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Warum Pensionskassen nicht stärker auf Hypotheken setzen

Rentner diskutiert Immobilie als Altersvorsorge

Worauf können Versicherte bei Pensionskassen bauen? Auch Immobilien sind als Geldanlage für die Einrichtungen problematisch.

Quelle: Getty Images

Die Pensionskassen verschenken laut Studie jährlich eine halbe Milliarde Franken, weil sie zu wenig in Hypotheken investieren. Was dagegen spricht.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
05.02.2019

Die ungelösten Fragen der Altersvorsorge treiben interessante Blüten. So forderte am Wochenende eine ungewöhnliche Allianz aus SP und SVP, dass die Erträge aus den Negativzinsen der SNB künftig für die Pensionskassen aufgewendet werden. Ob der Vorstoss Realität werden kann, ist fraglich – er belegt auf jeden Fall die Dringlichkeit in der Debatte um die Erträge der zweiten Säule.

Schliesslich stehen die Pensionskassen unter Druck, im Tiefzinsumfeld ausreichend Rendite zu erwirtschaften, damit perspektivisch weniger Einzahlende eine höhere Zahl von Rentenberechtigten versorgen. Das realistische Szenario darum für die Zukunft der Betriebsrente: sinkender Umwandlungssatz, entsprechende geringere Ansprüche der Versicherten.

Einbussen in fast allen Anlageklassen

Pensionskassen haben darum begonnen, ihr Portfolio umzuschichten, zum Beispiel mehr in Aktien statt in Obligationen zu investieren. Das steigert schneller die Rendite, aber auch das Risiko wächst. Das belegt der aktuelle Pensionskassen-Monitor von Swisscanto:  Die Renditen der Pensionskassen waren 2018 in allen Anlageklassen negativ, ausser bei Schweizer Obligationen und Schweizer Immobilien.

Im Durchschnitt lag die Rendite bei den befragten 535 Instituten bei minus 3,58 Prozent. Das ist zwar besser als etwa Schweizer Aktien abgeschnitten haben, die im Durchschnitt um 9,41 Prozent nachgaben, laut Swisscanto können die Pensionskassen ihre Verpflichtungen nach wie vor voll decken. Dennoch halbierten sich aufgrund dieser Entwicklung 2018 die Reserven der Pensionskassen.

Am besten abgeschnitten haben noch die Investitionen in Immobilien – hier erzielten die Pensionskassen ganze 0,35 Prozent. Es liegt also nahe zu fragen, warum Pensionskassen nicht stärker auf Hypotheken setzen. Tatsächlich kommt eine Studie von Moneypark zu dem Schluss: Die Pensionskassen verschenken jährlich eine halbe Milliarde Franken, weil sie zu wenig in Eigenheim-Hypotheken investieren.

Rund 1,3 Prozent ihrer Vermögen stecken Pensionskassen aktuell in diesen Bereich, heisst es in der Untersuchung, obwohl eine Quote von bis zu 50 Prozent erlaubt wäre. Eine «moderate» Aufstockung auf 7 Prozent sei «durchaus möglich», schreibt Moneypark. «Damit könnten die Pensionskassen einen Mehrertrag von rund 630 Millionen Franken generieren, ohne das Risiko ihres Portfolios zu erhöhen.» Durch das Versäumnis der Pensionskassen müsste ein durchschnittlicher Versicherter eine Renteneinbusse von bis zu 1350 Franken im Jahr hinnehmen.

Fallstricke bei Immobilieninvestments

Hängen die Früchte tatsächlich so tief? Dagegen spricht, dass Pensionskassen bereits heute erfinderisch werden müssen, um geeignete Immobilien für ihre Geldanlage zu finden, wie der «Blick» berichtet. Denn Mehrfamilienhäuser seien so gut wie aufgekauft, kleinere Mehrfamilienhäuser als Anlageobjekte kaum relevant. Pensionskassen würden damit bereits heute den Bauboom in der Schweiz befördern. Die Gefahr: Sollte für die Pensionskassen ein Verkauf ihrer Liegenschaften notwendig werden, würde der Markt mit Immobilien überschwemmt.

Auch wenn dieses Szenario in den kommenden Jahren wenig wahrscheinlich ist, können die Pensionskassen ihr Immobilien-Investment nicht auf die leichte Schulter nehmen. Es brauche dafür Ressourcen, Risikofähigkeit und einen langfristigen Anlagehorizont, sagt Adrian Wenger, Leiter Hypothekarberatung beim VZ Vermögenszentrum. Gerade Pensionskassen dürften die Einschätzung von Investments auch nicht blind auslagern – zum Beispiel an Anbieter wie Moneypark. «Eine Pensionskasse kann es sich nicht leisten, dies ohne jegliche Kontrolle durchzuführen.» Also brauche es ein bis zwei Stellen im Risikomanagement.

Damit brauche es aber bereits mindestens ein Hypothekenvolumen von 20 Millionen Franken, damit alleine diese Kontrollinstanz bezahlt sei. «Darum wird es für die Pensionskasse rentabler sein, alle regulatorischen Voraussetzungen zu erfüllen und indirekt in Anlagestiftungen – die wiederum ihr Geld in Hypotheken anlegen – zu investieren», sagt der Experte. Diese Sorgfalt ist für Wenger unerlässlich: «Schlussendlich geht es um unser Alterskapital und das muss sorgfältig investiert werden.»

Es zeigt sich erneut: Einen einfachen Weg können die Pensionskassen nicht gehen, um die notwendigen Renditen zu erzielen. Kein Wunder also, erfolgt das Plädoyer für eine Re-Finanzierung der Negativzinsen durch die SNB.

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