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Warum Geschäftsberichte immer länger werden

Geschäftsberichte von SMI-Konzernen werden immer komplizierte und umfangreicher. Dies hat nicht nur mit höheren Anforderungen auf regulatorischer Ebene zu tun. Was dahinter steckt.

Wer sich als Aktionär, Analyst oder Journalist regelmässig mit den Geschäftsberichten von Unternehmen befasst, hat in den vergangenen Jahren einen eindeutigen Trend festgestellt: Die Berichte werden immer länger und komplizierter.

Das hat nicht nur mit höheren Anforderungen auf regulatorischer Ebene zu tun, sondern auch mit den gestiegenen Ansprüchen der Investoren. Der Geschäftsbericht ist immer auch Selbstdarstellung und soll die Idee hinter dem Unternehmen transportieren.

Von 158 auf 288 Seiten

Die gestiegene Bedeutung der Geschäftsberichte lässt sich nur schon am Umfang ablesen. «Die durchschnittliche Seitenzahl der Geschäftsberichte von SMI-Unternehmen ist von 158 im Jahr 2003 auf 288 im Jahr 2016 gestiegen», sagte Petra Nix, Inhaberin einer Agentur für Unternehmens- und Finanzkommunikation in Zürich, jüngst an einem Presseanlass der Börsenbetreiberin SIX.

Noch in den 1970er Jahren habe es kotierte Unternehmen in der Schweiz gegeben, die nicht einmal ihren Umsatz bekannt gemacht hätten, erinnert sie. Vor allem der Teil des Finanzberichts habe mit einer Zunahme um 70 Prozent deutlich an Umfang zugelegt, aber auch der neu hinzugekommene Vergütungsbericht habe die Seitenzahlen anschwellen lassen.

Mehr Raum werde ausserdem der Lagebeurteilung, dem Risikobericht oder der Erläuterung der Strategie gegeben. «Die Unternehmen greifen in ihrer Berichterstattung die sich ändernden Informationsbedürfnisse auf», sagt Nix.

Neue Zielgruppe und andere Informationen

Dabei spielen nicht nur institutionelle und private Investoren eine Rolle. Hinzu gekommen sind als weitere Zielgruppe auf der Kapitalmarktseite Beratungsunternehmen, die Aktionären Empfehlungen für das Abstimmungsverhalten an Generalversammlungen abgeben.

Dass die Bedürfnisse stark gewachsen sind, unterstrich Nix mit einem Bonmot von Larry Fink. So habe der Chef des weltweit grössten Vermögensverwalters Blackrock einmal in einem Brief an die CEOs der S&P-500-Unternehmen geschrieben: «Ich will verstehen, wie ihr Wert schafft».

Die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen wird allerdings trotz der zusätzlichen Information durch die uneinheitliche Darstellung der nicht-finanziellen Informationen erschwert. Um dem zu begegnen, sind in den vergangenen Jahren insbesondere auf internationaler Ebene eine steigende Anzahl von Codes, Richtlinien und Organisationen entstanden.

Neue Richtlinien

2010 war das International Integrated Reporting Council (IIRC) gegründet worden, mit dem Ziel, die Prinzipien der integrierten Berichterstattung (Integrated Reporting, IR) zu formulieren und voranzutreiben. Mit diesem Rahmenkonzept sollen Firmen in die Lage versetzt werden, Informationen in einem klaren, präzisen und vergleichbaren Format zusammenstellen.

Auch wenn viele Geschäftsberichte inzwischen einzelne Aspekte aufgreifen, entsprechen weltweit erst rund 1000 Unternehmensberichte den Anforderungen des IR. In der Schweiz zum Beispiel sind es nur die Berichte der Grossbank UBS und des Warenprüfers SGS.

UBS erklärt sich auf 678 Seiten

Die Berichte werden dadurch allerdings höchstens noch länger. So kommt etwa der Geschäftsbericht der UBS für das Jahr 2015 auf einen Umfang von 678 Seiten. Als internationale Grossbank, die auch an der NYSE kotiert ist, muss diese eine Vielzahl von Regulierungen einhalten.

Dazu zählen etwa die Berichtsteile «Corporate Governance», «Corporate Responsibility» und Vergütung nach der Global Reporting Initiative (GRI), Konzernrechnung nach IRFS und SEC-Anforderungen sowohl für die Gruppe als auch die UBS AG, Offenlegungen zur Säule 3 gemäss Basel III oder die Jahresrechnung nach dem Schweizerischen Obligationen- und Bankenrecht. Im wörtlichen Sinne erschwerend hinzugekommen sind noch die Teile durch die Gründung der UBS Schweiz AG.

Gesetzgeber machte die gewichtigeren Änderungen

Gemäss Rodolfo Straub, Leiter von SIX Exchange Regulation, sind die gewichtigeren Änderungen in der Schweiz nicht von börsenregulatorischer Seite, sondern vom Gesetzgeber gekommen. Die grössten Veränderungen kamen zuletzt 2013 mit dem neuen Rechnungslegungsrecht und der Annahme der Minder-Initiative.

Auf Seite der Börse wurden zuletzt 2002 die Richtlinie Corporate Governance sowie 2005 die Bestimmungen zu den Management-Transaktionen und 2009 zum Unternehmenskalender eingeführt, wobei die letzten beiden laut Straub nicht mit grossem Aufwand verbunden sind.

Zurück zu Swiss GAAP FER

Allerdings haben die neuen Anforderungen auch dazu geführt, dass in den vergangenen Jahren eine Reihe von an der SIX kotierten Unternehmen einen Wechsel des Rechnungslegungsstandards vorgenommen haben. «IFRS ist zugunsten von Swiss GAAP FER klar zurückgegangen», sagt Straub. Hätten 2007 noch 52 von 262 kotierten Firmen nach dem Schweizer Standard berichtet, seien es 2015 bereits 82 von insgesamt 229 Unternehmen gewesen.

Als Begründung für den Schritt wurden fast immer niedrigere Kosten und der geringere Aufwand genannt. Die Anforderung an die internationale Vergleichbarkeit der Abschlüsse hat hier eine tiefere Priorität.

Bei den Unternehmen, die auf Swiss GAAP FER gewechselt haben, handelt es sich zumeist kleinere, nicht auf die internationalen Kapitalmärkte ausgerichtete Firmen. So haben in den vergangenen Jahren beispielsweise Looser, Dorma+Kaba, Cicor, Tornos, Bobst, Goldbach Group, Meyer Burger oder Walter Meier auf den heimischen Standard umgestellt. Als Ausnahme von der Regel kann die Swatch Group angesehen werden, die 2013 den Wechsel vollzog.

(sda/ccr)

 

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