiten» stehen beovr

Ähnlich wird das bei Helvea Baader gesehen: In Anbetracht der Leistungen von Schneider und dem frischen Wind, den ein Kandidat von aussen bringen wird, dürfte der Schritt im Markt positiv aufgenommen werden, heisst es dort.

Vontobel-Analyst Bertschy spricht gar von «aufregenden Zeiten», die bevorstünden. Schneider werde eine neue Ära bei Nestlé einläuten, indem er das Portfolio bereinigen und vermehrt Akquisitionen in den Wachstums-Bereichen tätigen werde.

«Klare Richtung»

Allerdings sind nicht alle Stimmen so optimistisch. Schneider müsse erst noch zeigen, dass er der richtige Mann sei, um die Renditen in den Bereichen Health Science und Skin Health zu steigern, meint man bei der französischen Bank SocGen. Und nebenbei müsse er auch die Wettbewerbsfähigkeit des Nahrungsmittel-Sektors stärken, mache dieser doch nach wie vor rund 95 Prozent des Umsatzes aus.

Und bei Goldman Sachs ist man weiter «besorgt» in Bezug auf die Wachstumsentwicklung und die Marktanteilsverluste von Nestlé in den letzten Jahren. Dies zeigt sich etwa daran, dass der Konzern die letzten drei Jahre das Nestlé-Modell in Bezug auf Wachstum (5-6 Prozent organisch pro Jahr) verfehlt hat und es auch dieses Jahr kaum schaffen dürfte.

Die Ernennung von Schneider könnte aber ein Zeichen sein, dass Nestlé «kreativere Optionen» zur Verbesserung der Performance erwägen könnte, glaubt der zuständige Analyst.

(sda/ccr)

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