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Warum Gambler Marchionne sich den Kampf um Opel spart

Sergio Marchionne
Sergio Marchionne: Gilt in der Branche als Dealmaker, der sich beweisen will.KeystoneQuelle: .

Fiat-Chef Sergio Marchionne hat vor 
Jahren um Opel gebuhlt und wollte mit General Motors fusionieren. Warum er ausgerechnet jetzt stumm bleibt.

Von Dirk Ruschmann
21.02.2017

Während sich General Motors (GM) und Peugeot Citroën (PSA) mit Riesenschritten dem Verkauf von Opel an PSA nähern, ist einer verdächtig still, der ansonsten selten stillhalten kann: Sergio Marchionne, Chef der Fiat Chrysler Group (FCA). Er hatte schon vor Jahren bei GM um deren europäische Tochter Opel gebuhlt.

2009 wollte er Opel übernehmen, ohne Zahlungen zu leisten. Und vier Jahre zuvor hatte er GM gut 1,5 Milliarden Euro abgepresst; Fiat und GM waren über eine 20-Prozent-Beteiligung sowie eine umstrittene Put-Option verbunden, die GM zum Kauf der restlichen 80 Prozent verpflichtet hätte: Mit den 1,5 Milliarden kaufte sich GM letztlich frei.

Gestörtes Verhältnis

Vor rund zwei Jahren brachte Marchionne dann wieder eine Fusion mit GM ins Spiel. Der Fiat-Chef strebt seit seinem Amtsantritt vor 
13 Jahren nach Grösse: Er glaubt, global würden nur die fünf grössten Autobauer überleben. Doch 
GM-Chefin Mary Barra liess ihn ­a­­­b­blitzen. Die Amerikaner haben ­Marchionnes Winkelzüge weder verziehen noch vergessen.

«Das Verhältnis zwischen GM und Marchionne ist gestört», sagt der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb Marchionne PSA und GM un­gestört über Opel verhandeln lässt: Er weiss, er hätte keine Chance, Opel zu bekommen. Denn wegen seiner Aktionen gilt Marchionne in der Branche als Gambler – als Investment-Banker-Typ, der sich in die Industrie verirrt hat und sich hier als Dealmaker beweisen will. «Meine Ansicht ist: Solange Sergio Marchionne bei Fiat ist, wird mit diesem Konzern keiner ein Geschäft machen», sagt ein Topmanager der ­Autoindustrie.

Mit Opel 16 Prozent Marktanteil in Europa

Ob Opel überhaupt ein attraktives Kaufobjekt wäre, ist eine andere Frage. Seit dem Jahr 2000 schreibt die GM-Tochter rote Zahlen, der US-Riese gibt seine Präsenz in Europa auf, um den Verlustbringer loszuwerden. Teuer dürfte Opel also auch heute nicht sein. PSA-Chef Carlos Tavares gilt jedoch als Spezialist 
für Sanierungen, und PSA hat schon vor Jahren eine Kooperation mit Opel gestartet.

Mit Opel kämen die Franzosen auf gut 16 Prozent Marktanteil in Europa – kritische Masse, Nummer zwei hinter VW. Inhaltlich wäre wohl nicht viel zu gewinnen: Die Technik der Opel-Elektroautos kommt von GM, «Diesel können die Franzosen besser, Benziner kann jeder», spottet Dudenhöffer.

Sergio Marchionne erspart sich jedenfalls den Kampf um Opel. Für spätestens Ende des kommenden Jahres hat der 64-Jährige seinen Rückzug als Fiat-CEO angekündigt und dürfte hernach häufiger auf den Zürichsee blicken: Er hat sich ein Domizil in der superteuren Überbauung «SunSet» an der Stutzhaldenstrasse im steuermilden Klima von Schindellegi zugelegt. Im «SunSet» ist nur noch eine einzige, dafür grosse Villa frei: Die 476 Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf 8,5 Zimmer, kosten knapp 14 Millionen Franken.

Was Sie sonst in der neuen «Bilanz»-Augabe erwartet, sehen Sie im Video:

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