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Sesselwechsel 
Warum Georges Kern so schnell gehen konnte

Christoph Waltz (l.) und Georges Kern: Der Uhrenmanager hat einen guten Draht nach Hollywood.Keystone

Georges Kern, eben noch zum Uhren-Chef bei Richemont 
ernannt, wechselt nahtlos zu Breitling. Überraschend: Ein ­Timeout muss er nicht nehmen.

Von Pierre-André Schmitt
25.07.2017

Mit einer kurzen ­E-Mail-Nachricht hat sich Georges Kern bei den ­Mitarbeitern von Breitling vorgestellt, ab Mitte August werden sie ihn ganz real erleben: Schon nach den Uhrmacherferien setzt sich der ehemalige IWC-Mann als neuer Chefpilot ins Cockpit der fliegerisch geprägten Uhrenmarke.

Der schnelle Take-off sorgt in der Branche für gewisse Irritation. Georges Kern werde Richemont ­verlassen, hatte der Luxuskonzern am 14. Juli angekündigt – und zwar «with immediate effect». Dass der Mann, der eben erst zum Chef der Uhrendivision ernannt worden war, gleich nahtlos zu einer Drittmarke wechseln kann, überraschte alle ­Beobachter.

Persönlich sofort freigestellt

Konkurrenzverbot? Kündigungsfrist? Was etwa in der Bankenwelt fester Standard ist, wo ein Manager des Kalibers von Georges Kern gut und gerne ein Jahr lang stillhalten müsste, gibt es in diesem Fall nicht. Ein Konkurrenzverbot scheint nie bestanden zu haben, und Konzernchef Johann Rupert habe seinen ­Uhrenkapitän persönlich sofort freigestellt. So jedenfalls berichten Kaderleute bei Richemont. Weder der Konzern noch Georges Kern wollten allerdings Fragen der BILANZ beantworten.

Von einem «Kernxit» sprach die oft gut unterrichtete Internetplattform «Business Montres»: Es sei, als werde der Chef vom KGB innert ­Tagesfrist Boss vom CIA. Tatsächlich fischen die Richemont-Marke IWC und Breitling zum Teil im ­gleichen Kundenteich. Überdies hat Kern wertvolles Wissen über alle Richemont-Uhrenmarken – von 
Jaeger-LeCoultre über Panerai bis Vacheron Constantin.

«Zu viel Governance, zu wenig Flexibilität»

Dass Georges Kern als Uhrenchef in den Richemont-Konzernstrukturen nicht glücklich werden konnte, überrascht wenig. «Zwei Schritte vorwärts, einen Schritt zurück, das war nicht seine Welt», tönt es aus seinem engeren Umfeld. «Zu viel Governance, zu wenig Flexibilität.» Breitling hingegen sei unabhängig, klein, schnell und agil, und das sei dem Manager wie auf den Leib geschnitten.

Wenig erstaunlich ist, dass das Private-Equity-Unternehmen CVC, seit April Besitzer von Breitling, Kern ans Kommandopult beruft. Steve Koltes, Co-Founder und Co-Chairman von CVC, gehört zu Kerns privater Entourage. Man schätze sich und man treffe sich auch dann und wann zum Essen, hört man aus dem Umfeld.

Es wird sich viel ändern

Bei Breitling wird wohl kein Stein auf dem anderen bleiben. Georges Kern dürfte die Produktpalette entstauben, verbreitern und bei Kommunikation sowie Digitalisierung den Raketenantrieb zünden. Mit fünf Prozent ist er am Unternehmen beteiligt, angeblich mit einer Option auf mehr. Mit anderen Worten: Wenn er die gleiche Performance hinlegt wie bei IWC, wird er ein steinreicher Mann.

 

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